Universität Erfurt

Projekt von Dr. Andreas Pietsch

Friedrich Breckling und die Schriften der Familisten

Die Schriften der Familisten galten der älteren Forschung als Paradebeispiel für eine Sekte des 16. Jahrhunderts. Allerdings haben diese Texte, die eine Individualisierung der religiösen Vergemeinschaftung und Formen des rituellen Indifferentismus propagieren, eine beeindruckend lange Druckgeschichte, die weit über den Tod des Gründers Heinrich Niclaes (1501– um 1580) und seines Adepten Hendrik Jansen van Barrefelt (zw. 1510/1520 – 1594/1595) hinaus vom englischen Interregnum des 17. Jahrhunderts bis zum deutschen Pietismus reicht. Während aber die englische Seite mittlerweile recht gut erforscht ist, stellen die Befunde zur Rezeption im kontinentalen Pietismus bislang wenig mehr als erste Bemerkungen dar. Eine wichtige Schlüsselfigur in diesem Zusammenhang war Friedrich Breckling (1629–1711), dessen Funktion als Vermittler zwischen den Niederlanden und Deutschland in der jüngeren Forschung immer deutlicher herausgestellt wird. So hat Breckling die ursprünglich niederdeutschen Schriften der Familisten nicht nur gesammelt, sondern sie teils eigens ins Hochdeutsche übersetzt und um 1680 erneut herausgegeben. Ziel des Forschungsprojektes ist es somit, seine diesbezügliche Rezeption näher zu beleuchten. Die einzigartigen Buchbestände in Gotha, ergänzt um Brecklings Bibliothek in den Franckeschen Stiftungen zu Halle, und vor allem Brecklings Nachlass in Gotha, versprechen neue Einblicke in diesen Transformationsprozess zwischen radikaler Reformation und Pietismus.

 

 

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