Universität Erfurt

Projekt von Dr. Iveta Leitane

Der „jüdische Text“ um 1800 und die Religionskulturen im Baltikum: Pietismus, Heterodoxie und Philosemitismus

Das Projekt beabsichtigt, das regionale religiöse Feld des Baltikums (und hier hauptsächlich Kurlands) auf die Rezeption und Wirkung des „jüdischen Textes“ hin zu untersuchen. Unter „jüdischem Text“ verstehe ich – in Anlehnung an die Kultursemiotik der Tartu-Moskau-Schule – die Gesamtheit von Aussagen über die jüdische Kultur. Diese sollen in ihren vielfältigen intertextuellen Beziehungen verortet werden; dabei gilt es insbesondere, ihre (Wechsel-) Wirkungen zwischen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zu untersuchen. Das religiöse Feld des Baltikums war auf christlicher Seite zum einen von Pietismus und lutherischer Orthodoxie, zum anderen von moderater und radikaler Aufklärung geprägt. Auf jüdischer Seite wirkten – im Umfeld der Orthodoxie – die jüdische Aufklärung und jüdische Konversionskulturen. Die Angehörigen beider Gruppen verfügten über enge Kontakte insbesondere zu den Zentren der mitteldeutschen Aufklärung (Erfurt, Gotha, Jena, Halle) und nahmen aktiv an den zeitgenössischen Debatten über das Judentum teil. Im Zentrum meines Projekts steht die Frage nach der Wechselwirkung des „jüdischen Textes“ in den protestantischen Gelehrtenkulturen des Baltikums mit dem sich dort herausbildenden jüdischen „jüdischen Text“. Insbesondere sollen Fälle der Reformulierung von Themen der protestantischen Leitkultur durch jüdische Gelehrtenkulturen recherchiert und analysiert werden. Die Basis hierfür bilden die reichhaltigen Sammlungen von Originalschriften von Kurländer Aufklärern, Pietisten und jüdischen Konvertiten (Carl Anton und sein Kreis) in der Gothaer Forschungsbibliothek.

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