Universität Erfurt

Kulturelle ZeitRäume

Das Projekt

DFG-Forschungsprojekt: „Kulturelle ZeitRäume einer atlantischen Metropole: São Paulo 1867-1930"

Das zentrale Ziel des skizzierten Projektes besteht in der Untersuchung von sich radikal verändernden Zeit-Raumerfahrungen und -konzeptionen im São Paulo der Zeit zwischen 1867 und 1930. Die leitende Frage lautet entsprechend: Wie wird Zeit und Raum von Paulistas erfahren, wie verändert sich diese Erfahrung durch technologische sowie sozioökonomische Neuerungen und werden in der Stadt neue Zeit- und Raumkonstruktionen geriert – und wenn ja, wie und zu welchem Zweck? Bei der Beantwortung dieser Frage sollen zwei Arbeitsthesen getestet werden. Erstens: Raumerfahrungen sind an Zeit(erfahrungen) und Zeit- an Raumerfahrungen gebunden, und zweitens: Raumkonzeptionen sind an Zeit(erfahrungen) gebunden und Zeitkonzeptionen an Raumerfahrungen. Hieraus lassen sich analytisch zunächst folgende zwei, stark miteinander verbundene größere Frage- und damit Bearbeitungskomplexe extrahieren, und zwar die alltäglichen Erfahrungen mit den technologischen Innovationen und den sozioökonomischen Veränderungen sowie die Verarbeitung dieser Erfahrungen in (neue) Raum- und Zeitkonzeptionen.

Vor dem Hintergrund der sich enorm und schnell wandelnden Lebenswelten ist den Raum- und Zeiterfahrungen der Paulistas und verschiedener Paulistaner Sozialgruppen nachzugehen, und zwar auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene. In diesem ersten Schritt soll der ersten Arbeitsthese nachgegangen werden, nämlich, dass Raumerfahrungen an Zeit(erfahrungen) und Zeit- an Raumerfahrungen gebunden sind. So werden einerseits die sich über den Untersuchungszeitraum verändernden Raumerfahrungen ebenso in den Blick genommen wie der enge Konnex zwischen beiden Erfahrungen, bspw. bei Geschwindigkeitserlebnissen. Andererseits soll gezeigt werden, dass die Erfahrung des Raumes São Paulo erheblichen Einfluss auf die Zeiterfahrung seiner Bewohner hatte. Für ein differenziertes Bild kollektiver Erfahrungen sollen, soweit möglich, Sozialgruppen nach Geschlechtern, Ethnien, Konfessionen und/oder Einkommen getrennt werden.

Vielschichtig mit diesem Komplex verknüpft ist dann zu fragen, wer wie mit diesen Erfahrungen umging, wer welche (neuen) Raum- und Zeit-Konzeptionen entwickelte und wie. Für diesen Teil gilt es der zweiten Arbeitsthese nachzugehen: Raumkonzeptionen sind an Zeit(erfahrungen) gebunden und Zeitkonzeptionen an Raumerfahrungen. Das heißt, es wird einerseits zu zeigen sein, dass Raumkonzepte zeitspezifisch sind, also spezifisch für ihren historischen Kontext und für dessen Erfahrung durch denjenigen, der Raum konzeptionalisiert. Andererseits ist die Konzeptionalisierung von Zeit ebenso an die Erfahrung des spezifischen Raumes São Paulo gebunden wie die Zeiterfahrung.

 

 

 

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