Universität Erfurt

Projekt von Kai Schwahn M.A.

Geschichte und Recht. Eine Untersuchung höfischer und städtischer Wissenskulturen am Beispiel des Rechtsgelehrten Johann Schilter (1632-1705)

Das Interesse an der Geschichte und der Kultur des Mittelalters in Gelehrtenkreisen erreichte im Verlauf des 17. Jahrhunderts eine Hochphase. Die Herausbildung einer gelehrten Mediävistik war Teil eines längeren Rezeptionsprozesses seit dem Aufkommen des Humanismus im Heiligen Römischen Reich im 15. und 16. Jahrhundert, mit welchem auch die deutschsprachige Kultur mit der Zeit eine stetige Aufwertung erfuhr. Die „Neu-Entdeckung“ des Mittelalters im 17. Jahrhundert speiste sich aus einem zeitgenössischem Orientierungsbedürfnis in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Der Rückbezug auf das Mittelalter lieferte eine Projektionsfolie für aktuelle Problemdiagnosen bezüglich des Zustandes der Kirche, der Rechtsprechung oder der Sprache. Während die verschiedenen Wissensfelder der Theologie, des Rechts, der Philologie, der Sprachforschung und der Geschichte in der Forschung häufig getrennt voneinander behandelt werden, waren diese im gelehrten Arbeitsalltag häufig eng miteinander verknüpft.

Anhand des sächsischen Gelehrten Johann Schilter (1632-1705) soll in diesem Projekt untersucht werden, wie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Wissen über das Mittelalter bzw. die deutschsprachige Vergangenheit gesammelt, organisiert und in Hinblick auf zeitgenössische Problemdiagnosen angewendet wurde. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Berücksichtigung der verschiedenen Wissenskulturen in ihren Auswirkungen auf Form und Inhalt des produzierten Wissens.

Schilter war nach einer juristischen Ausbildung an den Universitäten in Leipzig und Jena an verschiedenen ernestinischen Höfen tätig, bevor er 1686 eine Stelle als erster Advocat des Straßburger Stadtrats annahm und gleichzeitig eine Honorarprofessur an der dortigen Universität antrat. Er befasste sich mit der mittelalterlichen vor allem deutschsprachigen Kultur zunächst aus juristischer Perspektive. Unter dem Einfluss von Hermann Conrings „De Origine Iuris Germanici“ (1643) und der Lehre seines Jenaer Rechtsprofessors Johann Strauch ging es ihm darum, die Geltung der „deutschen“ Rechtsquellen gegenüber dem Römischen Recht zu belegen. Mit dem Umzug nach Straßburg widmete er sich aber zunehmend auch der Sammlung und Herausgabe sakraler, literarischer und historischer Handschriften des Mittelalters. Seine editorische Tätigkeit gipfelte schließlich in seinem dreibändigen Hauptwerk, dem „Thesaurus Antiquitatum Teutonicarum“, das erst 1728 posthum herausgegeben wurde.

Kurzbiographie

Kai H. Schwahn studierte Geschichte und Sozialwissenschaften an den Universitäten Erfurt und Hamburg. Seit Oktober 2016 promoviert er als Stipendiat der Graduiertenschule „Geisteswissenschaften“ an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit, insbesondere die Geschichte frühneuzeitlicher Historiographie, sowie Neuere Archivgeschichte.

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