RFID in der Bibliothek

In der UB Erfurt wird zur Verbuchung und Entsicherung des frei zugänglichen Bestandes RFID-Technologie eingesetzt. Auf dieser Seite erfahren Sie alles Wesentliche über das neue Verfahren.

Was ist RFID und wie funktioniert es in der Bibliothek?

RFID (engl. Radio Frequency Identification) ist eine Technologie zum automatischen und berührungslosen Erkennen von Objekten mit Hilfe eines Funksignals. Die Technologie wird vor allem in der Logistik (Waren- und Bestandsmanagement) verwendet. Sie begegnet uns aber auch z.B. im öffentlichen Nahverkehr, bei Chipkarten sowie Reise- und Personalausweisen. In Bibliotheken wird RFID zunehmend eingesetzt, um Bücher und andere Medien zu sichern und zu verbuchen.
Das neue System erfordert Etiketten mit RFID-Chip und Antenne, die in die Medien eingeklebt werden, sowie Lesegeräte für die Ausleih- und Rückgabeverbuchung. Jedes Medium ist vor Diebstahl gesichert. Bei jeder Ausleihe werden die Medien automatisch entsichert (der Ausleihstatus auf dem RFID-Chip wird geändert auf 'entliehen'). Nicht ordnungsgemäß verbuchte Medien werden beim Verlassen der Bibliothek sofort erkannt und durch ein Signal am Buchsicherungsgate angezeigt.

Welche Vorteile gibt es?

Während bisher jede Ausleihe und Rückgabe einzeln per Barcode verbucht werden musste, können dank RFID mehrere Bücher auf einmal in einem Arbeitsschritt verbucht werden. Der Ausleihvorgang ist schneller als bisher.

Was wird auf den RFID-Etiketten gespeichert?

Das RFID-Etikett enthält ausschließlich medienbezogene Daten: die spezifische Kennung der UB Erfurt, eine individuelle Mediennummer und den Ausleihstatus (verfügbar oder entliehen). Es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert.

Wie wird der Datenschutz sichergestellt?

Alle Daten auf den RFID-Etiketten sind kodiert gespeichert und können nur mit dem passenden Lesegerät, der gleichen Frequenz und mit der richtigen Leseentfernung ausgelesen werden. Wie bisher auch findet die Benutzerkontoverwaltung unberührt von RFID in der bibliotheksinternen Datenbank statt, so dass der Datenschutz gewährleistet ist.
Personenbezogene Daten oder Ausleihvorgänge werden nicht auf den Etiketten gespeichert. Das direkte Zuordnen von Medien und Benutzer via RFID-Etiketten ist somit nicht möglich.

Ist RFID gesundheitsgefährdend?

Die Sendeleistung aller RFID-Geräte unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Unsere RFID-Lesegeräte und -Etiketten sondern keine Dauerstrahlung ab. Nur im Moment des Lese-/Schreibvorgangs entsteht ein kleines elektromagnetisches Feld, das vergleichbar mit Radiowellen ist. Die spezielle Abschirmung der Lese-/Schreib-Geräte sorgt dennoch dafür, dass das Feld nur dorthin wirkt, wo die Medien aufgelegt werden. Beim Passieren der Buchsicherungsgates sind Sie ebenfalls nur kürzester Zeit dem Signal ausgesetzt. Sie können die Bibliothek also bedenkenlos weiterhin wie gewohnt nutzen. Alle bei uns verwendeten Geräte sind nach EN-Norm zertifiziert und CE zugelassen.

Den Trägerinnen und Trägern von aktiven elektronischen Implantaten, wie zum Beispiel Herzschrittmachern, Insulinpumpen o.ä. wird zur Vorsicht in der Nähe von RFID-Antennen geraten. Bitte informieren Sie sich beispielsweise, ob Ihr Implantat auf Verträglichkeit mit elektromagnetischen Feldern hin überprüft wurde. Den Trägern von Herzschrittmachern wird zu einem Sicherheitsabstand von ca. 25 Zentimetern zu einem RFID-Lese-/Schreib-Gerät geraten bzw. sich nicht längere Zeit direkt im Buchsicherungsgate aufzuhalten. Ein normales Passieren des Gates und die Ausleihe an den Selbstverbuchern oder an der Theke stellt nach allen aktuellen Erkenntnissen keine Gefahr dar.

Projekt "RFID in der Bibliothek"

Buch mit RFID-Austattung

Vom 1. Juli bis 8. September 2019, also innerhalb von 10 Wochen wurde der gesamte frei zugängliche Medienbestand der UB, insgesamt ca. 630.000 Bände, auf RFID-Technologie umgerüstet. Jedes einzelne Buch musste dazu in die Hand genommen und mit einem RFID-Etikett ausgestattet werden, das wiederum mit dem Barcode des Buches elektronisch beschrieben wurde. Die beauftragte Firma (AGI Information Management Consultants) arbeitete mit 4 mobilen Stationen direkt am Regal, an 7 Tagen pro Woche. Die Bibliothek war während der gesamten Projektlaufzeit zu den gewohnten Öffnungszeiten benutzbar.

Neben der riesigen Arbeitsleistung der Firma AGI konnte die UB auch die laufende Dokumentation der bearbeiteten Bände sehr effektiv nutzen, um verstellte und vermisste Bücher zu lokalisieren. Zahlreiche andere Fälle (beschädigte Einbände, mehrere Beilagen usw.) wurden im Hintergrund gesichtet und bearbeitet.

Im Sommer 2020 folgt der zweite Teil der Umrüstung auf RFID-Technik mit der Umstellung der Selbstverbuchungsgeräte und der Buchsicherungsanlage im Zuge eines Thekenumbaus im Foyer der Bibliothek. Erst danach wird die neue Technik auch bei der Benutzung der Bestände wirksam.

09.09.2019

Aus dem UB-Blog "Lesezeichen"

Erste Etage geschafft (31.07.2019)