University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Bastien Rissoan M.A.

Nachahmung der vergilianischen Pastoraldichtung und poetischer Wetteifer im Heiligen Römischen Reich im XVI. Jahrhundert, mit berücktsichtigung auf die Buch- und Lesekultur.

Mein Dissertationsprojekt widmet sich der neulateinischen Pastoraldichtung im deutschem bzw. protestantischem Raum in XVI. Jahrhundert (ca. 1500 – ca. 1570, vor dem sogenannten Zeitalter der Konfessionalisierung). Trotz der Fruchtbarkeit der Gattung im Rahmen des deutschen Humanismus, wurde sie bisher nie Gegenstand einer systematischen Darstellung.
Die Forschungsfrage lässt sich kurz formulieren: was war überhaupt Pastoraldichtung im XVI. Jahrhundert, und warum haben sie diese Gattung allem Anschein nach so gepriesen?
Methodisch betrachtet möchte ich mich von jenem thematischen Ansatz distanzieren, der anachronistisch ein idyllisches oder arkadisches Motiv im Vordergrund stellt. Mein Ausgangspunkt ist im Gegenteil die praktische Rezeption von dem vergilianischen Muster. Vergil war eine Schullektüre, durch welche die Humanisten den lateinischen Wortschatz und die klassische Phraseologie erwarben, und die ein ästhetisches Ideal verkörperte. Die Rezeption vom italienischen Humanismus, von antiken Theorien der Dichtkunst, die eigene Kommentarkultur und die einflussreiche rhetorische Theorie Melanchthons sind wichtige konkrete Aspekte dieser Rezeption.
Die Eklogendichtung selbst zeichnet sich im XVI. Jahrhundert durch seine Funktionalisierung aus: die weitgehend allegorische Gattung unterteilt sich in Lob-, Trauer-, Hochzeit-, Geburtsgedichten, aber auch in polemischen Gedichten, Parodien, usw. Der jeweilige Kontext, im Sinne von Netzwerken, Kulturzentren, Spannungen und Konflikten, und im allgemeineren Sinne von Gelehrtenkultur, Hofkultur, und religiösem Hintergrund, muss unbedingt beachtet werden.    
Die zahlreichen Gedichte, die mein Korpus bilden, möchte ich folgenderweise dreifach darstellen: sie müssen geschichtlich-chronologisch, kontextgemäß erschlossen und zugeordnet werden. Die Funktionalisierung ermöglicht dann eine Typologie. Schließlich, welche mikro- und makrotextuelle Merkmale und Stilmitteln konstituieren den Humanisten zufolge die Gattung, und wie werden sie im jeweiligen Kontext angewendet?

Kurziographie

Nach drei Jahren Classes préparatoires littéraires in Paris (Lycée Henri IV) und ein Bachelor-Äquivalenz in Philosophie (2012) habe ich einen Praxis-orientierten Master als Bibliothekar mit dem Schwerpunkt Historischen Beständen abgeschlossen (enssib, Lyon, 2014). Im Anschluss habe ich einen Forschungsmaster in „Renaissance studies“ absolviert (CESR, Tours, 2015). Meine Masterarbeit ging um die Lektüre von Vergils Bucolica in zwei Schulheften der Frührenaissance in Deutschland. Seit 2015 promoviere ich an der Universität Paris 3 Sorbonne nouvelle und an der Philipps Universität Marburg.
Meine Forschungsinteresse beinhalten Buch-, Lese- und Gelehrtenkultur in der frühen Neuzeit, Bildungsgeschichte, Mentalitätsgeschichte, und Geschichte der Poesie und der Beredsamkeit, vor allem in ihrer praktischen, sozialen und kontextualen Dimension.

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