Universität Erfurt

Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit

Aufklärung

Luise Dorothea: Brief an Voltaire vom 16.1.1759. FB Gotha, Chart. B 1777, Bl. 90r.

Das Interesse der Herzogin Luise Dorothea und ihres Sohnes Herzog Ernst II. galt den Ideen der Aufklärung, die eine Zeitenwende auch für den Protestantismus insgesamt bedeuteten. Die Herzogin stand mit herausragenden Geistesgrößen wie Christian Wolff, Voltaire, Denis Diderot und Jean-Jacques Rousseau in einem brieflichen Kontakt. Allein ihre Korrespondenz mit Voltaire umfasst nahezu 250 Briefe. Ihre Privatbibliothek enthält 100 Titel Voltaires mit einer Vielzahl von Einzelschriften. Auch der Bestand an Druckschriften von Wolff und Johann Christoph Gottsched ist beachtlich. Von Diderot liegen die siebzehnbändige Enzyklopädie (Erstauflage 1751-1765) sowie weitere philosophische und literarische Texte vor. Rousseaus sozialrevolutionäre Schrift Du contrat social ou principes du droit politique („Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts“) in der Erstauflage von 1762 stammt aus der Privatbibliothek der Herzogin. Wie sehr Gotha unter Herzog Ernst II. Teil des höfisch-aufklärerischen Netzwerkes war, verdeutlicht das vollständig überlieferte Exemplar der von Friedrich Melchior Grimm in Paris 1753 bis 1813 herausgegebenen Zeitschrift Correspondance littéraire , die über Neuerscheinungen im Bereich der Literatur und Philosophie informierte. Die Edition dieses handschriftlichen Korpus erfolgt seit einigen Jahren unter wesentlicher Berücksichtigung des Gothaer Bestandes. Schließlich ist auch der Aufklärer par excellence, Immanuel Kant, ist mit seinen beiden Kritiken zur reinen bzw. praktischen Vernunft in den Erstauflagen von 1781 und 1788 Teil der herzoglichen Sammlung. Von den Freimaurern, dessen Mitglied Ernst II. seit 1774 war, sind Gesetze und Verfassungen einzelner Logen sowie Reden und Gesänge vorhanden.

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