Universität Erfurt

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Workshop

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Liminalisierung: Konfigurationen des Übergangs in antiken Kulturen

Workshop in Erfurt, 12./13.10.2018

Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage nach Dynamiken von Übergängen in antiken Gesellschaften. Ausgangsthese ist dabei, dass „Grenzen“ immer auch „Übergänge“ sind. Die Konzentration liegt somit auf dem Vorgang der „Überschreitung“, durch den Grenzen aller Art immer wieder hergestellt werden, und dem Raum der „Schwelle“. Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive wird dieses Faktum seit den 1960er Jahren vornehmlich mit dem Begriff der Liminalität erfasst und beschrieben (Victor Turner). In der Geschichtswissenschaft prägte Reinhard Koselleck in den 1970er Jahren die Termini der Sattelzeit und der Epochenschwelle. In der Literaturwissenschaft nannte Michail Bachtin 1975 die „Schwelle“ als ein prominentes Beispiel für den Chronotopos. Im Gegensatz zur älteren Forschung, die sich einseitig auf die Beschreibung einer immer schon als gegeben (zur etablierten Ordnung alternativen) Liminalität konzentrierte, geht die Fragestellung des Workshops vom dynamischen Begriff der Liminalisierung aus. Wir legen dabei den Schwerpunkt auf die sozialen und kulturellen Praktiken sowie auf die Medien (z.B. Narrative, Kartographie, Rituale etc.), mit und in denen die Übergänge konfiguriert wurden.

Als übergreifende Frageperspektive wird sich der Workshop insbesondere auf die performativen Aspekte der Liminalisierung konzentrieren: Wer konstruiert, beschreibt, reflektiert Übergänge auf welche Weise und zu welchem Zweck? Welche Medien (z.B. Erzählungen, Bilder etc.) kommen dabei zur Anwendung? Die Kombination der Frage nach konkret-räumlichen und zeitlichen Übergängen mit jener nach Übergängen, die sich als „konzeptionell-kognitiv“ bezeichnen ließen (wie etwa der zwischen Epochen, verschiedenen sozialen Rollen u.ä. ) ermöglicht es, ein Inventar an kulturellen „Übergangspraktiken“ zu erstellen und zu fragen, inwiefern dieses charakteristisch für bestimmte antike Gesellschaften ist.

Programm

Freitag, 12.10.2018

  • 13.30    Eröffnung (Cordula Bachmann, Erfurt/Lucas Rischkau, Erfurt)

Session 1: De-finitionen (Moderation: Cordula Bachmann, Erfurt)

  • 13:45    Johanna Leithoff (Erfurt): "Am meisten aber wird das Land vom Meer gestaltet..." – Meerengen als Grenzen in der Geographie
  • 14:30    Nadine Viermann (Konstanz): Transformation erzählen – Oströmische Monarchie im frühen 7. Jahrhundert und das Problem der Epochengrenze
  • 15:15    Kaffeepause

Session 2: Anderwelten (Moderation: Annette Weissenrieder, Halle)

  • 16:00    Christopher Schliephake (Augsburg): Träume und ihre Deutung als Phänomene der Liminalisierung in der griechisch-römischen Antike
  • 16:45    Doris Fleischer (Erfurt/Berlin): Die stasis als liminaler Raum? Definitionen des ‚Krieges‘ in Platons Politeia und Nomoi
  • 17:30    Kaffeepause
  • 17:45    Martina Kepper (Marburg): „Geh ins Land…“ Konfigurationen des Übergangs im antiken Israel am Beispiel der Vätererzählungen der Genesis
  • 20:00    gem. Abendessen

Samstag, 13.10.2018

Session 3: Praktiken (Moderation: Lucas Rischkau, Erfurt)

  • 9.30    Johannes Eberhardt (Freiburg/Berlin): Ist Monetarisierung Liminalisierung?
  • 10.15    Christopher Degelmann (Berlin): Übergehen und übergangen werden: Das Spiel mit der    Liminalität bei römischen Initiationsritualen
  • 11.00    Kaffeepause

Session 4: Figuren (Moderation: Kai Brodersen, Erfurt)

  • 11.15    Otto Ritter (Erfurt): Dreimal betwixt und zugenäht: Selbst-, Fremd- und Entliminalisierungen altlateinischer Dichter
  • 12.00    Maik Patzelt (Osnabrück): Die christlichen Witwen der Spätantike als Grenzfiguren
  • 12.45    Abschlussdiskussion (Katharina Waldner, Erfurt)

Ein Bericht ist erschienen auf https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8107 .

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