University of Erfurt

Christoph Golbeck

Aus heutiger Sicht gehört meine Entscheidung für einen BA in allen drei staatswissenschaftlichen Teildisziplinen zu den wichtigsten Schritten meines Studiums. Dabei ist es nicht nur die einzigartige Erfahrung im WS 00/ 01 zu den "Ersten" eines neu geschaffenen Studiengangs gehört zu haben, sondern gerade auch der Umstand, dass ich in Erfurt die Chance hatte in vier verschiedenen Fachrichtungen zur gleichen Zeit studieren zu können - Recht, Wirtschaft sowie Soziologie und Politik (Sozialwissenschaften).

Nach dem Zivildienst konnte und wollte ich mich nicht entscheiden, wo später mein Schwerpunkt liegen sollte, mir war nur die "grobe Richtung" klar. Nach der O-Phase (Orientierungsphase) konnte ich dann meinen Schwerpunkt bestimmen, den ich von Wirtschaft zu den Sozialwissenschaften verlegt habe sowie auf zwei Fächer begrenzte - das war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Im Nachhinein ärgere ich mich manchmal, dass ich die Erfurter Möglichkeiten eines fachlich noch breiteren BA-Studiums nicht besser genutzt habe, beispielsweise mit einem Nebenfach in den Religionswissenschaften.

Begeistert haben mich bis zum letzten Tag die Erfahrungen im StuFu (Studium Fundamentale), bei dem ich immer wieder ganz konkret neben meinen Tellerrand blicken konnte, beispielsweise in einer Sommerschule mit 20 muslimischen Studenten aus verschiedenen Ländern. Tolle Bedingungen gibt es auch für ein Semester im Ausland (ich war in Exeter, England) oder ein Engagement in der Universität, sei es in dem Debattierklub, den ich Anfangs mit aufgebaut habe, oder in der Hochschulpolitik (knapp zwei Jahre war ich Mitglied des Studierendenrates).
Nach Erfurt habe ich versucht die Chancen des konsekutiven Studiums zu nutzen. Zuerst habe ich in Berlin ein längeres Praktikum in einem Institut für Sozialforschung gemacht, mit dem ich erworbene Kenntnisse praktisch testen konnte. Hier wurde ich wiederum in meiner weiteren Studienentscheidung bestärkt: ein MA in Sozialpolitik an der Universität Nottingham, England.

Auch dieser Schritt liegt bereits hinter mir. Rückblickend bin ich sehr froh über den Verlauf meines Studiums, da ich mein akademisches Interesse immer weiter eingrenzen konnte. Während der O-Phase in Erfurt bekam ich einen so breiten Einblick in die Gesellschaftswissenschaften, wie es an wenigen deutschen Universitäten derzeit möglich ist. Dahingegen konnte ich mich später ganz und gar auf der Bereich der Sozialpolitik konzentrieren - normalerweise hätte ich dafür schon am ersten Tag meines Studiums wissen müssen, was ich genau machen möchte. Nebenbei bemerkt hat mich der BA in Erfurt sehr gut auf meinen MA in Nottingham vorbereitet.
Derzeit lebe und arbeite ich für ein Jahr in Buenos Aires, Argentinien, um Spanisch zu lernen und theoretische Erkenntnisse aus dem Vorlesungssaal mit Erfahrungen aus der (freiwilligen) Arbeit mit Menschen zu ergänzen, die unterhalb der Armutsschwelle leben.

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