University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Fabian Fechner

Prozesse des Vergessens und negative Memoria – ein internationaler Vergleich für die Frühe Neuzeit. Erinnerungskultur, Devianz, Kulturvergleich

Ziel des Forschungsprojekts ist das Verständnis frühneuzeitlicher Erinnerungsprozesse als „contested past“. Dazu soll die vornehmlich von obrigkeitlicher Seite versuchte Etablierung negativer Erinnerungsfolien untersucht werden: Zum einen die Ketzermemoria als Negativfolie religiöser Auserwähltheit, zum anderen Schanddenkmäler als Repräsentanten öffentlich zelebrierten Ehrverlusts. Beide Bereiche erinnern öffentlich an historische Beispiele für Gegenbilder sozialer Ideale. Der erste Befund ist paradox. Auf eine repressiv durchgeführte damnatio memoriae folgt die Perpetuierung eines „öffentlichen Umgangs mit schlimmer Vergangenheit“ (Christian Meier). Zunächst wurden die Häuser von „Ketzern“ und Aufständischen zerstört, dann aber eine negative Memoria durch Exempla in Textform oder Schanddenkmäler installiert. Die Auswertung vor allem von Ketzerhistorien, erinnerungspolitischen Vorgaben im Strafrecht und Fällen von „Empörung“ in weltlichen Chroniken soll mit der Analyse divergierender Erinnerungskulturen, vor allem zwischen obrigkeitlich vorgesehener negativer Memoria und einem lokalen Gedächtnis, die Spezifika frühneuzeitlicher Erinnerungspraktiken herausarbeiten.

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