Universität Erfurt

Projekt von Reto Rössler M.A.

Weltgebäude, Poetologien, kosmologisches Wissen der Aufklärung

Reto Rössler M.A.

Das Projekt versteht sich als ein Beitrag zur Astronomie- und Kosmologiegeschichte der Aufklärung aus der Perspektive der Wissenspoetologie. Im Anschluss an die wissensgeschichtliche These einer Krise visueller Evidenz zwischen 1600 und 1800, die sich insbesondere innerhalb der kopernikanischen Astronomie deutlich abzeichnet, soll es hier darum gehen, die rhetorischen und narrativen Strategien zu beschreiben, mittels derer sich seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert ein auf die kopernikanische Hypothese aufbauendes Wissen über den Kosmos als ein System von Systemen formiert hat. Dabei rückt die um 1700 aufkommende absolute Metapher des „Weltgebäudes“ in den Blick, die ein per se Unanschauliches der Weit anschaulich macht, vor allem aber den Prozess der kosmologischen Wissensbildung selbst organisiert. In astronomischen Handbüchern und kosmologischen Abhandlungen von der Frühaufklärung bis zu den Anfängen der Astrophysik um 1800, aber ebenso in Lehrgedichten, Dialogen und Romanen, wird hier der Versuch unternommen, nicht mehr allein das Sonnensystem der Erde, sondern darüber hinaus die Vielheit aller Welten als ein vernünftiges, vollständiges und vollkommenes Gebäude der Welt vor Augen zu stellen. Um die Formation eines solchen kosmologischen Wissens zu beschreiben, gilt es, zwei Wechselverhältnisse in den Blick zu nehmen: zum einen das Verhältnis von Kosmologie und Poetik, die einander gegenseitig begründen und hervorbringen, zum anderen die spannungsreiche und ambivalente Relation von kosmologischem Wissen und der aufkommenden Idee des Menschen.

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