Universität Erfurt

Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit

Sammlungen

Kupferstich aus Ernst Salomon Cyprians "Hilaria Evangelica", FB Gotha, Th 4° 3085, 3.

Die Forschungsbibliothek Gotha ist aus den Sammlungen des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg hervorgegangen, die von Herzog Ernst dem Frommen mit der Errichtung des Schlosses Friedenstein als Residenz in den 1640er Jahren begründet und durch Erwerbungen in den nächsten Jahrhunderten kontinuierlich erweitert wurden. Die Herzöge von Sachsen-Gotha verstanden sich als Bewahrer des lutherischen Erbes. Nach dem Verlust der Kurwürde infolge der Niederlage Johann Friedrichs von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg 1547 war Konfession unter anderem ein Mittel, den politischen Bedeutungsverlust der Ernestiner zu kompensieren. Dies sollte durch die Schaffung einer eigenständigen Erinnerungskultur gelingen. Seit Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha 1640 ließen die Herzöge gezielt Quellen sammeln, mit deren Hilfe Veit Ludwig von Seckendorff und seine Nachfolger eine Geschichte der Reformation erarbeiten sollten. Im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum 1717 ließ der regierende Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha den lutherisch-spätorthodoxen Theologen Ernst Salomon Cyprian (gest. 1745) alle Aktivitäten um das Jubiläum dokumentieren. Dabei ging es nicht nur um eine, der Legitimation der lutherischen Territorien dienende Geschichtskonstruktion, sondern um die Bewahrung des lutherischen Erbes und – angesichts der zeitgenössischen innerprotestantischen Auseinandersetzungen um die pietistische Bewegung – um die Standortbestimmung des Protestantismus um 1700. Es entstand ein Fundus zur Geschichte der protestantischen Bewegungen insgesamt bis in das frühe 18. Jahrhundert. Unter Cyprians Leitung entwickelte sich die Bibliothek zu einem frühen Zentrum der Reformationsgeschichte selbst und ihrem Erbe, der lutherischen Orthodoxie. Die wissenschaftlichen Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts, das Aufkommen neuer religiöser Bewegungen wie des Pietismus und nicht zuletzt die Aufklärung, die unter Herzog Friedrich III. und seiner Gemahlin Louise Dorothea am Hof Einzug hielt, gaben der Bibliothek ein neues Gepräge. Vor Ort, direkt in den historischen Räumen des Schlosses Friedenstein, lassen sich diese Transformationen des Protestantismus studieren. Einen ersten Einblick geben die nachfolgenden Seiten zu den Beständen Reformationsgeschichte, Bildungswesen, Bibliotheca Gerhardina, Konfessionskulturen, Frömmigkeits- und Hofkultur, Politik, Pietismus und Nonkonformismus, Philosophie der Frühen Neuzeit und Aufklärung.

Weitere Informationen zur Bibliotheksgeschichte

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl