Universität Erfurt

Erfurter RaumZeit-Forschung

RaumZeitlichkeiten des Religiösen

Im Zuge einer ganz grundsätzlichen Ablehnung der religionsphänomenologischen Perspektive wurde seit den 1980er Jahren innerhalb der Religionswissenschaft die Erforschung der Rolle von Raum und Zeit in religiösen Weltbildern und Praktiken vernachlässigt. Zu Recht galten die Annahme einer grundlegenden Raumaufteilung in „sakral“ und „profan“ (Durkheim) ebenso wie die Rede von „Heiligem Raum“ und „Heiliger Zeit“ (Eliade) als unzulässige und für kulturelle Differenzen unsensible Verallgemeinerungen. Gerade jedoch die durch diese Kritik bedingte Hinwendung zum (Kultur-)Spezifischen, Lokalen, Alltäglichen, zur Religion vor Ort ebenso wie zu ihrer materiellen Dimension (vgl. z.B. die Arbeiten von Kim Knott) machte es schließlich möglich, die Frage nach der Raumzeitlichkeit von Religion auf neue Weise zu stellen. Religiöse Systeme und insbesondere die in ihrem Kontext auftretenden Spezialist*innen versuchen durch die Herausbildung spezifischer Strategien (Geschichtsschreibung, Kalender, exklusiv sakrale Räume etc.) Raum und Zeit zu kontrollieren, während gleichzeitig die Taktik von Alltagspraktiken (Michel de Certeau) darin besteht, die gegebenen Raum- und Zeitordnungen zu unterlaufen. Eine Analyse religiöser Praktiken, die auf diese Weise die Frage nach Raum, Zeit und Materialität in den Vordergrund stellt, ist dazu geeignet, sowohl die Machtstrategien religiöser Systeme als auch die „Eingebettetheit“ (embeddedness) und die Kreativität von gelebter, alltäglicher Religiosität adäquat zu erfassen und so erst sichtbar werden zu lassen. Die für unsere aktuelle gesellschaftliche Situation ebenso wie für historische Epochen charakteristische Vielfalt und Veränderlichkeit des religiösen Feldes lässt sich so an konkreten Beispielen, wie etwa der Individualisierung von Bestattungspraktiken, der Gestaltung sakraler Räume in Städten etc. in ihrer Spannung zu institutionalisierter Raum- und Zeitordnung analysieren. Eine derartige Analyse durchkreuzt die durch Begriffe wie „Monotheismus“ aber auch „Weltreligionen“, „religiöse Individualisierung“ und ähnliche Kategorien festgefahrenen wissenschaftlichen und alltäglichen Imaginationen des religiösen Feldes.

Vergangene Veranstaltungen

Workshop: "Zwischenräume II - Raumvorstellungen und Raumpraktiken im Heterochronotopos"

Veranstalter: Sabine Schmolinsky (Erfurt), Muriel Gonzáles Athenas (Bochum) und Monika Frohnapfel-Leis (Erfurt), gefördert u.a von der Ernst-Abbe Stiftung, Erfurt

Workshopübersicht

Workshopkonzept

 

Workshop "Räume des Religiösen: Zwischenraum, third space oder Heterotopie?"

Veranstalter: Muriel González Athenas (Bochum) und Monika Frohnapfel-Leis (Mainz/Erfurt)

    

 

 

 

Workshop: "Locating Matyrdom in Space/Time"

Veranstalter: :Prof. Dr. Katharina Waldner (Erfurt) und Prof. Dr. Harry Maier (Erfurt), Erfurt

Workshop-Skizze

 

 

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