University of Erfurt

Projekt von Uwe M. Korn M.A.

Die frühe Kritik an den Rosenkreuzern und ihre Bedeutung für Johann Valentin Andreaes Texte ab 1618

Vor vierhundert Jahren entwarf eine Gruppe Tübinger Universitätsangehöriger um den jungen Johann Valentin Andreae in unterschiedlichen Textsorten die Geschichte einer fiktiven christlichen Bruderschaft und ihres Gründers Christian Rosenkreuz. In diesen sogenannten ‚Rosenkreuzer‘-Texten werden die Probleme der protestantischen Gesellschaft einhundert Jahre nach der Reformation behandelt: der Erfolg der empirischen Wissenschaften, der Streit der unterschiedlichen protestantischen Konfessionen sowie die drohende Gegenreformation.

Diese literarische Verarbeitung der spezifischen Problemkonstellation in Tübingen um 1610 hatte eine bahnbrechende Wirkung. In über 400 Schriften besprach die gelehrte Welt die neue Geheimgesellschaft kontrovers. Einer der eifrigsten Debattenteilnehmer war Friedrich Grick. In mehreren Pamphleten griff er die Bruderschaft an und erkannte, dass ihr Ursprung in Tübingen liegen musste (Frater Non Frater, 1617; Thesaurus Fidei, 1619; Regula Vitae, 1619). Grick stand dabei Andreaes eigener Rosenkreuzer-Polemik der Jahre nach 1618 sehr nah. Wie er verwendete er unterschiedliche Pseudonyme, einen vorgeschobenen Druckort (die ‚Parnassischen Druckerei‘) und vor allem changiert seine Kritik, vornehmlich der Rosenkreuzer, eigentlich der verschiedenen zeitgenössischen religiösen Reformbewegungen, stark. Zuweilen wurden in der Forschungsgeschichte sogar ihre Texte wechselseitig fälschlich zugeordnet.

Ich werde die Argumentation und literarische Faktur der Rosenkreuzer-Polemiken Gricks untersuchen, verbunden mit der Frage nach ihren Distributionswegen, Gricks Äußerungen in Briefwechseln und seinem Bildungsweg. Da Andreae nach 1618 selbst in unterschiedlichen Texten Distanz zu den Rosenkreuzern einnimmt, werde ich im Anschluss die Wirkung der nun genauer bestimmten Kritik Gricks auf Andreaes spätere Texte beschreiben und sie in den Kontext seiner Werke einordnen.

Kurzbiographie

Ich habe in Leipzig und Aarhus Germanistik und Mathematik studiert und war an unterschiedlichen Editionsprojekten (Briefedition Felix Mendelssohn Bartholdys, Edition der Tagebücher Friedrich Hebbels) beteiligt. In Heidelberg habe ich im Herbst 2017 meine Promotion zur Wissenschaftsgeschichte der Editionsphilologie abgeschlossen. Im Moment arbeite ich dort an einem Projekt zur Erforschung der epischen Versdichtung im langen 17. Jahrhundert. Zu meinem Forschungsthema in Gotha habe ich bereits zwei Aufsätze veröffentlicht: „Ein schön geistlich Gedicht“. Zu Johann Valentin Andreaes Christenburg (um 1620) im Kontext der Gattungsdiskussion, in: Zeitschrift für Germanistik NF XXVIII (2018), H. 1, sowie: Zwischen »Philologischer Verzögerung« und »Turbo«. Johann Valentin Andreae bewertet das gelehrte Wissen, in: Mathias Herweg, Johannes Klaus Kipf und Dirk Werle (Hrsg.): Enzyklopädisches Erzählen und vormoderne Romanpoetik (1400–1700) (erscheint 2018).

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