Universität Erfurt

Mittelalterliche Geschichte

Sommersemester 2019

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2019

BA-Veranstaltungen

V - Antike Texte im Mittelalter/Classical Texts in the Middle Ages (Kai Brodersen)

Mo. 8-10 Uhr

Antike Texte sind fast ausschließlich durch wiederholte Abschriften im Mittelalter erhalten geblieben. Welche Werke wurden ausgewählt, welche verworfen? Welches Bild der Antike wurde auf diese Weise tradiert? Wie verlief der Überlieferungsprozess konkret? Wie wird dieser Prozess erforscht? Wie werden die Ergebnisse der Forschungs wissenschaftlich präsentiert? Und wie kann man aus einer modernen kritischen Edition Angaben zur Überlieferung entnehmen? Fragen wie diesen wollen wir in der Vorlesung nachgehen und anhand originaler Zeugnisse für die Überlieferung antiker Texte (auch in der Bibliotheca Amploniana) und moderner kritischer Editionen praktische Antworten erörtern.

 

Classical texts have survived almost exclusively through repeated medieval copies. Which ancient works were selected, which were rejected? Which image of antiquity was handed down in this way? How did the transmission process actually work? How is this process being researched? How are the results of the research presented scientifically? And how can we extract information about the tradition from a modern critical edition? We shall pursue questions such as these in the lecture and discuss practical answers based on original testimonies for the transmission of ancient texts (inclcuding some in the Bibliotheca Amploniana) and modern critical editions.

 

Literatur:

Herbert Hunger u. a.: Die Textüberlieferung der antiken Literatur und der Bibel. München 1975 (FB 5110 H936(2))

Leighton D. Reynolds und Nigel G. Wilson: Scribes and scholars. A guide to the transmission of Greek and Latin literature. 4. Auflage Oxford 2013 (bestellt)

Dirk Rohmann: Christianity, Book-Burning and Censorship in Late Antiquity. Studies in Text Transmission (= Arbeiten zur Kirchengeschichte 135) Berlin 2016 (bestellt)

Fabio Stok: Vom Papyrus zum Internet. Eine Geschichte der Überlieferung und Rezeption der antiken Klassiker. Rahden 2017 (bestellt; englische Ausgabe FB 2025 H941)

S3 - Die Landgrafschaft Thüringen bis zum Aussterben der Ludowinger 1247 (Clemens Beck)

Blockveranstaltung zu den Terminen:

12.04.2019, 14:00-17:00

26.04.2019, 14:00-19:00

10.05.2019, 14:00-19:00

24.05.2019, 14:00-19:00

28.06.2019, 14:00-19:00

12.07.2019, 14:00-19:00

Die Landgrafschaft Thüringen bildet den mittelalterlichen Kokon des modernen Freistaats. Im Gegensatz zu anderen Gebieten des ostfränkischen Reiches bildete sich in Thüringen im 9. und 10. Jahrhundert kein eigenständiges Stammesherzogtum heraus. Im Jahr 1131 erhob Kaiser Lothar III. von Süpplinburg die Ludowinger zu den Landgrafen von Thüringen, wodurch diese zu den wichtigsten Reichsfürsten aufstiegen. Die Wahl des Landgrafen Heinrich Raspe IV. im Jahr 1246 und sein söhneloser Tod nur ein Jahr später markieren sowohl den Höhepunkt als auch das Ende der ludowingischen Herrschaft.

Im Seminar behandeln wir die Gründe für den Aufstieg der „landfremden“ Ludowinger, den Landesausbau und deren wechselvollen Beziehungen zu den staufischen Herrschern. Daneben beschäftigen wir uns mit der Herrschaftsrepräsentation der Ludowinger, der heiligen Elisabeth von Thüringen und der Aufwertung Thüringens zu einem Zentrum der höfischen Kultur im 12. und 13. Jahrhundert.

 

Literatur:

Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft, Teil 1 (= Mitteldeutsche Forschungen 22). Köln/ Graz 1962

Petersohn, Jürgen: Die Ludowinger. Selbstverständnis und Memoria eines hochmittelalterlichen Reichsfürstengeschlechts. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. 129 (1993), S. 1 – 39

Mägdefrau, Werner: Weltliche und geistliche Herrschaften im hohen Mittelalter. Aus der Geschichte Thüringens vornehmlich zur Zeit der Ludowinger Landgrafschaft. In: Unbehaun, Lutz (Hrsg.): Thüringen im Mittelalter. Die Schwarzburger (= Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte, 3). Rudolstadt 1995, S. 28 – 78

Warsitzka, Wilfried: Die Thüringer Landgrafen. Jena 2004

Wittmann, Helge: Im Schatten der Landgrafen. Studien zur adeligen Herrschaftsbildung im hochmittelalterlichen Thüringen. Köln 2008.

S3 - Food History - Mehr als Essen und Trinken im Mittelalter (Julia Seeberger)

Di. 14-16 Uhr

Essen und Trinken sind nicht nur elementare menschliche Bedürfnisse, sondern auch ein Schlüssel zu den sozialen Strukturen und dem kulturellen Funktionieren einer Gesellschaft. Das Seminar richtet diesen ernährungsgeschichtlichen Blick auf das Mittelalter und fragt nicht nur nach dem, was gegessen wurde und wie dies zubereitet wurde. Leitende Fragen des Seminars sollen vielmehr sozial-, frömmigkeits- und umweltgeschichtliche Perspektiven sein: Wer hat was gegessen und getrunken? Wer aß wo und mit wem gemeinsam? Wer konnte was nicht essen und wer wollte nicht essen? Wie wirkten sich umweltliche und gesundheitliche Vorstellungen auf die Ernährung aus?

Das Seminar verläuft größtenteils textbasiert und arbeitet mit Quellen der mittelalterlichen Geschichte. In einzelnen Sitzungen sollen jedoch Blick und Raum geweitet werden und der gegenwärtigen Sichtbarkeit der mittelalterlichen Ernährung zugewandt werden: Was ist von dem Essen und Trinken des Mittelalters in der Struktur einer Stadt, dem Bild einer Stadt oder in unserem Wissen vorhanden? Inwiefern können Bildnisse in Kirchen oder Ausgrabungen von Abfallgruben Quelle der Food History werden?

Das Seminar eignet sich sowohl für Einsteiger/-innen der Geschichtswissenschaft als auch für fortgeschrittene Studierende, die mit kulturgeschichtlichen Fragen an das Mittelalter herangehen möchten.

 

Literatur:

Barlösius, Eva: Soziologie des Essens. Eine sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung. 2. Aufl. München 2011.

Feedman, Paul (Hg.): Essen. Eine Kulturgeschichte des Geschmacks. Darmstadt 2007.

Hirschfelder, Gunther: Europäische Esskultur. Eine Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute. Frankfurt u. a. 2001.

Paczensky, Gert von u. Anna Dünnbier: Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. München 1997.

Schubert, Ernst: Essen und Trinken im Mittelalter. Darmstadt 2006.

S3 - Was ist Europa? - Eine Spurensuche in der Antike (Johanna Leithoff)

Do. 12-14 Uhr

S9/S12 - Handlungsspielräume von Frauen im Mittelalter (Antje Schedel)

Mi. 16-18 Uhr

 

 

MA-Veranstaltungen

S9 - Verwaltung im Spätmittelalter. Lektüre und Interpretation von archivalischen Zeugnissen (Karl Heinemeyer)

Do. 8-10 Uhr

Seit dem Spätmittelalter wird die Tätigkeit von landesherrlichen wie städtischen Verwaltungen immer deutlicher erkennbar, weil ihre Hinterlassenschaft an Umfang stetig zunimmt. Das gilt auch für Erfurt, wo neben der Selbstverwaltung der Stadt der Erzbischof von Mainz für seine thüringischen Besitzungen eine eigene Verwaltung unterhielt. Einblick in die Arbeit einer solchen landesherrlichen Behörde ebenso wie der Verwaltung einer spätmittelalterlichen Großstadt zu gewinnen, wird anhand bisher unveröffentlichter Archivalien besonders im Stadtarchiv Erfurt möglich sein. Zugleich soll an dem überwiegend deutschsprachigen Material nach einer knappen Einführung in die Paläographie das Lesen und Transkribieren spätmittelalterlicher Archivalien geübt werden.

Literatur:

I. Zum Thema:

Karl Heinemeyer, Die Erfurter „Grünen Bücher“. Zu Farbbüchern in der landesherrlichen Verwaltung im Spätmittelalter – zugleich zum ältesten Subsidienregister des Erzbistums Mainz, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 150 (2014) S. 245–282.

Alfred Kirchhoff, Die ältesten Weisthümer der Stadt Erfurt über ihre Stellung zum Erzstift Mainz (Halle 1870).

Mark Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung im deutschen Nordwesten. Spätmittelalterliche Rechnungen, Verwaltungspraxis, Hof und Territorium (Residenzforschung, Bd.9, Stuttgart 2000).

 

II. Zur Paläographie:

Elke Frfr. von Boeselager, Schriftkunde – Basiswissen (Hahnsche Historische Hilfswissenschaften, Bd.1, Hannover 2004).

Friedrich Beck / Lorenz Friedrich Beck, Die lateinische Schrift. Schriftzeugnisse aus dem deutschen Sprachgebiet vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Köln u.a. 2007).

Walter Heinemeyer, Studien zur Geschichte der gotischen Urkundenschrift (Archiv für Diplomatik. Beiheft 4, Köln/Wien 1982).

Hellmut Gutzwiller, Die Entwicklung der Schrift in der Neuzeit, ebenda S. 381–488. – Richtlinien für die Edition landesgeschichtlicher Quellen, hg. von Walter Heinemeyer (Marburg/Hannover 2000), bes. S. 19–25 und S. 31–39.

S9 - Das mittelalterliche Böhmen (Christian Oertel)

Di. 12-14 Uhr

Im Seminar soll anhand ausgewählter Quellen ein Überblick über die Geschichte des mittelalterlichen Böhmen erarbeitet werden. Dabei wird sowohl bei den Arten der Quellen (z.B. Urkunden, Heiligenlegenden, Gesetzestexte, wirtschaftsgeschichtliche Quellen) als auch bei den betrachteten „historischen Sub-Disziplinen“ (z.B. politische Geschichte, Kirchengeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte) eine möglichst große Breite angestrebt. Ein besonderes Augenmerk wird auf der Stellung Böhmens zum Reich liegen. Einführende Literatur wird in der ersten Seminarsitzung bekannt gegeben.

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