Universität Erfurt

Philosophischer Kommentar

Albert von Sachsen (?): Dicta de pomo et morte Aristotilis

Die 1255 vom Sohn Friedrichs II. (Manfred) oder in dessen Umkreis aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzte und in zahlreichen mittelalterlichen Aristoteleshandschriften überlieferte pseudo-aristotelische Schrift "De pomo" ist einer der eigenartigsten Texte des mittelalterlichen "Corpus aristotelicum". Bei dem Text handelt es sich um einen, Platons Phaidon nachempfundenen, Dialog über den Tod und die Unsterblichkeit der Seele, den Aristoteles auf seinem Sterbebett mit seinen um ihn versammelten Schülern geführt haben soll.

Die Bibliotheca Amploniana verwahrt, wie auch die Bibliothek des Nationalmuseums in Prag, eine Abschrift des einzigen mittelalterlichen Kommentars zu dieser Schrift. Als wahrscheinlicher Verfasser des anonymen Werkes gilt in der Forschung der Pariser Artes-Magister und Zeitgenosse des Amplonius Albert von Sachsen. Der Kommentar ist in der Handschrift Dep. Erf. CA° 4° 319 (gemeinsam mit anderen Werken dieses Autors) überliefert (Schum, S. 552f.).Die Abschrift des Kommentars im Bestand der Amploniana ist zwischen 1392 und 1394 in Erfurt von Amplonius’ damaligen Mitarbeiter Heinrich von Berka angefertigt worden.

Wenngleich es sich um eine eher knapp gehaltene und kursorische Textauslegung handelt, so ist sie dennoch auch inhaltlich von Interesse: Ihr Autor versucht den platonisierenden Sterbedialog mit verschiedenen genuin aristotelischen Schriften in Einklang zu bringen und "aristotelisiert" ihn dadurch gewissermaßen.  

Das Projekt strebt eine kritische Edition sowie inhaltliche Untersuchung und historische Kontextualisierung des Kommentars an.

Bibliographie:
• Marian Plezia (Hg.), Aristotelis qui ferebatur Liber de Pomo versio latina Manfredi, Warszawa 1960
• Liber de Pomo / Buch vom Apfel, eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Elsbeth Acampora-Michel, Frankfurt a.M. 2001
• Alessandra Beccarisi, La morte e il filosofo: il 'Liber de pomo seu de morte Aristotelis', in: Chiara Crisciani, Roberto Lambertini, Romana Martorelli Vico (Hgg.), Parva Naturalia. Saperi medievali, natura e vita, Pisa/Roma 2004, 171-187

 

Bearbeiter

Dr. Pavel Blazek ist Mitarbeiter der Tschechischen Akademie der Wissenschaften (Abteilung für ältere tschechische und europäische Philosophie), Prag. Er promovierte 2002 an der FSU Jena mit der Arbeit "Die mittelalterliche Rezeption der aristotelischen Philosophie der Ehe. Von Robert Grosseteste bis Bartholomäus von Brügge. (1246/7-1309)" (erschienen Turnhoult 2006). Zur Zeit ist er Humboldt-Stipendiat an der LMU München.

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