Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Alexander Brunke: Doktorand am Max-Weber-Kolleg

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Universität Erfurt
Postfach 900221
99105 Erfurt

Büro: Nordhäuser Str. 74, 99089 Erfurt
Forschungsgebäude 1 (Haus 27 - Gelände Helios Klinikum), Raum 0221

Vita

Geboren 1981 in Goslar.

Seit April 2011 Stipendiat am Max-Weber-Kolleg; Soziologisches Promotionsprojekt: "Normative Konflikte um die Ordnung des Ökonomischen".

2003-2009 Studium der Soziologie und Philosophie in Hannover, Berlin und Frankfurt/M.

Arbeitsfelder: Sozialtheorien, pragmatische Soziologie, qualitative Sozialforschung, Wissenssoziologie.

Betreuer: Sighard Neckel (Frankfurt/M.) und Frank Ettrich (Erfurt)

Forschungsprojekt

Normative Konflikte um die Ordnung des Ökonomischen

Die soziologische Studie befasst sich mit dem moralökonomischen Bewertungswissen „gewöhnlicher“ Akteure aus verschiedenen deutschen Sozialmilieus. Im Zentrum steht die Frage, wie sich in der alltäglichen Kommunikation eine Urteilsbildung über die normative Regulation marktwirtschaftlicher Ordnungen gestaltet. Insbesondere geht es bei der empirischen Analyse um konkurrierende Auslegungen und Rechtfertigungen des Verhältnisses zwischen gleichen persönlichen Anrechten der Gesellschaftsmitglieder und Ansprüchen, die sich auf leistungs- oder marktbezogene Kriterien stützen. Denn im Zentrum sozialer Konflikte um soziale Ungleichheiten und eine gerechte Einbettung des Ökonomischen steht in demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften die Frage nach den Geltungsbedingungen spezifischer Verteilungskriterien.

Im Anschluss an das insbesondere durch Luc Boltanski geprägte Forschungsprogramm einer pragmatischen Soziologie der Kritik wird mit Hilfe rekonstruktiver Sozialforschung untersucht, welche diskursiven und normativen Bezüge Akteure in der konkreten Auseinandersetzung um grundlegende ökonomische Ordnungsprobleme in face-to-face-Situationen herstellen und welche typischen argumentativen Dynamiken und konflikthaften Konstellationen die Diskussionen bestimmen. Methodisch wird dieser Anspruch durch die Anwendung des Gruppendiskussionsverfahrens eingelöst. Die Studie lenkt den Blick weg von den oftmals programmatischen öffentlichen Diskursen der Politik und der Massenmedien, um stattdessen in die Lebenswelt der Akteure einzutreten und deren Zugänge zum Problem der ökonomischen Ordnung und der sozialen Ungleichheit nachzuzeichnen. Auf welche Werteordnungen stützen sich die Akteure? Durch welche Kategorien und Klassifikationen hindurch beziehen sie sich auf soziale Austauschbeziehungen und welche typisierten Sozialgruppen sind für sie in der Urteilsbildung relevant? Welche Regeln erscheinen ihnen angemessen, um ein „harmonisches“ Funktionieren der wirtschaftlichen Ordnung mit moralisch „richtigen“ Folgen sicherzustellen?

Um solche Auseinandersetzungen auf Akteursebene empirisch zugänglich und soziologisch dokumentierbar zu machen, werden die Gruppendiskussionen thematisch gerahmt. Ausgangspunkt der Diskussionen ist das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens, über das die Teilnehmer ihre Ansichten austauschen. Durch dieses konkrete empirische Bezugsproblem wird es möglich, die Klassifikationspraxen und normativen Bezugnahmen zu analysieren, die tendenziell immer dann von Bedeutung sind, wenn es um eine „angemessene“ Gestaltung ökonomischer Austauschbeziehungen und die Bewertung damit verbundener sozialer Ungleichheiten geht. Ein Fluchtpunkt der Studie ist die Rekonstruktion sozial wirksamer Normenkonflikte. Der Analyserahmen der französischen pragmatischen Soziologie bietet sich mit Blick auf die Fragestellung dieses Forschungsprojekts insbesondere deshalb an, weil er weit über die etablierte Unterscheidung zwischen drei abstrakten Gerechtigkeitsprinzipien (Leistung, Gleichheit, Bedarf) hinausweist und die Pluralität der Formen zu erfassen versucht, die Kritik und Rechtfertigung in der sozialen Welt annehmen können.

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