University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Sebastian Dorsch

Wissen – (Um-)Welt – Aktanten. Translokale Perspektiven auf raum-zeitliches Welt-Ordnen in Brasilien: São Paulo, Belém und Xingú-Region (1870-1930)

Das Projekt untersucht in der Sammlung Perthes liegende Materialien zu São Paulo, Belém und zur Xingú-Expedition bezüglich des „modernen“ Welt-Ordnens ausge­suchter Wissensakteure. Über die Begriffe Wissen, (Um-)Welt und Aktanten – so die These – lassen sich aus konkret-räumlichen, machtsensiblen und praxeo­logisch-all­täglichen Perspektiven einschlägige historische Konstellationen um 1900 analysieren. Die geo- und karto­graphische Wissensproduktion stehen im in Gotha zu bearbeitenden Teil-Projekt im Mittelpunkt. Brasiliens Norden im Amazonas-Umfeld und insbesondere Belém und die Xingú-Region bieten sich als Inbegriff der für die Europäer „Neuen Welt“ im Besonderen für solche Fragestellungen an, im 19. Jahrhundert stellte v.a. das gen amerikanischem Hinterland orientierte São Paulo die an der Küste präsente europäische Ordnung in Frage. Die Untersuchung der Pro­duktion und Nutzung von Karten(wissen) als Welt-Bilder ermöglicht einen besonders komplexen Blick auf die Mensch-(Um-)Welt-Verhältnisse des 19. Jahrhunderts. In welches Ver­hältnis stellten Wissensakteure ihr epistemisches Welt-Ordnen zu ihren lokalen Um-Welten und zur vermehrt als „global“ und ungeordnet erlebten Welt? In welche Bezie­hungen setzten sie die Produktion von Wissen über die lokalen Um-Welten zur Pro­duktion von Wissen über diese Welt? Wie verarbeiteten und (re‑)produzierten sie diese Verhältnisse in An­notationen, Ta­gebüchern, Briefen, aber auch in wissenschaftlichen Publikationen und Karten? Im Kontext einer oftmals für die Moderne pos­tulierten Ob­jektivierung des zu Unter­suchen­den ist andererseits zu fragen, welche Wirkkräfte sich für diese (Um-)Welten bzw. ihre Verarbeitungen erkennen lassen. Auf welche Weise wirkten also ne­ben menschlichen auch nicht-menschliche „Aktan­ten“ wie die genannten schriftlichen Produkte, Messinstrumente oder die Umwelten selbst beim Aufbau der „modernen“, globalen Weltordnung des 19. Jahr­hunderts?

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