Universität Erfurt

Forschungsbibliothek Gotha

Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811)

Inspiriert von Carsten Niebuhrs Expeditionen nach Ägypten, Persien und auf die arabische Halbinsel beschloss der junge Gelehrte Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811) nach seinem Medizinstudium, Afrika und den Orient ausgedehnt zu bereisen und erforschen. Anhand astronomischer Berechnungen beabsichtigte Seetzen, Ortsbestimmungen im Nahen Osten vorzunehmen, jedoch verfügte er weder über die erforderlichen Geräte noch die Fertigkeiten, diese zu bedienen. Er vermochte den Direktor der Sternwarte zu Gotha, Franz Xaver von Zach, für seine Pläne zu gewinnen, dessen Begeisterung für Seetzens Vorhaben sich rasch auf Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745-1804) übertrug. Letzterer lud den jungen Forschungsreisenden nach Gotha zu einem astronomischen Lehrgang ein und finanzierte sämtliche Instrumente, die für die geplanten astronomischen und geographischen Bestimmungen erforderlich waren. Der Erbprinz August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822) erteilte Seetzen schließlich den Auftrag, gegen die jährliche Zahlung von 800 Talern naturhistorische Gegenstände, orientalische Handschriften und Altertümer zu erwerben.

Im Sommer 1802 brach Seetzen auf eine mehrjährige Reise in den Nahen Osten auf, die ihn nach Istanbul und Kleinasien, Syrien, den Libanon, Palästina, Ägypten und die Arabische Halbinsel führte. Neben dem Studium der arabischen Sprache widmete sich der Forschungsreisende dort naturwissenschaftlichen Untersuchungen und fertigte topographische und ethnographische Beschreibungen an, die er in seinen Tagebüchern festhielt. Insgesamt gelangten 1464 Antiquitäten und 2700 mehrheitlich arabische Handschriften auf dem Postweg nach Schloss Friedenstein. Es ist anzunehmen, dass die ein oder andere Sendung verloren gegangen ist – so entdeckte beispielsweise der Orientalist Joseph Hammer-Purgstall 1817 in Wien einige zum Kauf dargebotene orientalische Handschriften, die Seetzens Namenszug und Datierungen trugen. Im Sommer 1811 fand Seetzens Reise ein jähes Ende, als er auf seiner zweiten Jemenreise auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen ist. Dabei sollen 17 Kamellasten, befüllt mit Handschriften, altsüdarabischen Inschriften sowie diversen natur- und landeskundlichen Gegenständen, geraubt worden und verlorenen gegangen sein.

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl