Universität Erfurt

Universitätsbibliothek Erfurt

gestochen scharf - Kupferstiche von Baldwin Zettl zu Literatur

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Erfurt
(Ausstellungssaal im 2. Obergeschoss)
7. September – 21. Dezember 2018
Öffnungszeiten: Montag – Freitag  10:00 – 17:00 Uhr (außer an Feiertagen)
Eintritt frei

Die Flucht vor einem Märchen (Bremer Stadtmusikanten), 2013, 17,5 x 24,4/19,3 cm

Über die Ausstellung

Die Ausstellung „gestochen scharf – Kupferstiche von Baldwin Zettl zu Literatur“ ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Universitätsbibliothek Erfurt und dem Bilderhaus Krämerbrücke, Erfurt. Susanne Hebecker, die Kuratorin der Ausstellung, wählte aus dem inzwischen immens angewachsenen Œuvre von Baldwin Zettl einige Werke von jenen aus, die auf Literatur assoziativ oder illustrierend reagieren. Die Arbeiten bringen das Existentielle im menschlichen Leben - die Höhen, Tiefen und Untiefen – ins Bild.

Der Künstler Baldwin Zettl gehört zu den bedeutenden Kupferstechern der Gegenwart. Seine handwerkliche Präzision und sein künstlerischer Erfindungsreichtum reihen ihn mit seinen Werken ein in das Kontinuum und die Zeitlosigkeit der „Alten Meister“.

Zettl studierte von 1964 bis 1969 in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Kunsthistorisch wird er deshalb der sogenannten „Leipziger Schule“ zugeordnet.

Das Redaktionsteam des „Lexikons des gesamten Buchwesens“ (2., völlig neu bearb. Aufl. Stuttgart, Hiersemann, 1987–2016) ehrte den Künstler mit einem biographischen Eintrag, weil ein Teil seines Werks unmittelbar zu Literatur entstanden ist und er eine künstlerische Technik pflegt, die unmittelbar mit der Geschichte des Buchdrucks verbunden ist.

Die Universitätsbibliothek besitzt einige Vorzugsausgaben mit originalen Grafiken Zettls sowie Bücher, die der Künstler illustriert hat. Diese Objekte aus den Beständen der Bibliothek ergänzen die Ausstellung.

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Die Kuratorin über die Ausstellung

Und was bekam des Soldaten Weib?, 2009, 23,8 x 14,8 cm

Die Frage nach dem, was der Mensch ist und was er sein kann, ist von zeitloser Brisanz. Inspiriert von Autoren der Weltliteratur hat sich der begnadete Kupferstecher Baldwin Zettl mit ihr auseinandergesetzt. In ebenso ernsthaften wie nuancierten Darstellungen interpretiert er gedanklich und ästhetisch klug die Spannweite menschlichen Verhaltens. Scheitern und Triumph, Freundschaft, Liebe und Verrat werden in gleichnishafte Figurationen und ausdrucksvolle Gestik übertragen. In gedrängten Bildszenen bewegen sich seine Gestalten wie in einem Sog kosmischer Strömungen nach einer dramatischen Choreografie. 

Zettls Kunst ist weit mehr als illustrative Wiedergabe. Seine Bildfindungen sind Projektionen menschlicher Möglichkeiten, die in den gezeigten Gestalten aufscheinen. Frei und beflügelt evoziert der Künstler kühne, ja bestürzende Vergleiche zwischen literarischen Stoffen und seiner Gegenwart. Immer wieder fasst er seelische Ausnahmezustände, die gefährliche Macht des Irrtums und die irrationale Verrätselung des Daseins als Motiv der Erschütterungen unserer Zeit. 

Baldwin Zettl gehört heute zu den wenigen Grafikern, die in der anspruchsvollen Technik des Kupferstichs arbeiten. Die Stecherkunst, im 15. Jahrhundert von Künstlern wie Albrecht Dürer zum eigenständigen Ausdrucksmittel entwickelt, erwählte Baldwin Zettl bereits während seines Studiums an der Leipziger Hochschule in den 1960er Jahren für die Verwirklichung seiner Intentionen. Seinem Temperament kam die präzise Notation von Bildgedanken mittels einer höchste Disziplin erfordernden Technik entgegen. In klarer Schönheit entstehen durch das Eingravieren von Punkten und feinen Linien in die Kupferplatte Detailreichtum und körperhafte Modellierung. Die Linien sind genau, scharf und sicher, jeder Zug ist bedeutsam. 

Diese Ausstellung vereint ausgewählte Kupferstiche zu unterschiedlichen literarischen Stoffen, u.a. zu Goethes „Faust“, zu Shakespeares „Sommernachtstraum“, zu „Dantons Tod“ von Büchner, zu Lessing und Brecht, zu Grimms Märchen oder auch zu Ito Tenzaa Chuyas „Fechtschule“.

(Susanne Hebecker)

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Didaktische Empfehlung für die Hochschullehre

Lehrende der Philologien und der Kunstwissenschaft können die Ausstellung nutzen, um gemeinsam mit den Studierenden das Verhältnis von Literatur und Bildender Kunst am konkreten Beispiel in den Mittelpunkt zu rücken. Gleichermaßen lässt sich nach der Geschichte der Kunst im gesellschaftlichen Übergang, nach der Ausdeutung der existentiellen Menschheitsthemen, nach der ideellen Dimension des Bewahrens der alten Handwerkskunst „Kupferstich“ im Zeitalter von Internet und elektronischer Reproduzierbarkeit sowie nach der Bedeutung des Kunstoriginals fragen. Somit könnten auch Lehrende der Fächer „Geschichte“, „Kommunikationswissenschaft“ und „Theologie“ ihre Lehrveranstaltungen mit einem Ausstellungsbesuch ergänzen.

Die Kuratorin der Ausstellung, Frau S. Hebecker, ist zu erreichen unter:

c/o Bilderhaus Krämerbrücke
Krämerbrücke 30
99084 Erfurt
Tel.: +49 361 5621225
E-Mail: bilderhaus@arcor.de

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