Universität Erfurt

Projekt von Dr. Asaph Ben-Tov

Orientalische Studien in Deutschland ca. 1600-1750

Ihre Blüte erreichten die orientalischen Studien im deutschsprachigen Raum erst ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von einigen Ausnahmen abgesehen, leisteten deutsche Orientalisten vor dieser Zeit nur selten einen Beitrag von langfristiger Bedeutung zu den aufkeimenden studia orientalia. Betrachtet allerdings vom Standpunkt ihrer Zeit und deren intellektueller Projekte und Anliegen, bieten uns die orientalischen Studien dieser Epoche im deutschsprachigen Raum ein fruchtbares Feld frühneuzeitlicher intellektueller Tätigkeit dar, das ich anhand einer Reihe von Fallstudien untersuche.

Die Forschungsbibliothek Gotha enthält einen Reichtum an Quellen die diese intellektuelle und pädagogische Verbreitung der orientalischen Studien im 17. Jahrhundert dokumentieren. Ein Beispiel, unter vielen, sind die Werke des Superintendenten aus dem kleinen Nachbarort Ohrdruf, Johann Abraham Kromayer (1665-1733), der 1707 einen arabistischen Hiob-Kommentar veröffentlichte.

Das Herzog-Ernst-Thyssen-Stipendium werde ich benutzen, um Spuren des orientalischen Unterrichts am Ernestinum, der Gothaer Lateinschule zu untersuchen. Das Ernestinum, das im 17. und 18. Jahrhundert, unter der langjährigen Leitung von Andreas Reyher (1601-1673) und seinen Nachfolgern, eine bedeutende Blüte erlebte, ist nicht vorwiegend als ein Ort der orientalischen Studien bekannt. Es gibt allerdings gute Gründe zu vermuten, dass hier viel mehr zu finden ist als bisher vermutet wurde. Ein Grund, unter anderen, dafür ist die Tatsache, dass einige bedeutende Orientalisten des frühen 18. Jahrhunderts Alumni des Ernestinums waren – z.B. die Hallenser Orientalisten Christian Benedict Michaelis (1680-1764) und Johann Heinrich Callenberg (1694-1760), der spätere Leiter des Institutum Judaicum et Muhammedicum, die am Ernestinum unter Gottfried Vockerodt (1665-1727) studierten. Wie im Falle anderer Gymnasien der Zeit, reicht das offizielle Vorlesungsverzeichnis nicht, um das vorhandene Lehrangebot zu ermessen. Ein gelegentliches Angebot in Syrisch oder sogar Arabisch konnte im Rahmen von collegia privata angeboten werden. Darüber hinaus, hoffe ich, in den Nachlässen von Reyher und Vockerodt, den orientalischen Interessen dieser und anderer barocken Gelehrten in Gotha nachfolgen zu können als Zeugen der Verbreitung orientalischer Interessen im Mitteldeutschland des 17. Jahrhunderts.

Kurzbiographie

2007
Promoviert an der Hebrew University (Jerusalem) mit der Dissertation “Lutheran Humanists and Greek Antiquity” (erschien 2009 bei Brill)

September 2007–August 2009
Yad Hanadiv (Rothschild Foundation) post-doctoral fellow an der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel

September 2009–September 2011
Minerva Stiftung post-doctoral fellow am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Januar 2012–Dezember 2013
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Weber-Kolleg (Universität Erfurt) in der Forschergruppe „Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive“

Januar 2014–September 2016
HERA-Projekt Mitarbeiter am Forschungszentrum Gotha (Encounters with the Orient in Early Modern Scholarship)

SoSe 2016
Gastprofessur an der Universität Hamburg, am Graduiertenkolleg „Interkonfessionalität in der Frühen Neuzeit“

Oktober 2016–September 2017
Hälftige Vertretung am Lehrstuhl für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit (Uni Erfurt) mit einer Fellowship am Max-Weber-Kolleg

Oktober–Dezember 2017
Stipendium für Aufklärungsforschung am IZEA (Uni Halle)

Januar–März 2018
MWW-Gastwissenschaftler an der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel

 

Als ehemaliger Mitarbeiter des Forschungszentrums finden sich sowohl Herr Ben-Tovs Biographie als auch seine Publikationen hier.

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