Universität Erfurt

Forschungsbibliothek Gotha

Entwicklungsgeschichte der Forschungsbibliothek Gotha

Die Forschungsbibliothek Gotha wurde 1647 als Hofbibliothek des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg unter Herzog Ernst I. in Schloss Friedenstein Gotha errichtet. Das Herzogtum war in der Frühen Neuzeit das politisch und kulturell schwergewichtigste der ernestinischen Fürstentümer. Die Herzöge verstanden sich als Sachwalter des Luthertums in den Kernländern der Reformation und bauten die Bibliothek mit einer ambitionierten Sammelpolitik unter diesem Leitgedanken als Universalbibliothek aus. Die Hofbibliothek zählte um 1800 zu den bekanntesten fürstlichen Bibliotheken des protestantischen Kulturraums, neben den Bibliotheken in Berlin, Wolfenbüttel und Weimar. Sie erhielt um 1800 einen bedeutenden Zuwachs an orientalischen Handschriften. Neben der von Beginn an öffentlichen Hofbibliothek pflegten die Herzöge und Herzoginnen umfangreiche Privatbibliotheken.

Die Bibliothek 1825 bis 1946

Nach Erlöschen des Herzoghauses 1825 wurde die Bibliothek des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha mit geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt weitergeführt.
Seit 1918 war das Eigentum an der Bibliothek umstritten, infolgedessen sie schweren Schaden genommen hat. Die Gothaer Sammlungen des Herzoghauses wurden schließlich unter dem Dach der „Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft“ weitergeführt. Zwischen 1930 und 1945 wurden zahlreiche Spitzenstücke durch die Stiftung nach Coburg gebracht und in der Folge veräußert. 1946 wurden 330.000 Bände als Kriegsbeute des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion transportiert. Zugleich wurde, fußend auf der in die Bibliothek überführten bedeutenden Sammlung des Gothaer Herzoglichen Gymnasiums, die Landesbibliothek Gotha aufgebaut.

Die Bibliothek 1946 bis 1989

1956 wurde der größte Teil der kriegsbedingt in die Sowjetunion verlagerten Bücher nach Gotha zurückgeführt. Zugleich wurde die seit 1945 in der Bibliothek untergebrachte „Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände der DDR“ nach Berlin überführt.
Als die DDR keine Landesbibliotheken mehr vorsah, ist es 1968 unter schwierigen Umständen gelungen, die Bibliothek mit der Bezeichnung „Forschungsbibliothek“ als Teil des „Methodischen Zentrums für wissenschaftliche Bibliotheken“ weiterzuführen. Die Bibliothek hatte den Status einer im Wesentlichen abgeschlossenen buchhistorischen Spezialsammlung und erbrachte wichtige Erschließungsleistungen.

Die Bibliothek seit 1989

Im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde die Bibliothek 1989 bzw. 1996 Partnerin in den nationalbibliographischen Unternehmungen „Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts“ und „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts“.
1999 wurde sie in die 1994 gegründete Universität Erfurt integriert.

2001 erfolgte die investive gütliche Einigung zwischen dem Freistaat Thüringen und dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha und machte den Weg frei für die Sanierung und Neustrukturierung des Schlosses und seiner Sammlungen, deren barocker universeller Zusammenhang bis heute evident ist, auch wenn die Zuständigkeiten für die Schlossanlage und Sammlungen heute von mehreren Institutionen wahrgenommen werden.

2003 wurden die bedeutenden Sammlungen des Verlags Justus Perthes Gotha bzw. des VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder durch den Freistaat Thüringen erworben und an die Universität Erfurt übergeben. Sie sind seitdem als „Sammlung Perthes Gotha“ integraler Bestandteil der Forschungsbibliothek.
2004 hat die Universität Erfurt das Forschungszentrum Gotha gegründet, das drei Jahre darauf in das restaurierte Pagenhaus auf Schloss Friedenstein einziehen konnte und in dessen Direktorium die Bibliothek seit 2013 vertreten ist.

2006 hat sich aus den Reihen der Stipendiaten des von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten und vom Forschungszentrum Gotha betreuten Herzog-Ernst Stipendienprogramms der Freundeskreis der Forschungsbibliothek Gotha e.V. gegründet.

Mit einem 2007 von der DFG geförderten Projekt hat die Bibliothek den Ausbau ihrer Digitalen Dienste begonnen. 2011 wurde sie mit ihrem Programm zum „Ausbau der Bibliothek zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit“ in die Aktionslinie der DFG zur Förderung herausragender Forschungsbibliotheken aufgenommen.

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl