Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Andrew McKenzie-McHarg M. A.

Projektinformationen

Kurzbeschreibung:

"Stationen des Verschwörungsdenkens in Deutschland 1773-1803"

Es gibt Verschwörungen, und zwar überall da, wo sich politisches, d.h. machtbezogenes Handeln von anderen Handlungsformen differenziert hat. Die Verschwörungstheorie hat also ihre Berechtigung, sofern es sich um eine Analyse eines tatsächlich in der Geschichte vorkommenden Phänomens handelt. Gewisse Eigentümlichkeiten der Verschwörungstheorie lassen aber ihre Wahrnehmung der sozialen und historischen Realität leicht „pathologisch“ werden. Die Pathologie setzt nicht punktuell ein, vielmehr handelt es sich um einen gleitenden Übergang. Sobald sich aber die Tendenz zeigt, die Geschichte selbst als eine Verschwörung zu erklären, ist der Übergang zu einer Denkweise vollzogen, die sich dann weitgehend immun gegen Kritik verhält. Mit dieser Dissertation soll gezeigt werden, wie es erstmals zu einer solchen Entwicklung im Europa zur Zeit der Spätaufklärung und infolge der Französischen Revolution gekommen ist - also in einem Zeitraum, der sich durch die Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 und das Erscheinen des zweibändigen verschwörungstheoretisch angelegten Werks von Johann August Starck Der Triumph der Philosophie im 18. Jahrundert im Jahre 1803 umrahmen lässt. Das Projekt will die Dynamik beleuchten, an der die Aufklärer durchaus teilnahmen, die die Verschwörungstheorie aber eigentlich zu einer „Geschichtsphilosophie“ der Gegenaufklärung aufsteigen ließ, bis sie im 19. Jahrhundert, als die Gegenaufklärung in einem komplexen Prozess in den Konservatismus eingemündet war, durch ein reiferes romantisch-organologisches Geschichtsverständnis abgelöst werden konnte.

Laufzeit: seit 01.04.2009

Kontakt: andrewin2001(at)hotmail.com

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