University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Angelika Kemper

Wissenschaft und Tugendlehre. Konzepte des Wissens und ihre Vermittlung im Kontext der Laienbildung und Elitebildung im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Erfurt

Das Projekt befasst sich mit Wissen und seiner Dynamik im Kontext spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Laien- und Elitenbildung. Im Fokus stehen speziell die Kontakte, das Verhältnis und die Vermittlung zwischen laikalen und gelehrten Bildungsräumen in der Stadt Erfurt um 1500. Die bislang wenig beleuchteten Übergänge zwischen den laikalen und elitären Wissenskulturen, den beteiligten Personenkreisen und ihrem Erwerb von Wissen, Werten und sozialer Handlungskompetenz sollen so prägnanter hervortreten.

Die Studie beschäftigt sich daher nicht nur mit der Generierung und Vernetzung von Wissensbeständen, sondern auch mit den jeweils damit verbundenen Kontexten sowie der Rolle der Institutionen, welche als Vermittlerinstanz zugleich wichtige Impulse für kollektive Wertediskurse geben können. De facto bleibt die Laienwelt für die intellektualistische Wissensbestimmung, wie sie hinter der professionell organisierten Wissensweitergabe steht, auch im Spiegel der Überlieferung randständig. Die Laienbildung wird daher im Rahmen des Projekts stärker in den Mittelpunkt gerückt, zumal in Erfurt eine offenbar lebhafte städtische Kultur existierte – man denke an das Prozessionswesen und die evtl. der Stadt zugehörende ‚Erfurter Moralität‘ – und etliche Offizinen als Vermittler zwischen der universitären und der laikalen Kultur fungieren konnten, indem sie Universitätsschriften, Gebrauchs-/Wissens- und Unterhaltungsliteratur produzierten. Demgemäß werden gerade die den laikalen Erfahrungsraum berührenden Medien (Erzähltexte, didaktische Schriften, Erbauungsliteratur, Predigten etc.) erfasst. Aufschlussreich sind so neben einer Vielzahl von Erzähltexten (‚VOn dem Künig zu dem pat‘, Erfurt: Sporer 1497; ‚DJe Künigin von Franckreich‘, Erfurt: Sporer 1498 etc.) auch didaktische Texte  (‚Consilium patris ad iuvenes‘, Erfurt: Ayrer um 1498), aber ebenso Universitätsschriften, die gelehrte Aktivitäten spiegeln (Johannes von Paltz: ‚Sermo in principio novi studii‘, Erfurt 1482) oder die Dokumente der humanistischen Unterrichtspraxis bzw. artistischer Lehre darstellen (UB Erfurt, CA 4° 12; BL London, Add MS 30935; HAB Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 37.34 Aug. 2°).

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