Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Rebecca Sebbagh: Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

Vita

seit September 2017: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Research Centre »Dynamik ritueller Praktiken im Judentum in pluralistischen Kontexten von der Antike bis zur Gegenwart«

2016: Promotion mit der Arbeit „Die Genizafragmente der Sheʾiltot des Rav Aḥai. Edition und Analyse ihres Beitrages zur Textgeschichte“

2010 –2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Judaistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

2010: Magisterarbeit „Das Hohelied in der rabbinischen Literatur und in der mittelalterlichen Bibelexegese: Tora, Exil, Erlösung“

2009-2010: Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes

2004-2010: Studium der Judaistik und Orientalistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Forschungsprojekt

Die Verwendung der Psalmen in der jüdischen Liturgie

Die Psalmen nehmen im jüdischen, wie auch im christlichen Gebet, einen besonderen Platz ein. Für die Entwicklung der jüdischen Liturgie nach der Tempelzerstörung 70 u.Z. sind wir auf die verstreuten Belege in der klassischen rabbinischen Literatur angewiesen. In den Werken der rabbinischen Literatur wie der Mishna, der Tosefta, den Midrashim und den beiden Talmudim, lassen sich Hinweise auf einzelne Thematiken finden. Dabei geht es vorallem um die korrekte Aussprache von Gebeten und um die  Verwendung von Gebeten zu verschiedenen Anlässen. Systematische Gebetsordnungen oder Gebetssammlungen sind jedoch nicht zu finden. Für die frühe jüdische Verwendung von Psalmen in der Liturgie haben wir nur wenige Hinweise. Die Mishna berichtet von Psalmen für die Wochentage, die im Tempel rezitiert wurden. Auch im Talmud (bShab 118b) wird die Rezitation der Psalmen 145-150 als Zeichen besonderer Frömmigkeit gesehen, ebenso kennt er die Rezitation des Hallel (Psalmen 113-118) an den Pilgerfesten und an Chanukka (bAr 10a). Die Psalmen wurden also erst langsam in das Gebet und in den Gottesdienst aufgenommen. Erst für die gaonäische Epoche werden die Quellen zur Liturgie und zur Verwendung der Psalmen zahlreicher.

Wie es aus dem aktuellen Forschungsstand zu erkennen ist, fehlt eine eingehende Betrachtung der Entwicklung der Verwendung der Psalmen in der Liturgie aus der gaonäischen Zeit und dem frühen Mittelalter. Als Grundlage für die Untersuchung dienen sechs Hauptquellen der gaonäischen Zeit. Darunter sind die Quellen für die palästinische Tradition: Piyyutim, Fragmente aus der Kairoer Geniza und Traktat Soferim. Für die babylonische Tradition sind wir auf die gaonäischen Responsen, den Seder Rav Amram Gaon und den Siddur Rav Saadia Gaon angewiesen. Daneben sollen noch weitere mittelalterliche Gebetbücher und Gebetsordnungen sowie andere Quellen untersucht werden.

Dabei soll insbesondere beobachtet werden, wie stark Gebetbücher und –ordnungen von regionalen Bräuchen und Praxen beeinflusst wurden. So unterscheidet sich die Rezitation der Pesuqe de-Simra an Shabbat und Feiertagen im aschkenazischen und im sefardischen Ritus durch die unterschiedlichen rezitierten Psalmen. Diese Unterschiede erstrecken sich auch auf die umgebenden Benediktionen der Pesuqe de-Zimra. Im Laufe der Zeit entwickelten sich zu weiteren Anlässen und Handlungen Gebete, die von der Rezitation von Psalmen begleitet werden. Diese sind durchaus regional unterschiedlich und spiegeln den örtlichen Minhag (Brauch) wieder. Es geht also um regional und zeitlich unterschiedliche Rituale und Verwendung von Psalmen.

Nicht zuletzt soll ein weiterer Schwerpunkt auf den Unterschieden und Gemeinsamkeiten in der Entwicklung von jüdischen und christlichen Lesearten und Verwendungen von Psalmen liegen. Die häufige Annahme, dass der jüdische Ritus mit der Psalmenverlesung den frühen christlichen Ritus beeinflusst hat, kann so nicht mehr aufrechterhalten werden und bedarf einer erneuten Überprüfung.

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