University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Evelyn Dueck

Unschärfen. Visuelle Wahrnehmung in Literatur, Optik und Epistemologie des 17. und 18. Jahrhunderts.

Kaum ein anderer physischer Vorgang wird im 17. und 18. Jahrhundert europaweit so intensiv diskutiert wie das Sehen. Naturforscher, Philosophen und Optiker stellen sich dabei immer wieder die Frage, wie genau das Sehen hinter dem sich auf der Retina abzeichnenden, umgekehrten Bild vor sich geht und ob der menschliche Geist tatsächlich nur diesen indirekten, fehleranfälligen Zugang zur äußeren Welt hat. Zwar hatte Johannes Kepler 1604 den korrekten Weg der Lichtstrahlen durch das menschliche Auge beschrieben, die Frage jedoch, was auf und hinter der Retina passiert, zum ersten Mal bewusst offen gelassen. Zusammen mit den Überlegungen zum commercium mentis et corporis wird diese Frage zum Ausgangspunkt der wichtigsten erkenntnistheoretischen Diskurse des 17. und 18. Jahrhunderts. Zwar stammen die einflussreichsten Schriften hierzu aus dem französisch- und englischsprachigen Raum. Sie werden jedoch – wo nicht auf Latein – früh auch ins Deutsche übersetzt. Zudem finden sich – neben auch europaweit rezipierten Werken, wie die von Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff oder Abraham Gotthelf Kästner – auch eine ganze Reihe weniger bekannter Naturforscher, Theologen und Philosophen, die in dieser Zeit zur Frage der optischen Wahrnehmung publizieren. Hierzu gehören, unter anderem, Clemens Timpler (1563-1624), Vospiscus Fortunatus Plemp (1601-1671), Johann Christoph Kohlhans (1604-1677), Zacharias Traber (1611-1678), Johann Christoph Sturm (1635-1703), Johann Michael Conradi (1676-1751) und Augustin Friedrich Walther (1688-1746). Der Aufenthalt am Forschungszentrum Gotha soll mit Fokus auf die Beschreibung des Sehvorgangs klären, wie diese Autoren die europäische Wahrnehmungsforschung rezipieren und ob sich Aspekte eines dem deutschen Sprachraum oder regionalen Zentren eigenen Diskurses ausmachen lassen.

Kurzbiographie

Dr. Evelyn Dueck hat in Erfurt, Montpellier und Aix-en-Provence allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft studiert und ist 2010 an der Universität Zürich promoviert worden. Seither arbeitet sie an einem Habilitationsprojekt unter dem Titel „Unschärfen. Visuelle Wahrnehmung in Literatur, Optik und Epistemologie des 17. und 18. Jahrhunderts.“ In diesem Rahmen führten sie Forschungsaufenthalte in die Schweiz (Neuchâtel), nach Deutschland (Halle/Salle) und in die USA (Philadelphia). Seit September 2017 arbeitet sie am Deutschen Seminar der Universität Zürich.

Ihren vollständigen Lebenslauf und ihre Publikationen finden Sie unter diesem Link.

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