University of Erfurt

Nicole Ambrozus, M.A.

Kurzbiographie

  • SS 2014: Ausarbeitung eines Alumni-Konzepts für das Historische Seminar
  • 2012-2015: Promotionsstipendiatin der Universität Erfurt
  • 2011-2012: Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit an der Universität Erfurt
  • 2009 bis 2011: Magister-Studium der Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt, M.A.-Abschluss
  • WS 2008/2009: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Lateinamerikanische und Südwesteuropäische Geschichte an der Universität Erfurt
  • 2006 bis 2009: Studium der Geschichtswissenschaft und Religionswissenschaft an der Universität Erfurt, B.A.-Abschluss
  • 1995 bis 2001: Mitarbeiterin in der Forschungswerkstatt Bereich Maschinenbau der TU Ilmenau
  • 1992 bis 1995: Ausbildung zur Industriemechanikerin an der TU Ilmenau

Forschungsinteressen

  • Protestantische Geschichtsschreibung in der Frühen Neuzeit
  • Räume und Räumlichkeiten in der Frühen Neuzeit
  • Lateinamerika im Kalten Krieg

Dissertationsprojekt

„Geschichtsschreibung ist der Teil einer Überlieferungs- und Erinnerungskultur, der eine historische Tradierung intendiert und das Denken und Handeln des Publikums beeinflussen will.“ (Harald Bollbuck)

 

Das Schulwesen stand seit der Reformation unter staatlicher und kirchlicher Beobachtung. Im frühen 18. Jahrhundert versuchten die kirchlichen und staatlichen Instanzen die Gesellschaft zu treuen Untertanen zu erziehen, wovon alle Ebenen des sozialen Lebens betroffen waren. Ein großes Interesse dieser Institutionen bestand darin, die Gesellschaft von Kindesalter an in diesem Sinne zu erziehen. Zur Realisierung wurden ein funktionierendes Schul- und Bildungswesen benötigt. Reformen in Bildung und Unterricht betrafen nicht nur den methodisch-didaktischen Bereich, sondern die Realisierung der Wissensvermittlung und deren Organisation. Veränderungen des Bildungswesens bedingten Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich. Die neuen Innovationen und Denkanstöße im Bildungsbereich wirkten sich auf den Prozess der Bildung aus. Durch die Einflüsse von Staat und Kirche entwickelte sich ein neues Schulwesen. Besonders im sich neu formierenden Protestantismus war die Vermittlung der Treue zur Konfession und zur Obrigkeit ein gewichtiges Leitmotiv in den Unterweisungen. Die protestantischen Schulvorschriften beschrieben erstmals selbstständige Lern- und Erziehungsziele, die Gottesfurcht, Bildungsvermittlung und äußerliche Zucht als zentralen Inhalt hatten. Diese neuen Erziehungs- und Bildungsmethoden sind in einem bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhang zu verstehen und lassen sich somit als Bildungskonstrukt verstehen.

 

Ziel dieser Studie ist die Untersuchung der Rolle, des Einsatzes sowie der nachhaltigen Wirkung von protestantischer Historiographie im frühen 18. Jahrhundert als Erziehungs- und Bildungsinstrument im Schulwesen, d.h. die Frage, wie von institutioneller Seite (stehend für Territorium als geographischer Raum sowie als Raum der Macht) das Bildungswesen (pädagogischer Raum) genutzt wurde, um konfessionelle Werte (kulturelles Gedächtnis) der Gesellschaft (Kulturraum/sozialer Raum), speziell am Beispiel von Kindern und Jugendlichen, prägend zu vermitteln.

 

Untersuchungsregionen sind die konfessionell unterschiedlich geprägten Städte Gotha (lutherische Orthodoxie) und Halle (Pietismus) sowie deren Einflussbereich, die als Einheit einen protestantischen Kulturraum darstellen. Im lutherisch-orthodoxen Kontext lag der Schwerpunkt auf der traditionellen Vermittlung des Wort Gottes, und im pietistisch geprägten Halle konzentrierte man sich auf die individuelle Handlung nach den Werten der Heiligen Schrift. In diesem Zusammenhang eröffnet sich die zentrale Frage nach der Art und Weise der im Bildungswesen eingesetzten konfessionellen Legitimations- und Überzeugungsstrategien. Wie wurden diese Konzeptionen der protestantischen Geschichtsschreibung am konkreten Beispiel des Schulwesens umgesetzt? Stellvertretend für die jeweiligen konfessionell unterschiedlichen Regionen stehen Ernst Salomon Cyprian (Gotha) und August Hermann Francke (Halle). Im kulturellen Gedächtnis des Protestantismus und in der aktuellen Forschung zur protestantischen Geschichtsschreibung im frühen 18. Jahrhundert nimmt E.S. Cyprian eine relativ unbedeutende Dimension ein. Dagegen wird A.H. Francke, im Bezug auf die Franckeschen Stiftungen und in der aktuellen Pietismusforschung eine große Bedeutung beigemessen. Jedoch gibt es keine tiefgründigen Forschungen zum Einfluss der protestantischen Geschichtsschreibung als Erziehungs- und Bildungskonzept im protestantischen Bildungswesen. Ein weiteres Forschungsdefizit stellt die unterste Ebene des protestantischen Bildungswesens, das niedere Schulsystem dar. Ein ebenfalls vernachlässigter Bereich der Religionspädagogik stellen Kinderbibeln dar, die zahlreich als visuell vermittelndes Medium eingesetzt wurden. So ergibt sich aus der aktuellen Forschungslage ein lückenhaft zusammengefügtes Bild des frühneuzeitlichen Bildungswesens und der Historiographie. Diese Zwischenräume sollen mit dieser Studie, im Bereich der protestantischen Geschichtsschreibung im frühen 18. Jahrhundert geschlossen werden.

Publikationen

·  Tagungsbericht 'Religion' im historischen Diskurs der Frühen Neuzeit = Geschichte - Macht - Religion (III) (2012), mit Sebastian Zylinski, in: AHF Muenchen, Tagungsbericht 72 (2012), derzeit nicht zugänglich

·   Magisterarbeit Protestantische Geschichtsschreibung im frühen 18. Jahrhundert: Ernst Salomon Cyprian (2011) (unpubliziert)

·   Bericht zum Vortrag von Jean-Marc Besse: The space of the atlas: graphic forms and cognitive practices (2011), PDF-Datei

·   Bericht vom Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte (2010) PDF-Datei

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