Universität Erfurt

Studienstätte Protestantismus

Philosophie der Frühen Neuzeit

Christoph Scheibler: "Opera philosophica" von 1665. FB Gotha, Phil 4° 11/5.

Mit dem Wiederaufleben des universitären Curriculums unter Melanchthon hatte die Philosophie einen festen Platz im protestantischen Bildungssystem und damit einen Ort in den Gelehrtenbibliotheken gewonnen. Von der im 16. und 17. Jahrhundert prägenden Gestalt des Aristoteles zeugen die in Gotha reichlich vorhandenen griechischen und lateinischen Texteditionen. Die Trendsetter der neuen Aristoteles-Philologie, die Jesuiten, sind in großer Anzahl mit ihren Kommentaren und systematischen Abhandlungen zur Logik, Ethik, Physik und Metaphysik vertreten. Noch umfangreicher ist der Bestand zur protestantischen Schulphilosophie, die mit ihren Schriften bzw. Disputationsreihen die universitären Curricula und den Unterricht an den hohen Schulen prägte . Der in der Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgende Wandel vom Aristotelismus hin zu einem System verschiedener Philosophien beeinflusste nicht nur die protestantischen Schulphilosophen nachhaltig, sondern wirkte sich mit einer gewissen Verzögerung auch auf die herzoglichen Sammlungen aus. Anhand der Provenienzgeschichte kann man erkennen, dass viele Drucke der Neuen Philosophie aus den Privatbibliotheken der Herzogin Luise Dorotheas und ihres Sohnes Herzog Ernsts II. stammen bzw. erst am Ende des 18. Jahrhunderts angeschafft worden sind. Dies gilt für die Schriften des René Descartes und seiner Schüler Johann Clauberg und Arnold Geulincx. Selbst der Freigeist Benedictus de Spinoza ist mit all seinen Drucken vertreten. Auch Pierre Bayles bahnbrechende Enzyklopädie ist in mehreren Auflagen vorhanden. Die Vorlieben Luise Dorotheas machen sich ferner beim Erwerb der Werke von John Locke bemerkbar, die meistenteils in französischen Übersetzungen, der Gelehrtensprache des 18. Jahrhunderts, vorliegen.

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