Universität Erfurt

Projekt von Dr. Anja Oesterhelt

Begriff und Konzept von „Heimat“ in Auswandererbriefen des 19. Jahrhunderts

Heimat als idealistisch-romantisch präfigurierte Sehnsuchtsutopie findet im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre realweltliche Entsprechung in Erfahrungen des politischen Exils, der wirtschaftsbedingten Auswanderung nach Übersee und der massenhaften Binnenmigration. Die kollektive Erfahrung ihres Verlusts, so ließe sich formulieren, macht die Erfolgsgeschichte der Vorstellung von „Heimat“ erst möglich. Anhand der Auswandererbriefsammlung, die die Forschungsbibliothek Gotha beherbergt, kann exemplarisch studiert werden, wie sich im Alltagsdiskurs des 19. Jahrhunderts unter den Bedingungen der Migration das Konzept der „Heimat“ neu formiert. Spezifisch ist dieser in den Briefen dokumentierte Diskurs insofern, als hier Menschen zur Feder gegriffen haben, die es ohne die Umstände der Migration zum Teil nie getan hätten (und wegen der im Laufe des 19. Jahrhunderts sich etablierenden Schulpflicht überhaupt erst konnten): Menschen jenseits des Bildungsmilieus also, das gewöhnlich reiste und darüber schrieb, und die nicht in die bürgerlich-adligen Konvention des Briefschreibens eingeübt waren. Ebenso sind die Briefe derjenigen Gebildeten in der Auswandererbriefsammlung enthalten, die oft aus politischen Motiven emigrierten. Insofern bietet die Sammlung eine einzigartige Quelle, die unterschiedliche Schichten der Gesellschaft einschließt. Das Forschungsvorhaben wird sich bei der Analyse des Briefkorpus’ auf drei zentrale Themenfelder konzentrieren: ‚Heimat’ als Narrativ, ‚Heimat’ und Religion sowie ‚Heimat’ und Recht.

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