„Was Got beschert bleibt unerwert“. Dieser Spruch steht über dem Portal in der Michaelisstraße 38, dazu die Jahreszahl 1565. Doch die Geschichte des Hauses reicht weiter zurück, schon seit 1395 existiert der Name „Haus zur großen Arche Noah und Engelsburg“. Das Haus diente damals universitären Zwecken: Es war von 1392 bis 1395 Wohn- und Studienort des zweiten Rektors Amplonius Rattingk von Bercka.
130 Jahre später richtete der Drucker Melchior Sachse hier seine Werkstatt ein. Es erschienen 224 Schriften, auch so bedeutende wie Luthers Bibelübersetzung und die Nachdrucke der Straßburger Eulenspiegelausgabe. Durch Fleiß zu Wohlstand gelangt, ließ Sachse 1565 das Gebäude so um-, aus- und zum Teil neu bauen, wie es sich uns heute noch (bzw. wieder) in seiner äußeren Form präsentiert. Seit 1495 gehörte zum Besitz der Familie Sachse auch ein bis zum Breitstrom reichendes mehrgeschossiges Hintergebäude.
Das im Winkel zur Furthmühlgasse gelegene Haus „Kleine Arche Noah“ gilt als Entstehungsort der 1515 und 1516 anonym veröffentlichten Spottverse Epistolae obscurorum virorum (Dunkelmännerbriefe).
Die jüngere Geschichte des Anwesens war weniger ruhmreich. Vorwiegend für Wohnzwecke genutzt, überstand es zwar den letzten Weltkrieg fast unbeschadet, doch der Bauzustand verschlechterte sich anschließend rapide. Bis zu 16 Mietparteien wohnten unter unzumutbaren hygienischen Bedingungen. Pläne, das Haus fachgerecht zu sanieren und neu zu nutzen, gab es viele, aber Geld- und Materialmangel verhinderten dies lange.
1996 übernahm die Alexander von Humboldt-Stiftung als Investor das Objekt. In den Jahren 1998 bis 2000 wurde das denkmalgeschützte Haus aufwändig saniert und zum Internationalen Begegnungszentrum Erfurt umgebaut. Am 02.10.2000 erfolgte die feierliche Einweihung und Übergabe an die Universität Erfurt.

