Universität Erfurt

Netzwerk Altertum

Projekt Liminalisierung

Liminalisierung: Konfigurationen des Übergangs in antiken Kulturen

Das Vorhaben fragt, wie in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraums Übergänge in Raum und Zeit wahrgenommen, bewältigt, kulturell konstruiert und reflektiert wurden. Der Begriff der "Liminalisierung" betont, anders als das geläufige "Liminalität", die dynamische Dimension dieser Vorgänge. Der Schwerpunkt liegt also auf den sozialen und kulturellen Praktiken (z.B. Narrative, Rituale, Kartographie), sowie den Medien mit und in denen Übergänge immer wieder neu konfiguriert wurden. Das Projekt ist den Schwerpunktfeldern der kulturwissenschaftlichen Raumforschung (insbes. der Erfurter RaumZeit-Forschung) und dem Schwerpunkt Religion zugeordnet.

Gegenstand und Forschungsperspektive

Die Kontingenz alltäglicher Erfahrung wurde und wird in allen menschlichen Kulturen durch raumzeitliche Praktiken geordnet. Menschliches Zusammenleben ist undenkbar ohne die Rhythmen der Zeit und die Ordnung des Raums. So entstehen zwangsläufig Übergänge, Situationen und Räume, die von den Akteur*innen im positiven wie negativen Sinn als „Übergänge“ wahrgenommen, aber auch inszeniert und reflektiert werden. Die sozialen Übergänge wiederum finden Entsprechung in naturräumlichen Übergängen wie z.B. Gebirgszügen oder Meerengen oder dem Wechsel von Tag und Nacht. Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive wird dieses Faktum seit den 1960er Jahren vornehmlich mit dem Begriff der Liminalität erfasst und beschrieben (Victor Turner). In der Geschichtswissenschaft prägte Reinhard Koselleck in den 1970er Jahren die Begriffe der Sattelzeit und der Epochenschwelle. In der Literaturwissenschaft nannte Michail Bachtin 1975 die „Schwelle“ als ein prominentes Beispiel für den „Chronotopos“. Unser Projekt fragt vor diesem Hintergrund, wie in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraums Übergänge in Raum und Zeit wahrgenommen, bewältigt, kulturell konstruiert und reflektiert wurden. Im Gegensatz zur älteren Forschung, die sich einseitig auf die Beschreibung einer immer schon als gegeben (zur etablierten Ordnung alternativen)
„Liminalität“ konzentrierte, führen wir den dynamischen Begriff der „Liminalisierung“ ein. Wir legen dabei den Schwerpunkt auf die sozialen und kulturellen Praktiken sowie auf die Medien (z.B. Narrative, Kartographie, Rituale etc.), mit und in denen die Übergänge konfiguriert wurden.

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