Universität Erfurt

Projekt von Dr. Bärbel Raschke

Edition der Briefe Juliane Franziska von Neuensteins/von Buchenwalds an Christoph Dietrisch von Keller 1738 bis 1749

Juliane Franziska von Buchwald (1707-1789), Oberhofmeisterin der Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg, gehört zu den weiblichen Legenden europäischer Hof- und Elitenforschung. Ihre eminente Rolle am Gothaer Hof und in dessen europaweiten Netzwerken konnte mithilfe der wenigen überlieferten Briefe über sie (Friedrich II. von Preußen, Gottsched, Voltaire, Wieland, Goethe, Herder) kaum fundiert belegt werden. Dies wird sich durch die geplante Edition der jüngst von der Forschungsbibliothek erworbenen Buchwald-Briefe an den Juristen und Diplomaten Christoph Dietrich von Keller (1699-1766) aus den Jahren 1738 bis 1749 grundlegend ändern. Sie weisen die Buchwald als eine beratende und vermittelnde Schlüsselfigur mit fundiertem Einblick in alle Vorgänge am Gothaer Hof aus. Die Briefe erlauben Rückschlüsse auf die nur ansatzweise aufgearbeitete Reichs- und Europapolitik des Gothaer Hofs als einer Schaltstelle der mindermächtigen Reichsstände und des Corpus Evangelicorum während des Österreichischen Erbfolgekriegs. Dabei verweisen sie mit Blick auf zeitlich parallele Korrespondenzen am Gothaer Hof (ediert: Ulrich von Thun; unerschlossen: Ernst Christoph von Manteuffel) auf meisterhafte Verschlüsselungstechniken. Letztere gestalten die Rekonstruktion der persönlichen Biografie der Frau von Buchwald innerhalb der genannten Dekade zu einer Herausforderung, werden doch signifikante Äußerungen, beispielsweise zu ihrer politisch motivierten Zwangsehe, zu Mutterschaft, zu ihrem philosophischen Weltbild, ihrem Geschichts- oder ihrem Religionsverständnis, von ihr tendenziell entindividualisiert und in den Dienst der politischen Kommunikation gestellt.

Kurzbiographie

Bärbel Raschke studierte in Leipzig Germanistik und ist dort promoviert worden. Nach der Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und einer Vertretungsprofessur an der Universität Bielefeld folgten DAAD-Lektorate an der Université Paris 8, der Universität Mohamed V Rabat und an der Ain-Shams-Universität Kairo. Forschungsaufenthalte an der E.N.S. Paris und der Klassikstiftung Weimar wurden von der VW-Stiftung gefördert.

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