Die Clemenskapelle - eine kleine Chronologie







Text: Josef Pilvousek / Eberhard Tiefensee
 Die Clemenskapelle
- heutiger Zustand mit Notverglasung
Schon länger gab es eine Clemenskapelle (oder einen Clemensaltar) mit 1-2 Benefizien (Finanzierung von Geistlichen) im Bereich des Doms.

1392

Eröffnung der Universität Erfurt

1422

bis 1451: Heinrich von Gerbstedt Propst des Marienstifts. Eine Reihe bedeutender Bauten und Stiftungen in Erfurt und im Marienstift (Dom) gehen auf ihn zurück: Als die Porta Coeli (Amplonianisches Kolleg “Zur Himmelspforte” in der Nähe der Michaeliskirche) aus eigenen Kräften und Mitteln keinen geeigneten Raum für die wertvolle Bibliothek erstellen konnte, baute Gerbstedt 1440 dort die „stuba magna“ (den großen Bibliotheksraum).  Im Verzeichnis der Wohltäter des Kollegs wird er an zweiter Stelle hinter dem Begründer Amplonius von Bercka genannt. Auch baute er das Auditorium Coelicum, das Lektorium (Vorlesungsraum) der theologischen Fakultät (im Bereich des Kreuzgangs des Mariendoms), das zu besonderen Anlässen auch von anderen genutzt wurde (bis heute Hörsaal der Theologischen Fakultät, letzte Rekonstruktion im Jahr 2000).

1448

Am 14. Oktober stellte Gerbstedt die Stiftungsurkunde für das von ihm begründete Collegium Marianum aus (in der Nähe des Mainzerhofplatzes) und baute die neue Juristenschule. Es war eine Doppelstiftung, die Gerbstedt plante und ausführte: ein zum Hörsaal bestimmtes Haus, die Schola juris, und ein dazugehöriges Kolleg, das er Collegium Marianum nannte und das zur Hauptstütze der juristischen Fakultät wurde.

1451

Laut Nekrologium (Totenverzeichnis) starb Gerbstedt am 15. Mai. Seine Grabplatte - beerdigt ist er im Erfurter Dom bei der Clemenskapelle - weist den 14. Mai als Sterbedatum aus.
In seinem Testament, das nicht erhalten ist, bestimmte er durch seine Testamentsvollstrecker Gottschalk Gresemunt von Meschede, Heinrich Bottelstedt, Johannes Bettenhausen, Friedrich Schön, Conrad Moer und Johannes Fulda, daß eine Kapelle mit 7 Benefizien für 7 Geistliche im Kreuzgang des Stiftes zu Ehren des hl. Justus und des hl. Clemens gebaut werden sollte, und stiftete 140 Gulden.
Diese Stiftung nannte sich später Clemenskapelle, und ihre Vikare waren die Klementisten. Wie ein Zinsregister zeigt, ist das „Institut“ der Klementisten älter (1430) als die Gründung Gerbstedts. Gerbstedt hat also bereits eine Gründung vorgefunden, für die er eine Kapelle baute und die er erweiterte.

1455

Großer Brand im Dombereich, u.a. wurde das Langhaus schwer beschädigt. Im Zuge der Rekonstruktionsarbeiten wurde auch die jetzige Clemenskapelle erbaut.
“Im Jahre 1455 wurde die an das zweite Joch des Ostflügels nach Osten hin angebaute Kapelle vollendet, die den Heiligen Clemens und Justus geweiht ist. Die einschiffige Kapelle ist polygonal mit fünf Seiten eines Achtecks geschlossen. In den Scheitel des Polygongewölbes wurde ein besonders aufwändig skulpierter Schlussstein eingesetzt. Er trägt die Reliefdarstellungen einer Strahlenkranzmadonna.” (Verena Friedrich)

1457

Die Stiftung Gerbstedts wurde von den Testamentsvollstreckern als abgeschlossen bezeichnet.

1461

Die 7 Vikarien (siehe 1451) waren der hl. Maria, dem hl. Evangelisten Johannes, dem hl. Andreas, dem hl. Antonius, der hl. Katharina, der hl. Barbara und der hl. Gertrud geweiht. Eine Gottesdienstordnung wurde festgelegt und die Rechte des Stiftes der Kapelle gegenüber festgesetzt. Die Konfirmation dieser Stiftung erfolgte erst 1461 durch Erzbischof Dieter, der sich das Patronatsrecht reservierte.

1816

12. November: Aufhebung der Universität Erfurt durch die Preußen.

1837

Erst jetzt erfolgte die Aufhebung des Marienstiftes. Die Clemenskapelle ist nun nicht mehr Gottesdienstraum.

1920er Jahre

Die Clemenskapelle wurde als Abstellraum und auch als Raum für Ausstellungen benutzt.

Clemenskapelle
(ältere Aufnahme) 1952

Gründung des Philosophisch-Theologischen Studiums Erfurt als einziger katholischer Hochschule im Gebiet der DDR; der Lehrbetrieb findet seitdem u.a. im Kreuzgangbereich des Doms statt.

1962

Wie das Protokoll der Professorenkonferenz des Philosophisch-Theologischen Studiums festhält, wurde „die ehemalige Clemens-Kapelle am 5. Juni 1962 der Öffentlichkeit übergeben für die Zwecke der Bibliothek“. Vorher erfolgte der Einbau einer Galerie mit Bücherregalen - Seitdem erfolgte keine Renovation mehr.
Aufbewahrt wurden dort Bibliotheksbestände des Bereichs “Geschichte der Theologie”, später auch zeitweise der Bereiche “Dogmatik” und “Ökumene”. Der Raum wurde auch zu Seminarveranstaltungen benutzt.

Die Clemenskapelle
- parallel zum Hohen Chor des Doms 2000

Nach Bereitstellung der Finanzmittel beginnt zusammen mit der Wiedereröffnung der sogenannten Toten Treppe (die vom Domplatz direkt zum Kreuzgangbereich führt - zukünftiger repräsentativer Zugang zur Theologischen Fakultät) die komplette Sanierung der Clemenskapelle (außen und innen) durch das Architektenbüro Geselle - Hardt - Scheler. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf etwa 650.000 DM.

2001

Die Pläne für die Sanierung der Clemenskapelle nehmen konkrete Form an: Die Anfang der 60er Jahre eingebaute Galerie soll entfernt werden, da keine Bücheraufstellung mehr nötig ist. Die Erneuerung der Fenster (Butzen mit Lüftungsöffnungen) erweist sich als unumgänglich.
Im September wurde der noch vorhandene Buchbestand ausgelagert, damit die Umbauarbeiten beginnen können.

2002

Die Umbauarbeiten haben begonnen. Sie sind inzwischen soweit fortgeschritten, daß mit einem Ende zu Pfingsten 2002 gerechnet werden kann. Für die Fenstergestaltung hat ein Wettbewerb stattgefunden und erste Spenden sind eingegangen.
Im Innern der Kapelle wurde das Grab des Stifters Gerbstedt gefunden. Überreste des Grabmals befinden sich übrigens im Dom zu Erfurt (zwischen dem Eingangsbereich und dem Cranach-Altar an der Wand).

In Zukunft

soll der Raum vor allem für Lehrveranstaltungen (Seminare, Vorlesungen, Vorträge in kleinem Rahmen) der Theologischen Fakultät sowie der Universität Erfurt, aber auch für festliche Anlässe mit entsprechender Personenzahl (Empfänge, Ausstellungen etc.) zur Verfügung stehen.
Das gilt auch für Veranstaltungen im Bereich der Kunigundenkapelle (dem Kreuzgangbereich vor der Clemenskapelle) und des darüberliegenden Coelicums und auf den Kavaten oberhalb der Toten Treppe.
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