Das Stipendienprogramm der Katholisch-Theologischen Fakultät, das aus Drittmitteln finanziert wird, soll es Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland ab 2007 ermöglichen, für jeweils bis zu drei Monate in Erfurt an den Beständen der Amploniana zu forschen. Gedacht ist an Projekte, die einzelnen Handschriften, Autoren oder anderen Fragen der mittelalterlichen Bibliothek gelten. Das jeweilige Forschungsprojekt muss an die Bestände der "Bibliotheca Amploniana" gebunden sein.
Um die Amplonius-Stipendien können sich Promovenden und Postgraduierte bewerben. Es stehen jährlich mehrere Stipendien in Höhe von 1600 Euro pro Monat zur Verfügung.
Die Bewerbung kann seit Sommer 2010 laufend erfolgen, der Stipendienbeginn ist frei wählbar.
Sommer-Semester 2012
Martin Dekarli M.A. (Prag)
"Heinrich Totting von Oyta und sein Kommentar zu Aristoteles' Metaphysik (Quaestiones in septem libros Metaphysicae Aristotelis) - Beitrag zu den Anfängen des platonischen Ideen- und Universalienstreites an der Prager Universität im 14. Jahrhundert"
Der Gegenstand eines größeren Forschungsprojekts war die Erforschung von Heinrich Totting von Oytas Kommentar zu Aristoteles' "Metaphysik". Ziel des Projektes ist die paläographische Transkription und inhaltliche Erforschung, historische Kontextualisierung und historisch-kritische Edition wesentlicher Teile von Oytas "Quaestiones in septem libros" "Metaphysicae Aristotelis"(Erfurt, Bibliotheca Amploniana, F 329), dessen Exemplar in der Bibliotheca Amplionana aufbewahrt wird.
Barbara Bartocci (Rom)
"Henricus de Hervordia, "Catena aurea entium vel problematum series", Erfurt, Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha - UB Erfurt, Dep. Erf. mss. CA 2° 370 (fol. 21- 227, enthält l. I-VII) und CA 2° 371 (fol. 134, l. VIII-IX), beide ca. 1351-/1400"
Die "Catena aurea entium" ist die große wissenschaftliche Enzyklopädie des Dominikaners Heinrich von Herford (+1370), der sein Material nach dem jetzigen Kenntnisstand vornehmlich aus den Schriften des Albertus Magnus und der weiteren bedeutenden Dominikanergelehrten Thomas von Aquin, Dietrich von Freiberg und Niklaus von Straßburg sowie aus der Enzyklopädie des Thomas von Cantimpré und aus Werken der Kirchenväter wie auch einiger antiker Autoren geschöpft hat. Wieweit er auch Meister Eckhart herangezogen hat, ist noch nicht erforscht. Heinrich muß zumindest von ihm gehört haben, möglicherweise vermittelt durch Konrad von Halberstadt (den Älteren).
Das besondere Interesse des Kurzzeit-Forschungsprojekts bestand darin, dieses enzyklopädische Werk näher auf doktrinelle Einflüsse Meister Eckharts hin zu untersuchen, besonders hinsichtlich dessen "Quaestiones disputatae", die zuerst Martin Grabmann in der Vatikanischen Handschrift "Vat. Lat. 1086" gefunden hatte, deren Authentizität dann aber - auch von Grabmann selbst - bezweifelt wurde und erst kürzlich von Markus Vinzent, Walter Senner und Loris Sturlese sichergestellt worden ist. Da die "Catena aurea entium" nicht ediert ist, drängt es sich auf, die nahe dem Entstehungszeitraum geschriebenen Erfurter Handschriften zum Zentrum der Untersuchung zu machen und die so erzielten Ergebnisse mit den Vatikanischen Codices Vat. lat. 4130 und 3025 abzugleichen.


