Kai Brodersen - Promovierende und Promovierte
Diese Seite informiert über Promovierende (Johannes Eberhardt, Kirsten Dzwiza, Rebecca Schulz) und Promovierte (Manuel Schulte, Amina Kropp, Martin Lindner, Katharina Weggen, Wolfgang Moschek, Katrin Herrmann, Uwe Herrmann).
Die Promotionsordnungen der Universität Erfurt (Philosophische Fakultät) - gültig ab 2007 und ab 2012 - finden Sie auf der Seite www.uni-erfurt.de/uni/hochschulrecht/satzungsrecht/studium/promotion .
Promovierende
JOHANNES EBERHARDT
Musikkultur in der spätrömischen Gesellschaft
Die Musik der römischen Welt ist nur indirekt vermittelt zugänglich. Ihre Melodien, Rhythmen, Aufführungen und die artikulierten Emotionen bleiben verklungen. Tausende überlieferter literarischer, ikonographischer und materieller Repräsentationen von Musikpraktiken deuten auf ihre große und vielfältige Bedeutung und die Musik der Spätantike wird aktuell als ein allgegenwärtiges, alltagsdurchdringendes Phänomen begriffen. Ob als wichtiges und hoch emotives Kommunikationsmedium, als polyvalentes Ritual oder Symbol gab sie häufig Anlass zu kontroversen Äußerungen der antiken Autoren. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die spätrömische Musikkultur. Die des vierten nachchristlichen Jahrhunderts, in der das Christentum und die paganen Religionen und Rituale der Mehrheit der Menschen vielfach noch geduldet wurden, soll dabei nun neu gewürdigt werden. Die Musik dieser Zeit wurde häufig als von dynamischen neuen Impulsen des erstarkenden Christentums vor einer statischen Kulisse paganer Traditionen geprägt beschrieben. Eine musikkulturelle Konkurrenz von paganen und christlichen Religionen erscheint dabei als übergeordnetes Charakteristikum. Beides gilt es in der geplanten Dissertation zu hinterfragen.
Die verschiedenen Repräsentationen spätrömischer Musikkultur insbesondere auf immanente Wertungen hin zu untersuchen, soll dabei helfen, diese in der spätrömischen Gesellschaft als ein Phänomen zu würdigen, welches einerseits über individuelle Spezifika und Vorbilder verfügt und andererseits weitaus mehr als das Konkurrieren von religiösen Blöcken oder Gruppen abbildet. Der komplexen Quellenlage muss dabei Rechnung getragen werden. Denn möchte man Duldung, Gefallen und Ablehnung von spätrömischer Musikkultur durch ihre Umwelt begreifen, muss nach individuellen Kontexten der beschriebenen Praktiken und Akteuren sowie den beschreibenden Autoren, deren Adressaten und Medien gefragt werden. Dabei interessieren besonders literarische Vorbilder, geographische und zeitliche Räume und Interaktionen, die Bedeutung von Sozialisation, Emotionen und vielfältigen Erscheinungsformen von Macht. All dies in den Blick zu nehmen, soll nicht nur Musikkultur in der spätrömischen Gesellschaft zu verorten helfen, sondern überdies, die dynamische Forschung zur Spätantike und ihre alltagsgeschichtlichen Probleme in diesem Bereich ergänzen.
Publikationen: J. Eberhardt, Emperor Iulianus' Misopogon: Meta-Contests and Hybridity in Later Roman Culture of Music, in: D. Castaldo, F.G. Giannachi, A. Manieri: Poesia, musica e agoni nella Grecia antica. (Rudiae 22-23) Vol. 1, Galatina: Congedo Editore 2012, 241-255; Musik II (Vokalmusik), in: Reallexikon für Antike und Christentum XXV, Stuttgart 2012, 247-283 (mit A. Franz)
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Annahme als Doktorand an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt am 17.3.2010.
Kontakt: johannes.eberhardt[at]uni-erfurt.de
KIRSTEN DZWIZA
Der Terminus "Charakteres" in griechischen, koptischen und demotischen magischen Kontexten - Vorkommen, Verwendung und Verbreitung vom 1. bis zum 7. Jh. n. Chr.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Erforschung des terminus technicus „Charakteres“, der sich auf magische Zeichen bezieht und erstmals im 1. Jahrhundert nach Christus in Erscheinung tritt. Als Materialbasis dienen die publizierten griechischen, koptischen und demotischen magischen Schriften, die hauptsächlich in Papyri, auf Lamellae und Defixiones überliefert sind. Parallel zu diesen unmittelbaren Zeugnissen theoretischer und praktischer Magie wird die Verwendung des Terminus in der antiken Literatur, Fachliteratur und in gnostischen Werken untersucht. Der chronologische Rahmen der Arbeit umfasst das 1. bis 7. Jahrhundert n. Chr.
Vier Fragestellungen stehen im Zentrum der Untersuchung:
- Welche Materialien wurden für die Textträger verwendet, und welche Bedeutung kam ihnen zu?
- Im Kontext welcher Rituale und Vorstellungen tritt der Terminus „Charakteres“auf, und können diese auf ältere Ursprünge zurückgeführt werden?
- Welche Parallelen und welche Unterschiede bestehen zwischen zweckidentischen Zauberpraktiken mit und ohne Verwendung des Terminus „Charakteres“?
- Wie wurde der Begriff in der Antike verstanden und angewendet?
Ziel ist es, ein umfangreiches Bild von den mit dem Terminus „Charakteres“ verbundenen antiken Vorstellungen zu zeichnen. Dazu gehört insbesondere auch eine Untersuchung der involvierten Rituale in Verbindung mit ihren kultur- und sprachübergreifenden Verwendungsweisen.
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Joachim F. Quack (Heidelberg). - Annahme als Doktorandin an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt am 9.2.2012.
Kontakt: kirsten.dzwiza[at]uni-heidelberg.de
REBECCA SCHULZ
Göttliche Macht oder Menschenhandwerk? Methoden der Heilung "dämonischer Besessenheit" in der Römischen Kaiserzeit
Religion und Wissenschaft stehen seit ihrer Entstehung im Wettstreit. Vor allem im Bereich der Heilungsmethoden treten ihre Differenzen besonders zutage. Bereits in der Antike war die wissenschaftliche Medizin bestrebt, eine Krankheit ohne die Unterstützung göttlicher Macht zu behandeln. Dies geschah unter Einsatz von heilenden Mitteln, anhand chirurgischer Eingriffe oder durch Anordnungen für eine gesündere Lebensweise. Die Vertreter der religiösen Heilungsmethoden zogen zur Behandlung von Krankheiten die Hilfe göttlicher Macht mittels Ritualen, Gebeten oder Ausfahrbefehlen sowie magischen Gegenständen heran. Ebenso wandten die Volksmedizin und die Heilastrologie alternative Heilungsmethoden an und standen aufgrund dessen den Behandlungen der wissenschaftlichen Medizin entgegen.
Besonders gut lassen sich diese Differenzen anhand einer Krankheit untersuchen: der dämonischen Besessenheit. Dieses Krankheitsbild wurde in der Antike sowohl von religiösen Heilern als auch von Ärzten behandelt, nur verstand die wissenschaftliche Medizin diese Krankheit als Epilepsie. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. erkannte der Verfasser der hippokratischen Schrift „Über die heilige Krankheit“ eine natürliche Ursache für Epilepsie. Demnach ging ein Teil der antiken Gesellschaft schon im 5. Jahrhundert v. Chr. davon aus, dass diese Krankheit keine göttliche gewesen ist. Andere jedoch zählten sie weiterhin in den Bereich der unnatürlichen Erkrankungen. Dadurch entwickelten sich verschiedene Heilungsmethoden, welche den Betroffenen zur Verfügung standen. Rund ein halbes Jahrtausend nach der hippokratischen Schrift, mit der Entstehung des Christentums, gewann die unnatürliche Ursache der Krankheit immer mehr an Bedeutung. Spezielle religiöse Heiler behandelten die dämonische Besessenheit durch einen Exorzismus und befreiten die Betroffenen von ihren Dämonen. Die Heilungsmethoden der wissenschaftlichen Medizin, der Volksmedizin und der Heilastrologie gerieten jedoch nicht in Vergessenheit, so dass mehrere Herangehensweisen zur Heilung dieser Krankheit nebeneinander existierten.
Daher stellt sich die Frage, welche Heilungsmethode für die Heiler und die Betroffenen in der Kaiserzeit an erster Stelle stand: die göttliche Macht oder das Menschenhandwerk? Ziel dieser Arbeit ist es, die Beweggründe für die jeweilige Heilungsmethode unter Berücksichtigung des Konkurrenzverhaltens der Heiler und des Umfeldes der Betroffenen zu untersuchen.
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Annahme als Doktorandin an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt am 10.12.2012.
Kontakt: rebeccaschulz[at]hotmail.de
Promovierte
J. MANUEL SCHULTE
Speculum Regis: Studien zur Fürstenspiegel-Literatur in der griechisch-römischen Antike
Fürstenspiegel bringt man meist mit dem Mittelalter und der Neuzeit in Verbindung, doch beschreibt der Begriff ein bereits im Altertum bekanntes Phänomen: Wo nämlich Macht ausgeübt wird, gab es immer ein Bedürfnis, Machthabern Maßstäbe, Spielregeln und Grundtugenden ihrer Position zu erklären. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Fürstenspiegel-Literatur der griechisch-römischen Antike zu untersuchen. Sie beginnt dabei mit den homerischen Epen und endet mit Mark Aurels Selbstbetrachtungen. Aus einer Quellenschau heraus will die Arbeit die Art, Ausprägung und Entwicklung der antiken Fürstenspiegel-Literatur darlegen und erläutern.
Betreuer: Kai Brodersen (Mannheim), Stefan Rebenich (Mannheim). - Abschluß der Promotionsverfahrens in Mannheim.
Publikation: J. Manuel Schulte: Speculum Regis. Studien zur Fürstenspiegel-Literatur in der griechisch-römischen Antike. Antike Kultur und Geschichte 3, Münster: Lit-Verlag 2001. ISBN 3-8258-5249-0, 296 S. 25,90 Euro
Kontakt via http://de.linkedin.com/in/jmanuelschulte
AMINA KROPP
"Wenn Worte töten könnten ..." Sprachverwendung in aggressiv-magischen 'Ich-Ritualen' der römischen Antike
Hauptuntersuchungsgegenstand sind die sog. Fluchtafeln in lateinischer Sprache, antike Bodenfunde aus dem gesamten römischen Reich, die interessante Einblicke in die Ausübung des rituellen Schaden- und Bindezaubers geben. Die Arbeit ist so angelegt, da* sie diese Texte in den Mittelpunkt stellt, sich dabei aber nicht nur auf traditionelle philologische Fragestellungen konzentriert, sondern insbesondere den pragmatischen Kontext mitberücksichtigt, d.h. auch moderne sprachwissenschaftliche Theorien, vor allem im Sinne einer kommunikationsorientierten Textlinguistik, integriert. Da sich in diesen Texten die Gesellschaft, die sich des Schadenzaubers bedient, widerspiegelt, können neben magisch-religiösen Aspekten auch sozio-kulturelle Phänomene nä\her beleuchtet werden. Daneben soll ein Abgleich mit anderen Fächern dazu dienen, die Tradition des Bindezaubers in anderen Zeiten und Kulturbereichen nachzuvollziehen.
Betreuer: Wolfgang Raible (Freiburg), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Freiburg am 4.12.2006 (summa cum laude).
Publikation: Amina Kropp, Magische Sprachverwendung in vulgärlateinischen Fluchtafeln (defixiones) ScriptOralia 135, Tübingen: Narr 2008. 341 S., ISBN 978-3-8233-6436-8, 98.-- Euro; Dies. defixiones - Ein aktuelles Corpus lateinischer Fluchtafeln, Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2008. 412 S. ISBN 978-3-939526-02-5. 30.-- Euro. - Weitere Publikationen: (gemeinsam mit K. Brodersen) Fluchtafeln: Neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber. Frankfurt am Main (Verlag Antike) 2004. 160 S. (mit eigenem Beitrag) u.a.m.; siehe http://www.phil.uni-mannheim.de/romsem/mitarbeiterinnen/sprach_medienwissenschaft/kropp_amina_dr/publikationen/index.html
Kontakt: kropp[at]phil.uni-mannheim.de
MARTIN ANDREAS LINDNER
Rom und seine Kaiser im Historienfilm
Historienfilme bilden heute für weite Teile der Bevölkerung den ersten und oftmals einzig dauerhaften Zugang zur antiken Geschichte, ganz besonders aber zur Römischen Kaiserzeit. Die Gestalt des jeweiligen Herrschers bündelt dabei die verschiedenen Aspekte einer ganzen Epoche. Produktionen wie Quo Vadis? oder Gladiator haben die Grundlage für einen kulturellen Wissensschatz geschaffen, der in hohem Maße auf die Geschichtswissenschaft zurückwirkt. Die Erfahrung mit dem Historienfilm wird zum Maßstab für weitere Erkenntnisse und nicht selten erlangen filmische Erfindungen ein Eigenleben. Anders als bisherige Untersuchungen setzt das Projekt mit einem Längsschnitt in drei Phasen an: Anhand einer Auswahl der größten "Historical Epics" sollen zuerst formelle und inhaltliche Elemente der Präsentation und die Methodik der Auswahl erfasst werden. Um Entstehung und Bedeutung nachzeichnen zu können, gilt es zweitens, die Sinnvorgaben, die auf antike wie neuzeitliche Quellen und filmische Vorgänger zurückgeführt werden können, zu identifizieren und in Bezug zu setzen. Abschließend wird mittels eines Quervergleichs der Ergebnisse einzelner Analysebereiche der Weg zur Formulierung einer Gesamtsystematik im Sinn einer "Sprache der Historienfilme", eingeschlagen. Im Mittelpunkt stehen die folgenden Fragen: Welche Bilder der Römischen Kaiserzeit generieren Historienfilme, auch im Bezug auf ihren eigenen Entstehungshorizont? Was verrät die Auswahl von Mitteln und Grundlagen über die Formen und Traditionen historischer Rezeption? Wie lassen sich welche "Gesetzmäßigkeiten" der Darstellung beschreiben und in einen größeren Kontext einordnen?
Betreuer: Tanja Scheer (Oldenburg), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Oldenburg am 30.1.2007.
Publkation: Martin Lindner, Rom und seine Kaiser im Historienfilm. Frankfurt/M.: Verlag Antike 2007. 332 S. ISBN 978-3-938032-18-3, 49,90 Euro.
Kontakt: martin.lindner[at]uni-goettingen.de
KATHARINA WEGGEN
Studien zu M. Licinius Crassus
Mehrere grundlegende Aussagen sind zunächst in Bezug auf M. Licinius Crassus zu treffen: Zum einen ist sein Name bis zum heutigen Tage verbunden mit der schmählichen Niederlage bei Carrhae im Jahre 53 v.Chr., zum anderen mit seiner Teilnahme am so genannten 1. Triumvirat und einem riesigen, sprichwörtlich gewordenen Reichtum.
Im Gegensatz zu der mittlerweile fast unüberschaubaren Menge an Forschungsliteratur zu Caesar und Pompeius gibt es über ihn keine detaillierte neue (und vor allem keine deutsche) Studie. Es ist interessant zu sehen, wie weit der Einfluss Mommsens und Gelzers in diesem Falle reichte: Crassus wurde abgestempelt als "Verliererkreatur" und brutale "Wolfsnatur", der jegliche militärische und geistige Genialität abging; zugleich hielt man es kaum für nötig, sich seiner noch einmal genauer anzunehmen und die betreffenden Quellen einer kritischen Analyse zu unterziehen.
Ausgehend von einer Neubewertung des Partherfeldzuges sollen in der Arbeit verschiedene Aspekte aus Crassus' Leben neu beleuchtet und abschließend zu einem möglichst objektiven biographischen Bild zusammengefügt werden.
Betreuer: Rainer Bernhardt (Rostock), Kai Brodersen (Mannheim). - Abschluss des Promotionsverfahrens in Mannheim am 30.11.2007.
Publikation: Katharina Weggen, Der lange Schatten von Carrhae: Studien zu M. Licinius Crassus. Hamburg: Kovac 2011. ISBN 978-3-8300-5520-4
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/alte_geschichte/personen/weggen.katharina
Kontakt: katharina.weggen[at]geschichte.uni-giessen.de
WOLFGANG MOSCHEK
Der römische Limes – Eine Untersuchung zur kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Bedeutung der Bauwerke an den Enden des Römischen Reiches
Der jüngst zum ersten Europäischen Weltkulturerbe der UNESCO zusammen mit dem Hadrians Wall ernannte Obergermanisch-rätische Limes gehört zu den größten archäologischen Überresten der Antike. Bemerkenswert ist bei diesem Weltkulturerbe der Gegensatz der vielen archäologischen Befunde der Limesanlagen, die sich nahezu an allen Enden des römischen Weltreiches ab dem ausgehenden 1. Jahrhundert n. Chr. nachweisen lassen, zu dem fast verschwindend geringen Befund an schriftlichen Quellen aus der Antike, die sich mit der Funktion und der Auswirkung dieser Grenze beschäftigen oder diesen überhaupt erwähnen.
Die Arbeit untersucht die grundlegende Funktion von Grenzen in der römischen Kultur und deren Verortung in der Mentalität der antiken Bevölkerung des römischen Reiches, um so die Bedeutung und die Funktion dieser größten Grenze der Römer herauszuarbeiten. Die Klärung der Forschungsgeschichte, eine Untersuchung der bisherigen Theorien zur Funktion des Limes, die grundlegende Erörterung des Raum- und Grenzverständnisses der römischen Kultur und deren Ausprägungen in der täglichen Lebenswelt, sollen helfen, einen neuen Zugang zum Verständnis von Palisaden, Gräben und Mauern am Ende der römischen Welt zu finden.
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). – Abschluss des Promotionsverfahrens in Erfurt am 24.1.2009.
Publikation: Der Römische Limes. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2011. 272 S: ISBN 9783939526100. 30.-- Euro
Kontakt: wolfgang.moschek[at]gmx.de
KATRIN HERRMANN
Gordian III. - ein Kaiser der plebs Romana?
Die Regierungszeit Gordians III. (238-244 n. Chr.) ist eine für das dritte Jahrhundert, der so genannten „Ära der Soldatenkaiser“, untypische Epoche. Besonders am Anfang der Herrschaft dieses Kaisers gewannen durch die (chronologisch noch immer umstrittenen) Ereignisse des Jahres 238 n. Chr. altrömische Institutionen wie der Senat wieder an Macht, so dass zumindest für diese Zeit weniger das von der späteren Forschung verwendete Etikett der „Krise des dritten Jahrhunderts“ zutrifft, sondern vielmehr von einer restaurativen republikanischen Phase gesprochen werden kann.
Auch die Herrschaft des erst 13-jährigen Gordian ist nicht kennzeichnend für die Karriere eines Augustus des 3. Jahrhunderts. Unterstützt durch seinen Prätorianerpräfekten und Schwiegervater Timesitheus geling es, dem wirtschaftlich und sozial am Boden liegenden römischen Staat wieder neue Impulse zu verleihen.
Nach dessen Tod im Jahr 242 änderte sich die Stimmung im Imperium Romanum. Alte strukturelle und wirtschaftliche Probleme brechen erneut auf und Gordian muss letztlich einen Krieg gegen die Sassaniden führen, in dem er getötet wird. Sein Nachfolger Philippus Arabs wird wieder vom Heer zum Kaiser erhoben, so dass damit auch der Versuch die Machtverhältnisse dauerhaft zu stabilisieren, ebenfalls gescheitert ist.
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Abschluß des Promotionsverfahrens in Erfurt am 5.1.2011.
Publikation: Gordian III. - Kaiser einer Umbruchszeit. Speyer: Kartoffeldruck-Verlag 2013. 203 S. ISBN 978-3-939526-20-9. - Weitere Publikation (mit J. Bruch): The Reception of the Philosopher-King in Antiquity and the Medieval Age, in: M. van Ackeren (Hg.), A Companion to Marcus Aurelius. Malden, Oxfrord, Chichester: Wiley Blackwell 2012, 483-496. - Herrschaftskonzeption und Herrschaftspraxis bei Marc Aurel und eine neue 'optimus princeps'-Konzeption im 3. Jahrhundert, in: M. van Ackeren / J. Opsomer (Hgg.), Selbstbetrachtungen und Selbstdarstellungen: Der Philosoph und Kaiser Marc Aurel im interdisziplinären Licht. (ZAKMIRA-Schriften 9) Wiesbaden 2012, 187-202.
Kontakt: katrin.herrmann[at]ccbuchner.de
UWE HERRMANN
Zorn, Rache und Gewalt im archaischen Griechenland
Darstellungen von Zorn, Rache und Gewalt finden sich in den literarischen Zeugnissen der archaischen Epoche Griechenlands auffallend häufig und oftmals in erschreckender Detailfülle. Bereits am Beginn der europäischen Literatur, den homerischen Epen, steht die extensive Schilderung von und die intensive Beschäftigung mit Zorn, Rache und Gewalt. Die Dissertation wird sich daher gründlich mit diesen Phänomenen auseinandersetzen. Die homerischen Epen und Hymnen werden für die Untersuchung ebenso herangezogen werden wie die Werke Hesiods, die der Lyriker und das Geschichtswerk Herodots. Ziel der Arbeit ist es, mittels einer eingehenden Diskussion der dargestellten und aufgeführten Zorn-, Rache und Gewaltphänomene die Ursachen, Funktionen, Formen und, vor allem, den Stellenwert ebendieser im gesellschaftlichen Miteinander zu bestimmen. Dafür ist auch eine Erörterung der gesellschaftlichen Strukturen unerlässlich. Insbesondere die Konzepte von Prestige, Status als auch deren Interdependenz von zorn-, rache- bzw. gewaltgeleiteten Handlungen stehen daher im Fokus der Arbeit. Auch die vorherrschenden Moral- und Ethikvorstellungen jener Zeit und die Funktionsweise von oraler Dichtung überhaupt werden dafür zu berücksichtigen sein. Es wird eine Antwort angestrebt auf die Fragen: Was ist der gesellschaftliche Platz des Zorns, der Rache und der Gewalt in archaischer Zeit, und welchen etwaigen Veränderungen unterlag er innerhalb dieser Zeitspanne? War die archaische Epoche Griechenlands eine Zeit besonders intensiv gelebten Zorns; war sie etwa erfüllt von Rache und Gewalt?
Betreuer: Kai Brodersen (Erfurt), Veit Rosenberger (Erfurt). - Annahme als Doktorand am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt im September 2008, Einreichung der Arbeit am 27.10.2011, Disputatio am 17.2.2012.
Kontakt: her.u[at]web.de
Habilitierte
Karen Piepenbrink
Im Apri 2005 hat sich an der Universität Mannheim Dr. Karen Piepenbrink mit einer Arbeit über "Christliche Identität und Assimilation in der Spätantike" für "Alte Geschichte" habilitiert. Sie ist seit 2011 Professorin an der Universität Gießen.
Weitere Informationen und zum Kontakt: Prof. Dr. Karen Piepenbrink .

