Universität Erfurt

Historienbibel aus dem Erfurter Peterskloster

Historienbibel

Die im Hause des Patriziers Conrad Ziegler 1428 in Deutsch geschriebene Historienbibel (Dep. Erf. CE. 2° 14) bildet gemeinsam mit der jetzt in der Universitäts- und Landesbibliothek Halle (Saale) aufbewahrten Handschrift Stolb.-Wernig. Zb 8 - sowie zwei ehemals in Breslau und Meiningen aufbewahrten (und seit dem Ende des 2. Weltkriegs verschollenen) Handschriften - die sogenannte Gruppe VI der Historienbibeln.

Historienbibeln fußen auf der Vulgata, der "Historia scholastica" des Petrus Comestor und anderen historischen und theologischen Schriften. Sie waren im Mittelalter weit verbreitet und dienten der religiösen Erbauung und Unterweisung.

Jene beiden Handschriften, die sich heute in Erfurt bzw. Halle befinden, sind inhaltsgleich (sie umfassen die biblische Geschichte von Genesis bis Regum 4,17) und entstanden beide um 1430 Erfurt. In sprachlicher Hinsicht weisen die Handschriften jedoch deutliche Unterschiede auf: während die heutige Erfurter Handschrift, die im Umfeld der Patrizierfamilie Ziegler entstand, kanzleisprachlichen Sprachstil reflektiert, erweist sich die Sprache der heute in Halle aufbewahrten Handschrift, geschrieben im Peterskloster, als deutlich dialektnäher.

Dep. Erf. CE. 2° 14 wird für die "Deutschen Texte des Mittelalters" (DTM) ediert, der sie als Leithandschrift dienen wird. Dieser wird die Hallenser Handschrift weitgehend vorlagengetreu in synoptischer Form beigeben. Ergänzt wird die Edition um ein Wort- und Namenverzeichnis und eine Einleitung, die detailliert über die Beschaffenheit der beiden Handschriften informieren wird.

Bearbeiter

Prof. Dr. Rudolf Bentzinger promovierte 1968 an der FSU Jena mit einer Arbeit über "Die Sprache der Erfurter Historienbibel vom Jahre 1428" und habilitierte sich mit einer Untersuchung zur "Syntax der Reformationsdialoge 1520-1525". 
In Forschung und Lehre arbeitete er vorwiegend im Bereich der (historischen) Sprachwissenschaft, sowohl an der Pädagogischen Hochschule in Leipzig, als auch im Zentralinstitut für Sprachwissenschaft (bei der Akademie der Wissenschaften der DDR). Seit den 1990er Jahren leitete er die DTM-Arbeitsstelle an der neugegründeten Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand ist Prof. Bentzinger weiter in der Lehre tätig (als Honorarprofessor für Ältere deutsche Philologie an der TU Berlin).

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