Universität Erfurt

Plattform Weltregionen und Interaktionen

Das "Erfurter Modell"

Wenn wir als Regionalstudien/Area Studies die Fächer und Disziplinen verstehen wollen, deren Vertreter/innen die jeweiligen Sprachen ihrer Regionen beherrschen und die Geschichte(n), Gesellschaften, Kulturen und Literaturen gemäß ihrer jeweiligen Disziplin bzw. interdisziplinär erforschen und lehren, so ist in Erfurt das in Deutschland einmalige Modell gegeben, dass eine größere Anzahl von Regionalstudien in die Disziplinen, vor allem in die Geschichtswissenschaft und die Religionswissenschaft, aber auch in die Literaturwissenschaft integriert sind und integriert studiert werden können. Es handelt sich dabei um die Regionen Ostasien, Westasien, Lateinamerika und Nordamerika in der Geschichtswissenschaft, Südasien, in der Religionswissenschaft und Osteuropa/Russland und Lateinamerika in der Literaturwissenschaft. Die Weltregion Europa selbst wird nicht etwa außen vorgelassen, sondern in ihren Subregionen Ostmittel-, West-, Südwesteuropa (Geschichtswissenschaft) und Südosteuropa/Griechenland (Religionswissenschaft) sowie in ihren Beziehungen zu den genannten Weltregionen erforscht und überdacht. Erfurter Studierende erhalten also eine weltregional ausgerichtete, Deutschland und Europa transzendierende und die heutige globalisierte Welt historisch erfassende Ausbildung.

Die Einbindung der Weltregionen in eine bzw. mehrere Disziplinen sehen wir als entscheidenden Erfurter Standortvorteil, denn sie schafft einen fruchtbaren transregionalen Diskussionszusammenhang, der sich sowohl in der Forschung als auch in der Lehre niederschlägt.
Die Universität Erfurt war als Reformuniversität die erste Universität Deutschlands, die Bachelor- und Master-Studiengänge eingeführt hat, die auf der Basis von Lehrstühlen für außereuropäische und europäische Geschichte ein integriertes, weltgeschichtlich ausgerichtetes Studium ermöglichen.

Die Plattform „Weltregionen und Interaktionen: Area Studies Transregional“ hat sich im Februar 2008 mit dem Ziel gegründet, diese regionalwissenschaftliche Kompetenz an der Universität Erfurt für eine trans- und interdisziplinäre Forschungsorganisation zu bündeln und zu kanalisieren.
Dabei kann sie auf vielfältige Erfahrungen und Aktivitäten zurückgreifen:

2001: Tagung "Luther zwischen den Kulturen" (H.Medick/P.Schmidt) => Publikation: Dies.,(Hgg.), Luther zwischen den Kulturen, Göttingen 2004 (Vandenhoeck u. Ruprecht).
2004: Tagung "Kolonialkriege" (T.Klein/F.Schumacher) => Publikation: Dies., (Hgg.), Kolonialkriege, Hamburg 2006 (Hamburger Edition).
2005: Sektion "Area Studies and Global History" auf dem "European Congress of World and Global History" (B.Schäbler) => Publikation: Dies. (Hg.), Area Studies und die Welt: Weltregionen und neue Globalgeschichte, Wien 2007 (Mandelbaum Verlag).
2007: Internationale Vortragsreihe "Kolonialgeschichten" (Finanzierung: Gerda-Henkel-Stiftung) (C. Kraft; A. Lüdtke; J. Martschukat) => Publikation (Campus Verlag) ist in Vorbereitung.
2007/8: Vortragsreihe "Migration und Identitätspraktiken" (M. Henne; C. Kraft; N. Kreuzenbeck; S. Jobs).
2007: Internationale Tagung “Spuren des Imperialen: nicht-diskursive und diskursive Zeichen und Mediengrenzen des Stalinismus in Mittel- und Osteuropa“ (Finanzierung: DFG) (C. Kraft, H. Meyer).
2008: Internationale Vortragsreihe "Entgrenzung und Regionalisierung" (J. Martschukat; B. Schäbler).
2008: Internationaler Workshop „Everyday Life in Transnational Perspective: Alltagsgeschichte Revisited” (Finanzierung: Gerda-Henkel-Stiftung) (S. Jobs, C. Kraft, J. Martschukat, R. Prass, B. Schäbler).
2008: Internationaler Kongress der Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient, „Visionen einer Weltregion“, 250 Teilnehmer, (Förderung: AA) (B. Schäbler, M. Albrecht, K. Gemeinhardt-Buschhardt).
2008: Internationale Vortragsreihe „Ways of Knowledge: Wissensweisen – Wissenswelten – Wissenswanderungen“ (B. Schäbler, F. Heintze).
2009: Internationale Vortragsreihe „1789-1989: Von Revolutionen lernen: Wissen und Revolution in weltregionaler Perspektive“ (Finanzierung: Fritz-Thyssen-Stiftung) (C. Kraft, P. Schmidt).

Wie bereits die beiden letztgenannten internationalen Vortragsreihen zeigen, hat die Plattform als mittelfristige Forschungsperspektive das Thema „Weltregionen und Wissensräume“ gewählt. Sie will in innovativer Weise auf zwei Analyse-Ebenen Regionalstudien und Weltregionen als Wissensräume untersuchen. Dabei wird selbstreflexiv zum einen nach dem „regionalen Wissen“ der Wissenschaften, mit dem Weltregionen nicht selten erst geschaffen wurden gefragt, und zum anderen nach den Verflechtungen und dem Austausch von Wissen in der Interaktion von Weltregionen. Mit dieser reflexiven Verschränkung sollen in konkreten Projekten sowohl für die Regionalstudien als auch für die Disziplinen neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Holt Meyer, letzte Änderung: 17.07.2012

Werkzeugkiste

Suche

Nutzermenü und Sprachwahl