Universität Erfurt

Professur Islamwissenschaft

Professur Islamwissenschaft

Allgemeine Informationen

Die multikulturelle (und damit multireligiöse) Gesellschaft, wie sie sich spätestens seit den 50er Jahren auch in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt hat, erfordert ein grundlegendes methodisches Umdenken in den Humanwissenschaften. Vor allem die islambezogenen Wissenschaftsdisziplinen in Deutschland sind gezwungen, ihre traditionell dominierende historisch-vergleichende und philologische Orientierung um komplexere kultur- und sozialwissenschaftliche Theorie- und Methodenansätze zu erweitern. Der Lehrstuhl für Islamwissenschaft an der Universität Erfurt versucht, diesem Anspruch programmatisch gerecht zu werden.

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Inhaltliche Orientierung

Statt sich, wie bisher, nahezu ausschließlich mit normative Tradition und klassischer Literatur zu befassen, das oftmals zur Vorstellung führt, es gäbe eine 'islamische Welt' als ein einheitliches Phänomen, wird in Erfurt vor allem die Sozialgeschichte muslimischer Kulturen untersucht. Damit werden zum einen die Unterschiede, die zwischen diesen muslimischen Gesellschaften bestehen, herausgearbeitet. Zum anderen wird versucht, den Stellenwert und die Funktion von Religion innerhalb unterschiedlicher sozialer Gruppen in diesen Gesellschaften zu bestimmen. Das Verständnis dieser Unterschiede ist notwendig, um die verschiedenen muslimischen Artikulations- und Organisationsformen genauer bestimmen und wahrnehmen zu können, die seit mehreren Jahrzehnten in den westeuropäischen Ländern entstehen.
Daraus ergibt sich eine weitere inhaltliche Gewichung, die dem Programm der Universität Erfurt entspricht: Die Islamwissenschaften untersuchen, in pragmatischer Absicht, Verhandlungs- und wechselseitige Wahrnehmungsprozesse zwischen muslimischen Minderheiten und nichtmuslimischen Mehrheiten in Europa.

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Methodische Orientierung

Die Islamwissenschaften an der Universität Erfurt setzen auf Interdiszipliplinarität und Internationalität. Das spiegelt sich zum einen in ihrer Einbindung in die Religionswissenschaften wider, die eine breite Kenntnis der europäischen Religionslandschaft vermitteln will. Zum anderen werden gemeinsame Interessen mit anderen Fachbereichen, wie den Geschichtswissenschaften, den Literaturwissenschaften oder der Theologie gesucht. Ein Ausdruck dieser Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten ist das obligatorische Studium fundamentale. Darüberhinaus wird es in Lehre und Forschung eine Zusammenarbeit mit europäischen und amerikanischen Institutionen geben. Gleichzeitig sieht das Studienprogramm auch Studienaufenthalte, Feldexkursionen und Praktika im Ausland vor.

Kultur- und Sozialwissenschaften im allgemeinen und Religionswissenschaften im besonderen müssen sich stärker als bisher an der Praxis orientieren. Bereits jetzt schon besteht ein beachtlicher Bedarf an Fachkräften mit einer fundierten Kenntnis der religiösen Minderheitengesellschaften in Europa. Es ist darum erklärtes Ziel des Erfurter Lehrstuhl für Islamwissenschaft, bereits im 6-semestrigen Baccalaureus-Studium solche kulturellen Kompetenzen zu vermitteln, die es dem Studienabgänger ermöglichen sollen, sie in gesellschaftlichen Bereichen wie der Wirtschaft, der Politik, dem Bildungswesen oder auch im journalistischen Metier einzubringen und in diesen Bereichen integrativ statt ausgrenzend zu wirken.

Über den Baccalaureus-Abschluß hinaus besteht auch in der Islamwissenschaft die Möglichkeit zu einem daran anschließenden 3-semestrigen Magister-Studium. Daneben ist an der Universität Erfurt - auch für Quereinsteiger - die Promotion in dieser Spezialisierung möglich.

Zum notwendigen Handwerkszeug für eine gründliche Beschäftigung mit den islamischen Kulturen werden neben den inhaltlichen Schwerpunkten des Lehrstuhls entsprechende Sprachkurse angeboten, die für Studierende des Baccalaureus-Studienganges fakultativ, für Studierende im Magister-Studiengang allerdings obligatorisch sein werden.

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