University of Erfurt

Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik

Karen Bähr, M.A.: wissenschaftliche Mitarbeiterin

Forschungsschwerpunkte

  • Europäische Geschichte
  • Public History
  • Militär-, Kultur- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit
  • Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust

Aktuelles Forschungsprojekt

"Zusammenbruch und Neuanfang - Heimkehr in Deutschland und Österreich 1918-1938"

"To return or to come home? World War I veterans and their way back, Germany and Austria 1918-1938"

Betreuerin: Prof. Dr. Christiane Kuller

Projektskizze

Gegenstand dieses Projektes ist die Rückkehr von Soldaten und anderen Kriegsbeteiligten nach Deutschland und Österreich am Ende des Ersten Weltkriegs und der Prozess der Wiederaufnahme eines zivilen Lebens. Die Heimkehr erstreckte sich von der Kriegszeit bis zum Anfang der 1920er Jahre. Noch vor Ende des Krieges kehrten Verwundete, für die Wirtschaft Freigestellte und Deserteure in die Heimatgesellschaften zurück, während die letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion in Deutschland und Österreich erst 1922 eintrafen. Die Heimkehr der Soldaten, Krankenschwestern und Etappenhelferinnen betraf alle gesellschaftlichen Gruppen und Lebensbereiche: Zwischen 6 und 8 Millionen Soldaten kehrten von ihren Einsatzorten in- und außerhalb der deutschen Grenzen zurück. Dazu kamen die 25 000 Krankenschwestern und 20 000 Etappenhelferinnen, die bis zum Herbst 1918 im Einsatz waren. Österreich-Ungarn betreffend sind die Zahlen weit weniger verlässlich und liegen bei um die 2 Millionen Heimkehrer. Diese Arbeit beschäftigt sich vorrangig mit zwei Themen: Erstens mit den Erfahrungen, die Heimkehrer und Aufnahmegesellschaft bei der Rückkehr machten und zweitens mit den gesellschaftlichen Narrativen und Darstellungen von Heimkehrern. Diese Vorstellungen prägen bis heute unser Verständnis von der Heimkehr nach dem Ersten Weltkrieg und wirken sich auch auf die Wahrnehmung und Darstellung späterer Heimkehrprozesse wie den nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Diese Arbeit betont die Erfahrungsperspektive der historischen Subjekte, welche weit mehr waren als Objekte eines historischen Umbruches und staatlicher Planungen. In einer Arbeit an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Kulturgeschichte sollen einerseits die Erfahrungen, die Soldaten, Krankenschwestern und Etappenhelferinnen bei der Heimkehr machen und andererseits die der aufnehmenden Heimatgesellschaft anhand der Lebensbereiche Familie und Arbeit untersucht werden. Mit dem Blick auf die heimkehrenden weiblichen Kriegsteilnehmerinnen und wie Krankenschwestern und Etappenhelferinnen, Konzepten von Männlichkeit bei der Heimkehr der Truppen und der Rolle von Familie, Heirat und Scheidung bei der Wiedereingliederung  soll diese Arbeit auch eine geschlechtergeschichtliche Perspektiven entwickeln. Die Gemeinsamkeit der Ereignisstruktur von Kriegsende, Heimkehr und Revolution in Deutschland und Österreich führte dazu, dass beide Nationen eine Erzählgemeinschaft zur Erfahrung von Heimkehr und Neuordnung bilden konnten, weswegen ich sie in dieser Arbeit gemeinsam betrachten will. Ein Beispiel dafür sind die Romane, die österreichische Autoren wie Leo Perutz oder Joseph Roth über Heimkehr der Soldaten in Deutschland publizierten. Sie wurden zu Bestsellern.

Navigation

Toolbox

User menu and language choice