Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Michael Multhammer M. A.

Projektinformationen

Kurzbeschreibung:

"Rettungen. Motive und Gattung im Werk Lessings"

„Die wenigen Abhandlungen desselben sind alle, Rettungen, überschrieben. Und wen glaubt man wohl, daß ich darinne gerettet habe? Lauter verstorbene Männer, die mir es nicht danken können! Und gegen wen? Fast gegen lauter Lebendige, die mir vielleicht ein sauer Gesicht dafür machen werden. Wenn das klug ist, so weiß ich nicht, was unbesonnen sein soll.“ So schreibt der erst fünfundzwanzigjährige Lessing in der Vorrede zu einer kleinen Gruppe von Prosatexten, die 1754 als dritter Band seiner Schriften erscheinen. Ab etwa 1650, so eine der Thesen der Arbeit, kommen Texte vermehrt ans Tageslicht, die im weitesten Sinne versuchen, Positionen und Personen zu rehabilitieren, die von den Zeitgenossen als ketzerisch oder moralisch zumindest als äußerst fragwürdig eingeschätzt wurden. Diese Gruppe von Texten lässt sich nicht genau mit einem Gattungsbegriff eingrenzen, es handelt sich vielmehr um verschieden überschriebene Traktate, die sich an Traditionen der antiken „vindicatio“ oder des „encomium“ anlehnen. Eine prominente Rolle spielt auch die Textsorte der Apologien, die in der Frühen Neuzeit eine breite Wirkung entfaltet haben. Allen diesen Texten ist gemein, dass sie dem Verfasser die Möglichkeit geben, heterodoxe Positionen zur Sprache zu bringen und ihnen zumindest in Teilen die gefährliche Spitze zu nehmen, ohne dass der Autor selbst dafür einstehen muss. In dieser Tradition stehen Lessings Rettungen.

Die Arbeit will versuchen die Positionen, insbesondere die Trennung von Religion und moralischer Integrität einer Person, historisch einzuordnen und ausgehend von den frühen Rettungen einen für Lessing typischen Denkstil freizulegen, der einen neuen Zugang zum Gesamtwerk ermöglichen soll. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die „Geretteten“ gelegt werden, bei denen es sich um Autoren verbotener und clandestiner Schriften handelt, oder wie im Falle des Horaz um einen Patron eklektischer Philosophie. Die Arbeit versucht damit einen Beitrag zu leisten, zu verstehen, welchen Einfluss verbotene oder als gefährlich erachtete Schriften auf Autoren wie Lessing und die Hochaufklärung ausgeübt haben und Ideen aus dem Untergrund an die Oberfläche der Öffentlichkeit gelangt sind.

Curriculum vitæ

2001 Abitur

2003-2008 Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, Germanistischen Linguistik und Philosophie an der Ludwig-Maximilians Universität München

2008 Magister Artium in Neuerer deutscher Literaturwissenschaft bei Prof Dr. Karl Eibl und Beginn der Doktorarbeit „Rettungen. Gattung und Motive im Werk Lessings“ bei Prof. Dr. Friedrich Vollhardt (München)

2009 Stipendium am Forschungszentrum Gotha für sozial- und kulturwissenschaftliche Studien bei Prof. Dr. Martin Mulsow

Mitgliedschaften:

Deutscher Germanistenverband

Lessing-Akademie Wolfenbüttel

Laufzeit: seit 01.04.2009

Kontakt: m.multhammer(at)gmx.net

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