Universität Erfurt

Projekt von Dr. Racha Kirakosian

Gertrud von Helfta auf Deutsch. Die Gothaer Handschrift Cod. Chart. B 269 und ihre Bedeutung für die volkssprachige Rezeption lateinischer Schriftkultur vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit

Das Forschungsvorhaben zielt auf die Untersuchung der Gothaer Handschrift Cod. Chart. B 269 im Kontext der spätmittelalterlichen Gertrud von Helfta-Rezeption. In dem genannten Manuskript befindet sich die älteste bekannte deutsche Übertragung des lateinischen Legatus divinae pietatis. Ursprünglich zu Lebzeiten Gertruds (1256–1302) zusammengestellt, befasst sich das Werk mit dem Leben und den Offenbarungen der Zisterzienserin. Gertruds theologisches Gedankengut erfuhr im Zuge der Gegenreformation weite Verbreitung und gewann insbesondere in der Herz-Jesu-Verehrung an europäischer Bedeutung. Während aber der lateinische Legatus in der Wissenschaft eine gewisse Beachtung fand, sind die deutschsprachigen Übertragungen – sowohl die des Spätmittelalters als auch die der Frühen Neuzeit – bislang weitgehend unerforscht, obwohl die Überlieferungslage für eine verbreitete Popularität Gertruds spricht. Das Vorhaben setzt bei der ersten volkssprachigen Überlieferung an (Gotha, Cod. Chart. B 269) und ermittelt Gertruds „Heiligendossier“. Im Fokus stehen dabei der Entstehungskontext der Übersetzung (einschließlich einer landes- und regionalgeschichtlichen Perspektive), die Entwicklung einer hagiographischen und mystischen Schriftkultur im Spannungsfeld von Latein und Volkssprachlichkeit sowie Autorenkonzepte und Ich-Konfigurationen.

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