Buchvorstellung: Prof. Dr. Wolfgang Struck
Palaestra 333
»Die Eroberung der Phantasie« rekonstruiert eine Geschichte. Es könnte die Geschichte eines Abenteuers sein. Ihre Protagonisten heißen Carl Peters, Lothar von Trotha oder Frieda von Bülow, und das Abenteuer, von dem sie träumen, wird unzählige Menschenleben zerstören. Es ist die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang des deutschen Kolonialreichs, die in unzähligen Varianten erzählt, wiedererzählt und transformiert worden ist. Die realen Eroberungen werden vorweggenommen oder nachgespielt, es werden Wünsche nach individueller oder kollektiver Entfaltung und Dominanz verschiedenster Art entworfen. Zugleich wird die Phantasie selbst in ihrer Fähigkeit formiert, Szenarien zu entwerfen, mit Figuren zu besetzen und diese Besetzungen zu revidieren. Der Autor fragt nach dem Wissen (populär-)kultureller Genres und dessen Interferenzen mit geopolitischem Wissen und Handeln. Erkennbar werden die Prozesse, in denen die Phantasie der Eroberung ihre Ziele absteckt und dabei selbst zum Ziel einer Eroberung wird.

