Universität Erfurt

Forschungsbibliothek Gotha

Weltdokumentenerbe: Arabische Handschrift der Forschungsbibliothek Gotha zum Weltdokumentenerbe erklärt

Abū Isḥāq Ibrāhīm b. Muḥammad al-Fārisī al-Karḫī al-Iṣṭaḫrī: Kitāb al-Aqālīm, Abschrift 1173, FB Gotha, Ms. orient. A 1521, fol. 39b-40a, Abbildung von Fārs.

Die in der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt aufbewahrte arabische Hand­schrift Kitāb al-Aqālīm/ al-Masālik wa-'l-mamālik des islamischen Gelehrten Abū Isḥāq Ibrāhīm b. Muḥammad al-Fārisī al-Karḫī al-Iṣṭaḫrī (gest. 951 n. Chr.) wurde im Oktober 2015 von der UNESCO im Rahmen ihres Programms Memory of the World (MOW) zum Weltdokumentenerbe erklärt.

Mit der Aufnahme ins UNESCO-Weltregister wird die FBG für ihre Anstrengungen ausgezeichnet, kulturelles Erbe von außergewöhnlichem Wert vor Gedächtnisverlust und Zerstörung zu bewahren. Die FBG unterstützt das UNESCO-Programm, indem es weltweiten Zugang zu diesem kulturell bedeutsamen und historisch wichtigen Dokument gewährt.

Im zehnten Jahrhundert verfassten islamische Gelehrte und Reisende eine Reihe von geographischen Werken, die ein neues Genre innerhalb der arabischen Wissenschaften begründeten und unter dem Titel al-Masālik wa-'l-mamālik bekannt wurden. Die Beschreibungen beschränkten sich nicht mehr nur auf eine reine Darstellung von Postrouten und die physische Beschaffenheit der jeweiligen Länder, sondern beinhalteten ebenso klimatische Besonderheiten und Informationen über Städte, Handel, Bräuche und Sprache.

Das wohl älteste erhaltene kartierte Werk geht auf den Geographen Abū Isḥāq Ibrāhīm b.Muḥammad al-Fārisī al-Karḫī al-Iṣṭaḫrī zurück, der in weiten Teilen Abū Zaid Aḥmad b. Sahl al-Balḫīs (934) verschollenes Werk Ṣuwar al-Aqālīm zitiert, kommentiert und korrigiert hat. Al-Iṣṭaḫrī verfasste seine geographische Beschreibung al-Masālik wa-'l-mamālik in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, von dem unzählige Abschriften und Übersetzungen ins Persische und Osmanisch-Türkische angefertigt worden sind. Sein Werk zeichnet sich durch 21 Karten aus, die schablonenhaft das Islamische Reich des zehnten Jahrhunderts abbilden. Darunter befinden sich eine Weltkarte, drei Abbildungen des Mittelmeeres, des Indischen Ozeans und des Kaspischen Meeres sowie 17 Karten über die Regionen des heutigen Marokkos, Ägyptens, Syriens, Iraks, einige persische Provinzen, Armeniens, Azerbaidschans sowie Transoxaniens. Besonderes Augenmerk fällt auf die umfangreiche Beschreibung persischer Provinzen und Transoxaniens, die einerseits auf die Herkunft al-Balḫīs und al-Iṣṭaḫrīs zurückzuführen ist und andererseits auf beider Patronage durch persischstämmige Samanidenherrscher.

Im Jahr 1807 erwarb der Forschungsreisende Ulrich Jasper Seetzen (gest. 1811) in Kairo ein Exemplar dieser bedeutenden Handschrift für seine Patrone, die Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg, Ernst II. (1745-1804) und August (1772-1822). Diese Handschrift liegt als Abschrift aus dem Jahr 569/1173 unter dem Titel Kitāb al-Aqālīm vor, der eine Referenz auf al-Balkhīs Werk Ṣuwar al-Aqālīm darstellt.

Die arabische Handschrift ist Teil der umfangreichen Sammlung orientalischer Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha, die mit mehr als 3500 Bänden die drittgrößte Sammlung ihrer Art in Deutschland ist. Die maßgeblich im frühen 19. Jahrhundert entstandene Sammlung umfasst neben historischen und biographischen Abhandlungen ebenso Handschriften aus den Bereichen der Theologie, Jurisprudenz, Medizin, Grammatik, Lexikographie als auch der Poesie und deckt somit inhaltlich ein breites Spektrum islamischer Gelehrsamkeit ab. Seit 2015 wird die Sammlung in der Gothaer Datenbank für die orientalischen Handschriften umfassend erschlossen und online zugänglich gemacht.

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