Öffentliche Meinung zwischen Differenzierung und Integration
Titel:
Öffentliche Meinung zwischen Differenzierung und Integration: Zum Erklärungswert von Noelle-Neumanns Theorie in der Praxis des 'Social Web'
ComDigMed-Vertreter: Prof. Patrick Rössler
Weitere Partner: Studentische Projektgruppe „Meinungsraum“
Unterstützt durch: Stiftung Demoskopie Allensbach
Laufzeit: 06/2009 – 07/2010
Inhalt:
Wie kaum ein anderer Erklärungsansatz unseres Fachs beruht Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der öffentlichen Meinung (TdÖM) auf einem kommunikationspraktischen Problem, dessen Beobachtung zur wissenschaftlichen Theoriebildung inspirierte: Es war der überraschende „last minute swing“ zugunsten der CDU 1965, der in Bezug zur Wahrnehmung des Meinungsklimas gesetzt werden konnte; ein Phänomen, das von der Autorin mit dem prägnanten Titel ‚Schweigespirale’ bedacht wurde. Die Erklärung dieser Beobachtung konzentrierte sich bald auf den Einfluss der Massenmedien, die für die Emergenz eines so genannten „doppelten Meinungsklimas“ verantwortlich seien. Intensivere Mediennutzer hatten damals eine andere Vorstellung vom Meinungsklima als Menschen, die die Medien seltener nutzen.
Mit ihrem Ansatz legte Noelle-Neumann eine umfassende Theorie der Öffentlichen Meinung vor, die beachtliche Auswirkungen auf die Praxis der politischen Kommunikation zeitigte, sich in der Ära des Medienwandels aber vor neuen Herausforderungen sieht: CvK als neuer Interaktionskanal spielt, glaubt man den Erfahrungen aus den USA, auch in Wahlkämpfen inzwischen eine wesentliche Rolle – wie genau sich Prozesse öffentlicher Meinung dort abspielen und ob sich Schweigespiral-Mechanismen einstellen, ist bislang ungeklärt. Das Projekt greift dieses Desiderat auf und schließt damit an die schon länger geäußerte Forderung an, bestehende Medienwirkungstheorien auf ihre Erklärungskraft angesichts sich rapide wandelnder Kommunikationsumgebungen anzupassen. Ihm liegt eine umfangreichere theoretische Ausarbeitung zugrunde, die darauf abzielt, die zentralen Postulate von Noelle-Neumanns „Schweigespirale“ ebenso wie Kritik und Weiterentwicklungen in Bezug auf die Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten im und durch das Internet zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren. Es werden Aussagen darüber getroffen werden, inwiefern die TdÖM Meinungsbildungsphänomene unter den heutigen medialen Rahmenbedingungen erklären kann. (Eine empirische Untersuchung erfolgte nicht).
Das Argument der starken Medienwirkung war gebunden an das damalige Profil der deutschen Medienlandschaft. Heute ist der öffentliche Meinungsbildungsprozess neuen Einflüssen ausgesetzt, die insbesondere mit dem Internet als neue Plattform für Meinungsäußerung an Bedeutung gewinnen. Das Projektergebnis beruht auf einer schrittweisen theoretischen Prüfung aller relevanten Konstrukte und Einflussvariablen unter Berücksichtigung der „Web 2.0“-Kommunikation. Die Ergebnisse dieser Überlegungen lassen sich in zwei Bereichen ansiedeln: Die auf Individualebene erbrachten Resultate werden einerseits in einem neu generierten Modell zur Redebereitschaft im Internet zusammengeführt. Besonders hervorzuheben sind im vorliegenden Kontext aber die gesamtgesellschaftlichen Folgen, welche Fokus des Vertiefungsbereichs sein sollen.
Publikation:
In Vorbereitung

