Universität Erfurt

Forschungsbibliothek Gotha

Bibliotheksgeschichte: Von der fürstlichen Bücherliebhaberei zur modernen Forschungsbibliothek

Die Forschungsbibliothek bewahrt die Sammlungen des Herzoghauses Sachsen-Gotha-Altenburg.

Die Anfänge im 17. Jahrhundert

  • 1640 Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha. In der Folge lässt Herzog Ernst der Fromme (1601-1675) das Schloss Friedenstein errichten.
  • Der neue Regent gründet die Herzogliche Bibliothek. Sie ist zunächst über der Kunstkammer im Westflügel aufgestellt.
  • Die Bibliothek wächst schnell durch zahlreiche Schenkungen und Ankäufe, z.B. die umfangreiche Bibliothek der Jenenser Theologen Johann und Johann Ernst Gerhard.
  • Nach dem Umbau des ausgebrannten Ostturmes des Schlosses wird 1687 die Bibliothek dorthin überführt, wo sie nahezu ununterbrochen bis heute aufgestellt ist.

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Entwicklung zur universalen wissenschaftlichen Hofbibliothek

  • Herzog Ernsts Sohn Friedrich I. (1646-1691) fügt der Gothaer Bibliothek unter anderem umfangreiche Teile der Altenburger Hofbibliothek hinzu.
  • Unter Leitung des Bibliothekars und Theologen Ernst Salomon Cyprian (1673-1745) gewinnt die Bibliothek endgültig ihr wissenschaftliches Profil.
    Trotz des Schwerpunktes auf theologischer Literatur ist der Bestand universal ausgerichtet.
  • Zahlreiche Gelehrte am Hof tragen durch gezielte Einzelanschaffungen zur weiteren Vergrößerung des Bestandes bei.
  • Ernst II. (1745-1804) bereichert die Sammlung um kostbare Handschriften und seltene alte Drucke und macht die Bibliothek öffentlich zugänglich.
    Seine private Büchersammlung wird nach seinem Tode der Herzoglichen Bibliothek zugeführt, wie bei nahezu allen bildungsbeflissenen und wissenschaftlich interessierten Mitgliedern der Fürstenfamilie üblich.

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Die Bibliothek im 19. Jahrhundert

  • Vor dem Aussterben der Sachsen-Gotha-Altenburger Linie wird die Herzogliche Bibliothek am 13. Dezember 1824 zu einem Fideikommiss erhoben und damit ihr Verbleib in Gotha dauerhaft gesichert.
  • Mit der Gründung des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha verliert die Stadt Gotha als Residenz an Bedeutung.
    Auch die Bibliothek kann, bedingt durch die steigende Literaturproduktion und die ungenügende finanzielle Ausstattung, nicht mehr am universal angelegten Ausbau der Bestände festhalten.
    Neuanschaffungen konzentrieren sich auf geisteswissenschaftliche Literatur.

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Die Bibliothek im 20. Jahrhundert

  • Seit 1918 ist das Eigentum an der Bibliothek umstritten, so dass die Entwicklung der Sammlungen schweren Schaden nimmt.
    Zahlreiche Werke werden in der Folgezeit veräußert.
  • Bereits während des Zweiten Weltkrieges werden Spitzenstücke der Sammlung nach Coburg verbracht.
  • 1946 wird die Herzogliche Sammlung nahezu vollständig in die Sowjetunion abtransportiert.
  • Die Gothaer Bibliothek umfasst nunmehr die 1945 aufgenommene Bibliothek des am Ende des Zweiten Weltkriegs aufgelösten Gothaer Gymnasium Ernestinum sowie die Gothana-Sammlung, Teile der Thüringen-Literatur und der deutschsprachigen Belletristik.
  • Von 1953 bis 1959 ist in den Räumen der Bibliothek die "Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände" eingerichtet.
  • 1956 gibt die Sowjetunion die 1945 abtransportierten Bestände bis auf geringe Teile zurück.
  • 1969 erhält die Bibliothek den Namen "Forschungsbibliothek" und wird dem Methodischen Zentrum für wissenschaftliche Bibliotheken in (Ost-)Berlin zugeordnet.
    Sie wird als im wesentlichen "abgeschlossene Sammlung" ausgewiesen, der weitere Bestandsaufbau erfolgt in sehr engen Grenzen.
  • 1991 wird die Bibliothek als Forschungs- und Landesbibliothek Gotha dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstellt.

Verluste und Verkäufe

Im Laufe der Geschichte der Bibliothek gelangten kriegs- und teilungsbedingt wertvolle Bücher aus Gotha in andere Sammlungen. Soweit bekannt befinden sich ehemals Gothaer Handschriften und Drucke heute in Deutschland, Großbritannien, Luxemburg, der Schweiz und den USA.

 

Literaturhinweis

Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Bd. 19: Thüringen: A - G, hrsg. von Friedhilde Krause. Bearb. von Felicitas Marwinski. Hildesheim 1998. Der Text ist auch online einsehbar.

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