University of Erfurt

Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte

Geschichten

Der Maler und Zeichenmeister Nikolaus Christian Heinrich Dornheim – Ein Forschungsprojekt des Angermuseums und der Universität Erfurt

Im Wintersemester 2016/17 startete mit sieben Studierenden der Universität Erfurt das Erschließungs- und Publikationsprojekt „Vom Bilderbestand zum Buch. Das zeichnerische Werk von Nikolaus Christian Heinrich Dornheim (1772-1830) im Angermuseum Erfurt“.

Zum Team gehören Cornelia Nowak als Sammlungsbetreuerin, die im Angermuseum seit Jahren ehrenamtlich tätige Kunsthistorikerin Dr. Carla Fandrey, die sich umfassend in den Bestand Dornheim eingearbeitet hat und das Projekt federführend betreut, Susanne Kirchner, Fachrestauratorin für Papier bei den Zentralen Restaurierungswerkstätten der Museen der Stadt Erfurt, sowie Saskia Knyrim, Studierende der Museologie an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig).

Die wöchentliche intensive Beschäftigung mit dem Dornheim-Konvolut ermöglichte den SWK-Studierenden Viola Baser, Daniel Baumbach, Sarah Kühnel, Mandy Nette, Judith Thomann, Johanna Weißler und Alina Zeller Erfahrungen beim praktischen und theoretischen Umgang mit dem Werkbestand. Neben dem konservatorisch sachgerechten Umgang mit den Bleistift-, Feder- und Pinselzeichnungen thematisierte das Seminar vor allem Zuschreibungsfragen. Daher bildete das vergleichende, kritische Sehen den gewichtigen Schwerpunkt der Zusammenkünfte, flankiert von Fragen zur Provenienz, zur Bildanalyse und Motivkunde, die intensiv diskutiert wurden. Zeichentechnologie und Materialbeschaffenheit standen ebenso im Focus wie Biografie und Zeitkontext ...mehr lesen.

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Photoshop-Seminar der SWK-Studierenden

Als besonderes Highlight des Seminars "Digitale Technologien" konnten die Studierenden der SWK an einem Photoshop-Seminar teilnehmen. Neben dem wissenschaftlichen Arbeiten mit historischem Quellenmaterial und Objekten kommt im digitalen Zeitalter auch der Präsentation, Aufarbeitung und bewussten Veröffentlichung der Objekte ein wichtiger Stellenwert zu. Gerade auch im Kontext des Verfalls von historischen Materialen ist es essentiell die Werke digital aufzubewahren, um so längerfristig auf sie zurückgreifen zu können. Aber auch in Hinblick auf Marketing und Speicherung der Objekte in diversen Datenbanken von Sammlungswissenschaftlern/innen nimmt die digitale Bearbeitung der Objekte eine besondere Rolle ein. Die diversen Gründe warum eine Digitalisierung von Nöten ist, wurden im Seminar ausführlich diskutiert. Im Anschluss daran konnten die Studierenden die Bilder, die im vorangegangen Workshop zur Fotografie der Objekte an der Fh Architektur entstanden sind, weiter bearbeiten. In einem sechsstündigen Kurs wurden erste Arbeitsschritte mit dem Programm Adobe Photoshop gesammelt. Vor allem Anpassungen in Belichtungsänderungen, Farbskalen und das Zuschneiden der Fotografien standen im Mittelpunkt des Kurses. Einige Ergebnisse der Studierenden des Masters Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte, die anonym bleiben wollen, sind hier zu sehen.

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Master-Info-Tag 2016

Am Samstag, den 16.01., konnten wir viele Studieninteressierte bei der Vorstellung des SWK-Programms beim Masterinfotag begrüßen.

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Fotografie-Workshop der SWK-Studenten an der FH Architektur

Im Zuge des Seminars "Digitale Technologien" begaben sich die Studenten der SWK an die FH Architektur und konnten dort an einem spannenden Workshop zur Fotografie teilnehmen. Unter der Leitung von Dipl.-Des. Jörg Behrens erfuhren die SWKler alles zur digitalen Fotografie: zu Farbwertskalen, Blendeneinstellungen und passenden Hintergründen für die Sammlungsobjekte. In den nächsten Wochen werden die Studenten die Aufnahmen in einem weiteren Kurs mit Photoshop bearbeiten.

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Die ersten Wochen - ein Resumee

Gleich in der ersten Woche führten uns die Studieneinführungstage zu den ganz besonderen Orten unseres neuen Studiums. Darunter die Bibliotheca Amploniana, die mitten in der Universitätsbibliothek Erfurt beheimatet ist und die weltgrößte Büchersammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten darstellt, die bis heute in ihrem Kernbestand erhalten geblieben ist.

Die wertvollen mittelalterlichen Handschriften wurden vor uns auf schwarzen Schaumstoff ausgebreitet und mit weißen Stoffhandschuhen umgeblättert, so dass uns keine Einzelheit und Eigenheit entging – ob kleine Löcher im Pergament, denen die Schreiber damals durch Umschreiben elegant ausgewichen sind, kunstvoll verzierte Buchstaben oder der vorgezeichnete Satzspiegel.

Weitere historische Kostbarkeiten erwarteten uns in den nächsten Tagen in Gotha. Neben Überwachungsvideos einer thüringischen Landstraße aus den 1990ern erwarteten uns im Thüringischen Staatsarchiv kuriose Archivalien wie ein blutiges Messer, das als Indiz in einem Hexenprozess aufgehoben und in einer Prozessakte hinterlegt wurde. Von den Behördensammlungen des Staatsarchivs kamen wir anschließend in die privaten Gemächer der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg auf Schloss Friedensstein. Von den Sammlungen dieser Dynastie, aber auch von denen anderer europäischer Herrscherhäuser sollten wir uns im Verlauf unseres Studiums noch viel hören.

Zurück in Erfurt lernten wir die Fachhochschule kennen und besonders die vielfältigen Werkstätten der Restaurierung. Ob Stein, Glas, Gemälde oder Papier – jedes Objekt hat seine eigene Geschichte. Jede einzelne Begebenheit hat ihre Spuren hinterlassen, manchmal fast bis zur vollständigen Zerstörung des Gegenstandes. Gebannt lauschten wir der Diskussion um die Frage, welchen historischen Zustand des Objektes der Restaurator oder die Restauratorin im Idealfall wiederherstellen soll.

In den ersten Studienwochen haben wir noch das Museum für Thüringische Volkskunde, das Angermuseum und dessen Klimaanlage (die als Haus im Haus gelten kann), das Schaudepot im Benary-Speicher und diverse Kneipen Erfurts kennengelernt.

Mit dem Wissen und den Erfahrungen, die wir bis jetzt sammeln konnten, sind wir für das geschichtswissenschaftliche Studium von Sammlungen bestens gerüstet und wo wir den Kopf wieder freibekommen für kluge, sammlungsbezogene Gedanken wissen wir auch schon...

 

Helene Jung und Andrea Kaufmann (Studentinnen der SWK)

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Über Liebe, Museumsalltag und Ikonographie – Einblicke in ein Seminar der SWK

Mensch, Löwe, Stier und Adler – Bildelemente, die ungeübte Betrachtende zu keiner weiteren Erkenntnis leiten. Das geschulte Auge erkennt darin jedoch die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lucas und Johannes, die durch ihre bildlichen Symbole die Menschwerdung und die Machttaten Christi sowie sein Opfer und die Nähe zu Gott versinnbildlichen.

Im Zuge der Vertiefung des Moduls „Kunstgeschichte und –theorie“ konnten wir, die Studierenden des Master Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte, ihre Fähigkeiten im Betrachten und dem Auflösen von ikonographischen Bildelementen schulen. Unter Leitung von Frau Dr. Jutta Reinisch begaben sich drei Studentinnen und ein Student der SWK an zwei Wochenenden in die Sammlungen der Gothaer Museen.

Die Attribute der Götter und die damit verbundenen mythologischen Geschichten wiederholten wir an praktischen Beispielen der Gemäldesammlung und der Skulpturen im herzoglichen Museum. So fand auch der Farnesische Stier von Adrian de Vries – eine Bronze von 1615 – seine Beachtung und ausführliche Interpretation, welche dem aufmerksamen Leser an dieser Stelle nicht vorenthalten werden soll.

In der mythologischen Geschichte wird Antiope, die reizende Tochter des Königs Nykteus von Theben in eine verzwickte Lage gebracht. Nach einer Liaison mit dem Göttervater Zeus wird sie aufgrund ihrer Schönheit auch für Epopeus, den König von Sikyon, interessant. Dieser entführte, schändete und sperrte die junge Frau ein. Nach dem Tod Epopeus brachte die attraktive Antiope die Zwillinge Zethos und Amphion zur Welt. Auf der Suche nach einer neuen Unterbringung der entehrten Antiope fiel die Wahl auf das Haus des Onkels, dem neuen König von Theben. Dirke, die Frau des Königs Lykos sperrte ihre Nichte Antiope aus Eifersucht auf ihre Schönheit erneut ein und quälte diese auf grausamste Art. Als Zeus davon erfuhr, befreite er seine Geliebte und verhalf ihr zur Flucht. Auf dem Weg in die Freiheit durchquerte Antiope ein Gebirge, in dem ihre Söhne die nicht wie angenommen dem Entführer Epopeus zuzuordnen waren, sondern sich – oh Wunder – als Söhne des Zeus entpuppten, lebten.  Antiope und ihre Kinder erkannten sich jedoch nicht und es kam zum von Frau Dr. Reinisch angekündigten „Showdown im Gebirge“, bei dem Dirke veranlasste, dass Antiope, die Ausreißerin, an jenen Stier gebunden zu Tode geschleift wird. Nur durch das Einschreiten eines Hirten konnte die verwandtschaftliche Beziehung von Mutter und Kindern gelöst werden und daraufhin die „böse Tante“ an den Farnesischen Stier gebunden werden.

Neben den zahlreichen ikonographischen Übungen an der Jean-Antoine Houdon-Sammlung bekamen wir auch einen exklusiven Einblick in die Verkaufsschlager des Kunstmarktes und die Tücken der Museumsarbeit:

Die Fröstelnde – als Allegorie des Winters – verkauft sich selbstverständlich besser als die Winterallegorie eines alten Mannes. Dem konnte auch die Seniorenstudentin des Erfurter Kollegs, die am zweiten Wochenende des Seminars teilnahm, nur zustimmen, handelt es sich doch um eine sehr freizügige und attraktive Skulptur Houdons.

Darüber hinaus ist es manchmal aus konservatorischer Sicht erforderlich Venus-Darstellungen in Glasvitrinen aufzubewahren, um ihre wundervollen Körper vor den frechen Händen der Museumsbesucher zu schützen.

Nach diesen Erkenntnissen erschien das Fruchtbarkeitsritual der Skulptur des Lupercalienpriesters von Houdon, bei dem sich verheiratete Frauen von einem Priester mit Riemen schlagen ließen – um Ehesegen zu erbeten – schlüssig und entlockte nur einem Studenten die Assoziation an „Fifty shades of Lupercalien“.

In einem letzten Teil widmeten wir uns den zahlreichen Porträts. Beispielhaft arbeiteten wir uns von den Anfängen in ägyptischen und römischen Darstellungen über Porträtskulpturen von Diderot, Voltaire, Gluck und Moliére bis hin zu den zahlreichen Herrscherporträts der Sammlung vor. Bei einem Besuch in Gotha sollte man als SWKler auf keinen Fall die Darstellung des Morpheus – der sich durch seinen netten Flaum als echter Dandy zu erkennen gibt – verpassen!


Eine Studentin der SWK

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Über die Absperrung zu den Raritäten

Spiele, mit denen nie jemand spielte, Teller, von denen keiner je aß, Briefbeschwerer, die nie einem Brief begegnen werden und Möbel, Möbel, Möbel....

Was können Studierende von diesen Objekten lernen? Eine Menge über das Kunsthandwerk, über Werkstoffe und Materialien, Handwerkstechniken, Funktionalität und Repräsentation, Epochen und Stile.

Wir befinden uns im Seminar „Einführung in das Sammeln von Kunsthandwerk I“ von Herrn Professor Martin Eberle – seines Zeichens Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und Honorarprofessor der Universitäten Erfurt und Leipzig. Wir – das ist der Studiengang Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte (SWK), den es nun seit fast einem Jahr gibt. Wir sind ein übersichtlicher Jahrgang. Unsere Vorkenntnisse sind sehr heterogen, was bei einer Mischung aus Historiker_innen und Kunthistoriker_innen sowie einer Restauratorin und einem Juristen nicht überrascht.

Es ist Freitag 10:00 Uhr. Zu siebt betreten wir ein Depot voller historischer Möbel, uns voran Professor Eberle. Fünf Minuten Zeit, jeder soll sich ein Möbelstück wählen, es kurz beschreiben und zeitlich einordnen. Nicht, dass wir das einfach so könnten. Oft befinden wir uns irgendwo zwischen einem vagen Schimmer und dem Gefühl von Ahnungslosigkeit. Aber wir werden besser. Learning by doing - am Objekt! In der zweiten Woche des Möbelkurses sind unsere Datierungen deutlich besser und wir kommen auch auf Materialien wie Schildpatt, Ebenholz und Elfenbein.

Eine weitere Woche später, selbes Museum, andere Etage - nach einer knapp gehaltenen Wiederholung zu den Kunstkammern - wir hatten dies ausführlich im vergangenen Semester von Professor Eberle gehört - geht es zu den Kunstkammerobjekten, die in Vitrinen auf uns warten. Wir erblicken und beschreiben Nautiluspokale, Elfenbeinschnitzereien, mit Türkisen besetzte Sporen, eine Vogelkopfmaske von ungewöhnlichem, vielleicht sogar gewöhnungsbedürftigem Erscheinungsbild. Letztere entpuppt sich als wahre Rarität. Sie stammt vermutlich aus Mittelamerika, wird den Olmeken zugeordnet und ist ein „extrem seltenes völkerkundliches Objekt, zu dem nur ein Gegenstück weltweit existiert.“ Lediglich unsere Frage, ob und wie man sie wohl trug, bleibt offen. „Ich weiß es leider nicht, ich bin ja kein Olmeke“ ist der Kommentar von Professor Eberle.

Auch die Biologie kommt nicht zu kurz: Was ist denn ein Nautilus? Ähm...ein Kalkgehäuse!? Welches Tier lebt darin? Tintenfisch...Kopffüßer. In welchem Meer findet man das? Indischer Ozean. Wie kommt man an die Dinger ran? Gute Frage... Kann man danach tauchen? Schweigen... Nein, sie werden angespült... Was glaubte man früher, über den Nautilus? Dass er auf den Wellen dahinglitt, über die Weiten des Meeres. Er vereint in sich die gegensätzlichen Elemente der exotischen Naturgestalt (Naturalia) mit jenen der künstlerischen Gestalt (Artificialia, Artefacta) und ist ein lebendes Fossil (die ersten Arten vor 500 Mio. Jahren)von hoher Symbolkraft.

Wie ist der bearbeitet? Geätzt? Graviert? Wie viele Exemplare gehen ihnen dabei wohl kaputt? Wahrscheinlich viele oder eher sehr viele...

Wir halten fest: Unsere Kenntnisse haben sich maßgeblich erweitert: Wir wissen: die Ägypter kannten bereits alle wichtigen Techniken der Möbelkunst. Wir wissen, was in ein typisches Biedermeier-Wohnzimmer gehört und wie man Möbel datiert. Außerdem fällt uns auf, wie schnell man zum Beispiel bei nachträglichen Ergänzungen oder Umarbeitungen daneben liegen kann, dass der Name Röntgen nicht nur in der Medizin, sondern auch im Kunsthandwerk bedeutend ist, dass die deutschen Möbel schon in der Barockzeit durch den Kontrast von relativ schlichtem Äußeren und technisch sehr aufwendigem Innenleben bestechen und dass manche Strategiespiele nur der Repräsentation dienten: Man symbolisierte die Beherrschung der Weltpolitik!

Im Gespräch kommen wir von Kanneluren über Cannelloni zu Cannoli und merken dann doch, dass wir schon seit längerem Hunger haben.

Jenny Brys
(Studentin im Masterprogramm SWK, 2. Fachsemester)


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