University of Erfurt

Gotha Research Centre of the University of Erfurt

Projekt von Dr. Jan Marco Sawilla

Zu den dunklen Epochen der Geschichte und der Entstehung neuen historischen Wissens im frühneuzeitlichen Antiquarianismus

Die Frage, was genau unter neuem historischem Wissen zu verstehen ist, ist alles andere als einfach zu beantworten. Wo fängt dieses Wissen an? Befindet sich das, was in der Vergangenheit geschehen ist, nicht einfach in einem Zustand der Latenz, eingelagert in Dokumenten und Artefakten unterschiedlicher Art und Qualität und wartet nur darauf, auf sachkundige Weise in einen Prozess der Stiftung historischen Sinns überführt zu werden? Und wo enden die Möglichkeiten, zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt neues historisches Wissen zu erarbeiten? Das Projekt wird sich am Beispiel des frühneuzeitlichen Antiquarianismus (ca. 1650–1770) mit Fragen wie diesen auseinandersetzen. Konzentriert auf drei kleinere Fallstudien wird es darum gehen, zu verdeutlichen, dass die Charakteristik des Antiquarianismus nicht adäquat zu erfassen ist, wenn man nicht den sich verändernden epistemologischen Status jener Dinge berücksichtigt, welche unter den Händen der Antiquare überhaupt erst zu Objekten der gelehrten Investigation wurden. Thematisch gilt die Aufmerksamkeit der zeitgenössischen Beschäftigung mit Perioden, die nur wenige oder keine schriftliche Überlieferung hervorgebracht haben: dem frühen Mittelalter, der Prähistorie des nord- und mitteldeutschen Raums und den sich im 18. Jahrhundert intensivierenden Versuchen, die indigene Bevölkerung Nordamerikas in Zeit und Raum zu verorten. Konzeptuell versteht sich das Projekt als ein Beitrag zur historischen Epistemologie frühneuzeitlicher Gelehrsamkeit. Es soll mit zwei Aufsatzpublikationen abgeschlossen werden.

Kurzbiographie

Jan Marco Sawilla war bis vor kurzem Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz und am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“. Er studierte Geschichtswissenschaft und deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten Hamburg und Stirling. In seinen Publikationen hat er sich u a. mit historischer Semantik, der Geschichte der Hagiografie und des historischen Wissens in der Frühen Neuzeit auseinandergesetzt. Derzeit arbeitet er an der Fertigstellung eines Buchs, das sich mit extremen Formen kriegerischer Gewalt zwischen den Französischen Religionskriegen und dem French and Indian War befasst.

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