Kurzbeschreibung
Das Projekt mit dem Kürzel JewCom, oder: A History of European-Jewish Communication in the 20th Century, ist gruppiert um exemplarische Briefwechsel europäisch-jüdischer Intellektueller, die vor und nach dem Zweiten Weltkrieg gelebt haben und durch Emigration in die USA, nach Palästina/Israel oder in den west- und osteuropäischen Raum ein Netzwerk europäisch-jüdischer Kommunikation gebildet haben.
In JewCom wird der Zusammenhang von Kommunikation und kultureller Erinnerung untersucht. Die These, dass das moderne europäisch-jüdische kulturelle Gedächtnis maßgeblich durch kommunikative Aspekte formiert und in seiner Existenz deshalb durch subjektive Wahrnehmung und Erfahrung markiert ist, soll die textanalytische Arbeit zeigen. Dieser Subjekt zentrierte Blick eröffnet ergänzende Perspektiven auf die jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts – und revidiert damit bestehende Klischees, Symbole und Traditionen des vornehmlich nicht-jüdischen Blicks auf jüdische Geschichte.
Das Forschungsprojekt ist dem Gedanken verschrieben, dass jüdische Kultur(en) der Moderne und ihr Erinnerungsvermögen, aber auch ihr Vergessen, narrativ konstituiert werden. Vor allem mit der zunehmenden Infragestellung religiösen Verhaftetseins beruht jüdische Erinnerungskultur weniger auf materiellen Zeugnissen (lieux de mémoires) als vielmehr auf deren anhaltender „Entortung“/Verschiebung – sie verkörpert deshalb eine „history of displacement“, was insbesondere auch Spuren jüdischer Geschichte des 20. Jahrhunderts (Entwurzelung, Deportation, Exil) wachruft.
