Universität Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Dr. Doris Schweitzer: Fellow

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

Vita

  • SoSe 2019: Vertretung der Professur für Soziologie mit Schwerpunkt Allgemeiner Gesellschaftsvergleich, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • SoSe 2018 – WS 2018/19: Vertretung der Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziologische Theorie und Theoriegeschichte, Goethe-Universität Frankfurt
  • SoSe 2017: Vertretung der Professur für Soziologie mit Schwerpunkt Allgemeiner Gesellschaftsvergleich, Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 2009–2018: wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am EXC 16 „Kulturelle Grundlagen von Integration“, Universität Konstanz
  • 2010-2012: Leiterin der Nachwuchsforschungsgruppe „Idiome der Gesellschaftsanalyse“ am Cluster EXC 16 „Kulturelle Grundlagen von Integration“, Universität Konstanz
  • 2010–2011: Fellowship am Käte-Hamburger-Kolleg „Recht als Kultur“, Bonn
  • 2008–2009: Stipendiatin im Graduiertenkolleg „Die Figur des Dritten“, Universität Konstanz

Forschungsprojekt

Die rechtliche Neuordnung der Dinge

Das Projekt nimmt gegenwärtige Verschiebungen in der rechtlichen Ordnung unserer Verhältnisse zu den „Dingen“ (res) in den Blick. Geht man dabei – in Anlehnung an die frühen Soziologien etwa von Karl Marx, Émile Durkheim, Ferdinand Tönnies oder Max Weber – idealtypisch vom privaten Sacheigentum aus, dann zeigen sich die Scheidung zwischen Rechtsubjekts (persona) und Rechtsobjekt (res), aus der individuelle Ansprüche gegenüber Anderen (Rechtsverhältnis) erwachsen.
In allen drei Punkten lassen sich gegenwärtig – insbesondere angesichts technischer Entwicklungen und fortschreitender Digitalisierung, aber auch zunehmender Ressourcenknappheit – Verschiebungen feststellen: Durch neue Eigentumsformen (z.B. intellectual property rights oder cultural property rights) wandelt sich die Bestimmung dessen, was im und durch das Recht zu einem „Ding“ gemacht und damit als (wirtschaftliches) Zugriffsobjekt angesehen werden kann (z. B. genetische Daten, Ideen, Körperfragmente, Saatgut); zugleich wird zunehmend nicht-menschlichen Entitäten der Status des Rechtssubjekts zuerkannt bzw. gerät dies zum Bezugspunkt der Debatten (z.B. „die Natur“ bzw. Naturobjekte wie Flüsse oder Gletscher; Tiere; Roboter); schließlich wird verstärkt über die Möglichkeit des Eigentums bzw. seine konkrete Ausformung  und die daran anknüpfende Frage der Verfügbarkeit gestritten (so über Allmende, Commons bzw. Open Source).
Trotz steigender Relevanz der zugrunde liegenden Problemlagen (Naturschutz, Tierschutz, Schutz von Privatheit vor staatlicher und ökonomischer Überwachung, aber auch der Kampf um indigenous oder community rights, Antikapitalismusbewegung usw.) ist eine genuin soziologische Analyse der rechtlichen Verschiebungen, aber auch der einzelnen Phänomene selten anzutreffen. An diesem Punkt setzt das Projekt an. Eine rechtliche Neuordnung der Dinge, ein Wandel in der „Regierung der Dinge“ (Foucault, Lemke), führt über den Konnex von Person, Sache und Rechtsverhältnis – so die These – zu einem Wandel in der Regierung der Menschen. Dies soll über einzelne Fallstudien herausgearbeitet werden. Hierzu wird je fallspezifisch sehr divergierendes Material herangezogen (z.B. Gerichtsurteile und Gesetzesvorhaben, rechtswissenschaftliche Diskussionen, politische Debatten, konkrete NGO-Arbeit usw.). Dabei steht zugleich zur Debatte, ob nicht auch die soziologische Theorie durch eine Neukonzeption von res und persona in ihren Konzepten des Akteurs, der Handlung oder der Zurechnung vor Herausforderungen gestellt wird.

Publikationen (Auswahl)

  • Juridischen Soziologien. Recht und Gesellschaft von 1814 bis in die 1920er Jahre (Habilitationsschrift, Publikation in Vorbereitung).
  •  „Die Subjektwerdungen der juristischen Person. Subjektivierungstheoretische Überlegungen zur rechtlichen Personalisierung von Kollektiven“, in: Bröckling, Ulrich et al. (Hg.): Jenseits der Person. Zur Subjektivierung kollektiver Subjekte, Bielefeld: Transcript 2018, S. 175-193.
  • „Die digitale Person: Subjektkonstruktionen im ‚Recht auf Vergessenwerden‘“, in: ÖZS – Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Heft 3/2017, S. 237-257.
  • „Wie das Recht dem Ethnologen im Gerichtssaal abhandenkam“ in: Twellmann, Marcus (Hg.): Wissen, wie Recht ist. Bruno Latours empirische Philosophie einer Existenzweise. Konstanz: KUP 2016, S. 145-166.
  • Rethinking Order. Idioms of Stability and Destabilization, zusammen mit N. Falkenhayner, A. Langenohl, K. Szulecki, J. Scheu (Hg.), Bielefeld: Transcript 2015.
  • „Macht der Unbestimmtheit? Unbestimmte Rechtsbegriffe als Provokation für die poststrukturalistische Theorie“, in: Zeitschrift für Rechtssoziologie, Heft 1/2015, S. 91-116.
  • „Dereliktion: Über die zunehmenden Schwierigkeiten, eine Sache herrenlos zu machen“ in: Kempe, Michael/Suter, Robert (Hg.): Res nullius. Zur Genealogie und Aktualität einer Rechtsformel, Berlin: Duncker & Humblot 2015, S. 77-94.
  • „Zum Kritikpotential der Untersuchung sozialer Phänomene als ›epistemische Dinge‹“ in: Verhandlungen der Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Bd. 37 (2015): "Routinen der Krise – Krise der Routinen", Universität Trier 2014, http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband/article/view/127.

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