Unser Haus

Landschaftshaus, Forschungszentrum Gotha
Forschungszentrum Gotha

Unsere Anfahrts- und Postadresse:
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloßberg 2
99867 Gotha

Lageplan Campus Gotha

Zu Fuß (ca. 20 Minuten): Gehen Sie die Bahnhofstraße und dann Friedrichstraße entlang der Straßenbahnschienen in Richtung Innenstadt. Lassen Sie die Orangerie und die Stadtbibliothek „Heinrich Heine“ links liegen und überqueren den Vorplatz vor dem Neuen Rathaus am Ekhofplatz. Dort biegen sie links in die Siebleber Straße ein, die dann zur Lucas-Cranach-Straße wird. Sie laufen nach wenigen hundert Metern direkt auf das so genannte Landschaftshaus zu, in dem sich das Forschungszentrum befindet (Schloßberg 2).

Mit der Straßenbahn: Vom Bahnhof aus erreichen Sie das Forschungszentrum, wenn Sie am Bahnhofsplatz in eine der Straßenbahnen einsteigen (Linien 1, 2 und 4). Steigen Sie an der Haltestelle „Orangerie“ aus. Überqueren Sie die Friedrichstraße und gehen Sie ca. 100 Meter weiter. Biegen Sie am Ekhofplatz links ab. Folgen Sie der Siebleber Straße, die dann zur Lucas-Cranach-Straße wird. Nach wenigen hundert Metern sehen Sie das Eckhaus, in dem sich das Forschungszentrum befindet (Schloßberg 2), vor sich liegen.

Mit dem Auto: Das Forschungszentrum besitzt keine eigenen Parkplätze. Kostenfrei können Sie gegenüber dem „Hotel am Schlosspark“ parken, die Kapazitäten sind jedoch beschränkt. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es außerdem an der Südseite von Schloss Friedenstein. In der Umgebung des Forschungszentrums bestehen weitere Parkmöglichkeiten, diese sind jedoch auf zwei Stunden begrenzt. Bitte nutzen Sie eine Parkuhr.

 

Zur Geschichte des Hauses

Im Jahr 1643 wurde das Landschaftshaus Gotha erstmals urkundlich erwähnt. Im ersten Jahrhundert der Nutzung diente es unterschiedlichsten Zwecken - als Lernort und Wohnhaus - und war ebenfalls ein Ort politischen Geschehens. Namensgeber für ein am heutigen Forschungszentrum angebundenes Fellowship-Programm war der Vorbesitzer des Hauses, der Polyhistor und Sprachgelehrte Hiob Ludolf (1624–1704), der damals im Dienste Herzog Ernsts des Frommen stand. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude von den Landständen des Herzogtums Gotha erworben: Von 1764 an war es der Sitz des Landtags des Herzogtums Sachsen-Gotha. Ab 1899 wurde das Gebäude als Behördenhaus des Landes Thüringen genutzt und zwischen 1931 und 1949 war die Staatliche Bakteriologische Untersuchungsanstalt Gotha dort untergebracht. Diese wurde umbenannt in die Zentralstelle für Hygiene und bakteriologische Untersuchungen, später (ab 1952) dann in das Bezirks-Hygiene-Institut Suhl, Sitz Gotha. Das Hygiene-Institut wurde am 31. März 1993 geschlossen.

Das Haus stand also geschichtlich immer schon in einem engen Verhältnis zum Schloss und dem Gothaer Stadtgeschehen. Im Mai 2018 zog des Forschungszentrum vom Pagenhaus des Schlosses Friedenstein in das neusanierte historische Gebäude des Landschaftshauses am Schloßberg 2. 

Zur Entwicklungsgeschichte des Forschungszentrums

Forschungszentrum Gotha mit Rathaus im Hintergrund

Das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt (FZG) ist als universitäre Forschungseinrichtung, die zugleich eng an eine der größten deutschen Frühneuzeitbibliotheken angeschlossen ist, eine singuläre Institution. Die sonst nie vorhandene Trias Universität – bedeutende Sammlungen – Forschungsinstitut bietet zum einen die Chance, akademische Forschungsdynamik und umfassende, für die Forschung unerschlossene Bestände so zusammenzuführen, dass modellhaft innovative Tiefenerschließung und historische Analysen durchgeführt werden können. Zum anderen bietet sie die Möglichkeit, dies nicht abgeschieden vom akademischen Betrieb zu tun, sondern der Forschung aus der Universität heraus den Nachwuchs zuzuführen und auch umgekehrt die Forschungsergebnisse direkt in die Universität hineinzutragen.

 

Forschungszentrum Gotha Rückseite

Das FZG wurde 2004 auf Anregung des Wissenschaftsrats als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt (UE) gegründet. Die Gründung verfolgte ein doppeltes Ziel: Zum einen galt es, die historischen (Buch-)Bestände der Forschungsbibliothek Gotha (FBG), einer der bedeutendsten Frühneuzeitbibliotheken Deutschlands, die mit der Sammlung Perthes darüber hinaus ein einzigartiges Verlagsarchiv des 19. und 20. Jahrhunderts bewahrt, zu erschließen und in die wissenschaftliche Diskussion zu integrieren. Zum anderen sollte das Zentrum dem Reformanspruch der Universität Erfurt nach einer Stärkung der interdisziplinären geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung mit kulturwissenschaftlichem Fokus Rechnung tragen. Unter der Leitung des Gründungsdirektors Peer Schmidt (Lateinamerikanische und Südwesteuropäische Geschichte, 2004–2008) machte sich das FZG mit der Erforschung eines breiten Spektrums kulturwissenschaftlicher Themen einen Namen, die – auf der Basis der Gothaer Quellenbestände – vorrangig Arbeiten zu Eliten-, Religions- und Wissenskulturen der Frühen Neuzeit und der Aufklärung umfassten; überdies wurden erste Sondierungen in der Sammlung Perthes unternommen.

2007/2008 begann die UE einen tiefgreifenden Prozess der forschungsbezogenen Neuprofilierung und Schwerpunktbildung mit dem Ziel, an der Universität neue Formen transdisziplinärer Zusammenarbeit zu etablieren. In diesem Zusammenhang sollte das FZG im alsbald bezogenen Pagenhaus von Schloss Friedenstein zu einem Forschungszentrum für die „Wissenskulturen der Neuzeit“ von überregionaler und internationaler Bedeutung ausgebaut werden. Um die neue strategische Ausrichtung zu untermauern, richtete die UE 2008 einen eigenen Lehrstuhl für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit ein, verbunden mit dem Direktorenposten des FZG. Beide Positionen bekleidet seit 2008 Martin Mulsow (Philosophiegeschichte). 2009 wurde zudem eine Juniorprofessur für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit am FZG geschaffen, die derzeit der Frühneuzeithistoriker Alexander Schunka innehat. In der Folge entwickelte sich das Zentrum rasch zu einer allgemein anerkannten Forschungs- und Begegnungsstätte für Frühneuzeitstudien von internationaler Ausstrahlungskraft.

Forschungszentrum Gotha, das Gebäude

2012/13 beschloss die UE, eine erneute inhaltliche Erweiterung des Forschungszentrums anzustreben und gleichzeitig seine Struktur nachhaltig zu stärken. Inhaltlich wurde der bisherige Schwerpunkt der Frühneuzeitlichen Wissenskulturen – nun explizit mit Blick auf künftige Forschungen zur Sammlung Perthes – um die Wissenskulturen des 19. und 20. Jahrhunderts erweitert. In enger Zusammenarbeit mit dem FZG richtete die Universität deshalb eine neue Professur für die Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts ein, die seit 2013 Iris Schröder innehat. Strukturell erfuhr das Zentrum eine Neukonstitution. Im März 2013 trat eine neue Satzung in Kraft, in deren Folge zwei ständige Abteilungen eingerichtet wurden, von denen sich die erste der Kultur- und Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit und die zweite der Kultur- und Wissensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts widmet. Die Leitung der ersten Abteilung wurde mit dem Direktorenposten, die der zweiten mit der neugeschaffenen Position eines/r stellvertretenden Direktors/in verknüpft. Letztere bekleidet derzeit Iris Schröder. Darüber hinaus erhielt das FZG die Stelle einer wissenschaftlichen Geschäftsführung (besetzt seit Mai 2017 von Markus Meumann). Außerdem wurden als weitere wesentliche Gremien ein Direktorium, ein internationaler wissenschaftlicher Beirat sowie die Gruppe der Mitglieder des FZG geschaffen. Mitglieder des Direktoriums sind neben Martin Mulsow und Iris Schröder Kathrin Paasch, Leiterin der FBG, sowie Olaf Simons als Mitarbeiter/innenvertreter. Die Direktoriumsmitglieder des FZG amtieren in der Regel für fünf Jahre; Wiederbestellungen sind möglich.

Das FZG hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auch in der Nachwuchsförderung und in der universitären Lehre engagiert. Bereits seit 2004 läuft das internationale Herzog-Ernst-Stipendienprogramm der Fritz Thyssen Stiftung (HES), mit dem jedes Jahr 25–30 Stipendiat/innen (Doktorand/innen und Postdoktorand/innen) für einen Forschungsaufenthalt von einem bis sechs (Postdocs) bzw. neun (Doktorand/innen) Monaten nach Gotha kommen. Bislang konnten mehr als 220 Nachwuchswissenschaftler/innen aus der ganzen Welt gefördert werden.

Treppe im Forschungszentrum Gotha
Balustrade im Vortragssaal
Besprechungsraum im Forschungszentrum Gotha

Im Wintersemester 2014/15 startete zudem am FZG das strukturierte Promotionsprogramm (EPPP) zur „Wissensgeschichte der Neuzeit“; darüber hinaus trägt das Zentrum – neben der ohnehin an der Universität regulär durchgeführten Lehre – mit einem breiten Angebot an Veranstaltungen zu dem Erfurter Masterstudiengang „Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte“ bei. Dieser Studiengang ist einzigartig in Deutschland. Er ermöglicht Studierenden das Lernen an Objekten bzw. Originalen am historischen Ort von Sammlungen, bereitet sie für sammlungsbezogene Forschungen vor und stattet sie zugleich mit Kompetenzen für das wissenschaftliche Arbeiten in Sammlungen wie Museen, Bibliotheken und Archiven aus. Angesiedelt am FZG, soll der Studiengang so insgesamt einen weiteren Beitrag zur institutionalisierten Vernetzung der Standorte Gotha und Erfurt leisten. Der Studiengang entspricht in seiner Besonderheit auf ideale Weise der besonderen Konstellation Universität – bedeutende Sammlungen – Forschungsinstitut. Masterstudiengang, HES und EPPP bilden zusammen die drei Säulen unserer auf Nachhaltigkeit angelegten Nachwuchsförderungsstrategie mit dem Schwerpunkt sammlungsbezogene Forschung.